SZenario Das große Hofieren

Die Regisseurin Tini Tüllmann hat für ihr Debüt "Freddy/Eddy" den Heinz-Badewitz-Preis erhalten.

(Foto: Hofer Filmtage)

Premiere bei den Filmtagen: die Verleihung des Heinz-Badewitz-Preis

Von Rainer Gansera, Hof

Was einen guten Film ausmache, wird Wim Wenders gefragt. Antwort: "Dass er ein Wagnis eingeht!" Im Scala, dem Hofer Kino mit dem prächtigen Fünfzigerjahre-Ambiente präsentiert Wenders seine Handke-Verfilmung "Die schönen Tage von Aranjuez" am Freitagabend als Deutschlandpremiere, zuvor aber darf er Preisüberbringer sein. Um das Lebenswerk des im März verstorben Festivalgründers zu würdigen und eines der jungen Regietalente, deren Förderung Badewitz immer am Herzen lag, zu unterstützen, hat das Kuratoren-Trio der diesjährigen Filmtage - Linda Söffker, Thorsten Schaumann, Alfred Holighaus - den Heinz-Badewitz-Preis ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Baur-Stiftung. Ein mit 5000 Euro dotierter Preis und das dazugehörige Objekt, gefertigt in der Design-Fachschule Selb, überreicht Wenders mit den Worten: "Im Jahr eins der Filmtage ohne Heinz: die erste Verleihung des Heinz-Badewitz-Preises. Ich muss dich im Sinne von Heinz duzen und dich im Sinne von Heinz auch gnadenlos umarmen!"

Das tut Wenders dann auch, er umarmt die Preisträgerin Tini Tüllmann, die sich riesig freut, heftig à la Heinz. Ihr Film "Freddy/Eddy", eine Art Schizophrenie-Psychothriller, gefällt Publikum und Kritikern, Holighaus liest aus Jury-Lobeshymne vor: "Dieses Debüt ist ein Ausnahmefilm, weil er sich traut, mit den klassischen Mitteln des Genrefilms eine Geschichte aus der deutschen Provinz auf die Spitze zu treiben!" Ein Wagnis sei der Film auch deshalb, weil die Regisseurin ihn ohne Förder- oder Fernsehgelder gestemmt habe. Immerhin fand sie Unterstützung bei ihrer Familie und befreundeten Schauspielern. Robert Stadlober hat eine kleine Rolle übernommen, Jessica Schwarz einen wichtigen und schönen Part im Gegenüber zum identitätsgespaltenen Helden. Dazu fällt Tini Tüllmann ein Erlebnis ein, sie erzählt von einem Filmtage-Besuch im Jahr 2004. Damals arbeitete sie als Tonassistentin, hatte sich mit Jessica Schwarz angefreundet, und als sie mit ihrer Clique zu den Filmtagen anreiste und keine Unterkunft finden konnte, campierte man zu fünft auf dem Fußboden von Jessicas Hotelzimmer.

Eine dieser Hof-Geschichten, die zeigen, wie sich die Badewitz-Filmtage ihren Ruf als "Wohnzimmer des deutschen Films" erwerben konnten. "Für Heinz" lautete nicht nur die Widmung des Eröffnungsfilms, es ist Widmung und Motto der gesamten diesjährigen Filmtage. All die Filmemacher, die hier ihre Karrieren starteten wie Werner Herzog, Wim Wenders, Doris Dörrie, Caroline Link schildern im Lauf der Tage, was sie "dem Heinz" verdanken, und in dieses "Für Heinz"-Gedenken fügt sich die Preisverleihung schön ein.

Bei der Preis-Party in den Hoftex-Hallen befolgt die Regisseurin den Rat ihres Vaters: "Wenn dich die Leute zu sehr mit Fragen nach dem Anliegen deines Films bestürmen, antworte einfach, du hättest da deine Kindheit verarbeitet!" Für "Freddy/Eddy" geht es nun darum, einen Verleiher zu finden, und die ersten Gespräche lassen sich gut an. Für die Hofer Filmtage geht es indes darum, mit dieser Preisverleihung zu bekräftigen, was alle hier geschlossen wollen und unterstützen: dass es mit dem Festival im Geiste ihres Gründers weitergehen soll.