Tanz Nederlands Dans Theater

Foto: Rahi Rezvani

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Die Choreografin Crystal Pite hetzt in "The Statement" zwei Frauen und zwei Männer aufeinander, Figuren in einem krisengeschüttelten Konzern. Das Ergebnis ähnelt einer Graphic Novel - mit tödlichem Ausgang.

Von Dorion Weickmann

Ein Tisch, zwei Männer, zwei Frauen. Der Typ im dunklen Anzug kommt aus der Chefetage, um den Kollegen eine Stellungnahme abzupressen, weshalb "Ihre Abteilung unabhängig gehandelt hat". So ist die Ausgangslage in Crystal Pites Choreografie "The Statement", einer getanzten Milieustudie über das Hauen und Stechen im Management eines krisengebeutelten Konzerns.

Die Deutschlandpremiere ist Teil eines fulminanten Abends, mit dem das Nederlands Dans Theater im Haus der Berliner Festspiele gastierte. Pite erhitzt die kühle Klassik mit zeitgenössischer Energie und zündet das Gemisch mit expressiver Schubkraft. Sie synchronisiert die Bewegungen der Tänzer mit vier Sprecherstimmen, die den Streit und die Verzweiflung zuspitzen. Die Tänzer liefern eine künstlerisch verdichtete Kopie körpersprachlicher Machtspiele. Das Arrangement ähnelt einer Graphic Novel - mit tödlichem Ausgang. Mitreißend war auch die zweite Novität, Gabriela Carrizos "The missing door". Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod rekapituliert ein angeschossener Mann den Vorlauf der Attacke. Carrizo verpackt den Thriller als Komödie, unterlegt den Slapstick mit schwarzem Humor. Man wünschte Berlin mehr solcher Highlights.