Man fragt sich, wann der moderne Mensch erkennen wird, dass er nicht Atome spalten und Öl vom Meeresboden saugen kann, wenn der Preis dafür ist, dass kein gesundes Essen mehr auf den Tisch kommt.
Anfang des Monats gaben Verantwortliche des Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi bekannt, dass sie Sägemehl, drei Müllbeutel voller Zeitungspapier und eine absorbierende Chemikalie, die normalerweise in Windeln verwendet wird, einsetzten, um zu versuchen ein Leck in der Wand des Reaktors zu stopfen, durch das Tausende Liter radioaktives Wasser in den offenen Ozean liefen.
Bild vergrößern
Fukushima-1 und Deepwater Horizon zeigen, wie planlos und stümperhaft Katastrophenmanagement oft betrieben wird - weil im Bemühen um moderne Technologien die Kosten für deren Risiken oft außer Acht gelassen werden. (© AFP)
Anzeige
Als ich über diese erschreckend steinzeitliche Lösung für etwas las, das sich zu dem bislang schwierigsten Umweltproblem des 21. Jahrhunderts entwickelt, konnte ich nicht anders als mich an die technisch ähnlich simplen (und ähnlich schrecklichen) Lösungen zu erinnern, die man angewandt hatte, um vor einem Jahr ein anderes hoch technisches Problem zu "lösen" - das massive Ölleck der British Petroleum, das 1600 Meter unter der Meeresoberfläche in den amerikanischen Gewässern des Golfs von Mexiko aufgetreten war und durch das zwischen 500.000 und einer Million Tonnen Rohöl auslaufen sollte.
Als sich damals im Frühjahr 2010 in einem vor der Küste Louisianas planlos agierenden Notfallteam aus Spezialisten von BP und Regierung Panik breit machte, versuchten es die Arbeiter mit einem sogenannten "Junk Shot" (Tonnen von Golfbällen und alten Gummireifen, die in die sprudelnde Öffnung der Quelle gestopft wurden), einem "Top Kill" (weitere Tonnen Bohrschlamm und Zement, die ebenfalls erfolglos aus Hunderten Metern Höhe abgeworfen wurden), und als all das schließlich gescheitert war, versuchte man es mit einer weiteren Lowtech-Lösung für das Problem, die noch auf Jahre hinaus massive Auswirkungen auf die Region haben wird.
Als das Öl im vergangenen Frühjahr auf die Küste zutrieb, entschied der Küstenkoordinator des Gouverneurs die Süßwasser-Umleitungskanäle des Mississippi zu öffnen. Diese Notmaßnahme ergriff man in der Hoffnung, dass in Gegenrichtung strömendes Süßwasser das Öl von der Küste wegtreiben würde. Ironischerweise waren die Süßwasserumleitungen erst in jüngerer Zeit geschaffen worden, um die Bedingungen für das Delta und seine Austernbänke zu verbessern.
Dem Idealplan zufolge leiten die Umleitungen des Mississippi langsam einen geringen Süßwasserstrom in das Marschland. Austern brauchen zum Leben sowohl Süß- als auch Salzwasser, und ein langsamer Durchfluss des Süßwassers bot die Möglichkeit, dem sich verschlechternden, und zunehmend versalzenden Marschsystem zu helfen. Zu viel Süßwasser aber ist sehr schlecht für Austern. Und als entschieden wurde, die Umleitungen zu öffnen, führte der Mississippi gerade extrem viel Wasser - 2010 war ein El-Niño-Jahr.
So wurden Millionen Liter Süßwasser über die Austernbänke geschwemmt, veränderten auf für sie tödliche Weise den Salzgehalt des Deltas und löschten nach manchen Schätzungen bis zu 80 Prozent der Bänke aus.
Aus ökologischer Sicht ist das gewaltig. Eine einzelne Auster kann etwa zehn Liter Wasser am Tag filtern, und die Millionen Austern in Louisiana gehören zu den Faktoren, die den Golf als Ökosystem funktionieren lassen.
Das alles ist noch schmerzlicher, wenn man bedenkt, wie düster die Lage der Austern allgemein ist. In einer Ausgabe des amerikanischen Journals The Proceedings of the National Academy of Sciences aus dem Jahr 2004 wurde das Phänomen als "eine Wanderwelle der Ausbeutung" bezeichnet. Der Kollaps der Austern zog sich die amerikanischen Küsten entlang nach Süden, wobei immer weiter entfernt gelegene Reviere die Austern-"Saat" liefern mussten, um die zusammenbrechenden Fischereibetriebe im Norden am Leben zu erhalten. Die Wasserverschmutzung beschleunigt den Prozess.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum die Unbeschadetheit der Meeresfrüchte für die Bewohner so wichtig ist.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Die grüne Frage RSS
- SZ-Serie: Die grüne Frage Das Rennen ist offen 21.04.2011
- SZ-Serie: Die grüne Frage Zeiten des Übergangs 17.04.2011
- Neue SZ-Serie: Die grüne Frage Der Mann, der nicht mehr weinen kann 11.04.2011
- Neue SZ-Serie: Die grüne Frage Ökologie ist Notwehr 08.04.2011
- Zum Siegeszug der Grünen Stunde der Heuchler 30.03.2011
- SZ-Serie: Die grüne Frage Die saubere Lösung 28.04.2011
- Umfrage: Ökopartei stärker als SPD Die Grünen im Glück 17.04.2011
Wettmanipulation im Fußball
"Erst wenn der letzte Baum gefällt,
der letzte Fluß vergiftet
und der letzte Fisch gefangen ist,
werdet Ihr herausfinden, daß man Geld nicht essen kann."
Doch von diesem Tag sind wir alle noch sehr weit entfernt.
antworte erst jetzt, hatte noch zu tun, vielleicht lesen Sie es noch: "Wohlstand" und "schönes Leben" müssen nicht mit Verschwendung in jeglicher Hinsicht gleichgesetzt werden. Und ich denke, dass das schönste und wichtigste im Leben kommt aus dem Menschen selber hervor. Diesen Gedanken und den Wunsch, dauernd etwas neues kaufen zu müssen oder unnötiges zu haben, habe ich wirklich nicht.
Das mit der "Last für die Umwelt" ist vermutlich auch nicht richtig, wobei wir auch ein Teil der Umwelt werden könnten, ohne dieser zu Last zu fallen. Falls aber die Nachhaltigkeit nicht bald besser umgesetzt wird, sehe ich schwarz. Das mag genügen, TuMas
....dann ist das doch die Chance für das Ökosystem, mal wieder auf die Füße zu kommen. Schade für die Fischer von heute, aber vielleicht ist dafür für ihre Enkel dann wieder genug zu Fangen da.
schließen Sie sich z. B. als Mitglied der menschlichen Rasse von der Gier nach Wohlstand und einem schönen Leben aus?
Wollen wir nicht alle dass es uns gut geht und geht dies nicht fast zwangsläufig zu Lasten der Umwelt??
Egal wie wir nach heutigem Standard leben, irgendwie sind wir immer nur eine Last für die Umwelt.
So auch mein Satz"wir sind nicht mehr Bestandteil des Ökosystems" zu lesen.
Klar, nach naturwissenschaftlicher Definition sind wir das schon noch...
Die Gier beschränkt sich keineswegs auf die Bezieher hoher Einkommen. Wir finden sie überall, beim kleinen Angestellten ebenso wie beim Vorstandschef, beim Arbeitslosen ebenso wie beim Millionär. Nicht jeder, der es im Leben nicht zu Reichtum gebracht hat, ist deswegen frei von Gier, und natürlich ist nicht jeder Wohlhabende automatisch gierig, nur weil er wohlhabend ist
Paging