Was uns Menschen wirklich glücklich macht. Wie unser Kollege bei Jauch 500.000 Euro gewonnen hat. Und: die unglaubliche Liebe von Paul und Susanne - nach 23 Jahren warten.

Susannes Geschichte Als mein Mann mit nur 39 Jahren nach einer Darmoperation starb, lag mein Leben in Scherben vor mir: Ich war 31, Witwe, hatte zwei kleine Töchter und keinen Job. Und weil wir erst ein paar Wochen zuvor eine Eigentumswohnung gekauft hatten, saß ich auf einem Berg von Schulden, insgesamt 110000 Mark. Ich weiß noch, wie verzweifelt ich war, als auf einmal Paul vor der Tür stand, mein neuer Nachbar. Er wollte nur mal Hallo sagen und mir zeigen, dass ich nicht allein war in dem neuen Haus. Seine Anwesenheit hat mich getröstet, daran kann ich mich noch erinnern. Ansonsten war 1978 ein schreckliches Jahr, nachts lag ich oft wach, ich hatte Angst, war verzweifelt.

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Leider blieb Paul an diesem Nachmittag nicht lang, nach zehn Minuten stand seine Frau Christine in der Tür. Trotzdem kam er von da an regelmäßig hoch zu mir, meistens mit seinem bunten Stofftäschchen in der Hand, in dem er sein Werkzeug aufbewahrte. Er half mir, Nägel in die Wand zu bohren oder Vorhangstangen aufzuhängen. Heute bin ich mir sicher, dass wir früher zueinander gefunden hätten - wenn er nicht in seiner komplizierten Ehe gesteckt hätte.

Wie sein Leben einen Stock tiefer aussah, wusste ich nicht. Paul redete nicht viel, über sein Privatleben schon gar nicht. Er war schüchtern, fast verschlossen, aber ich mochte seine Art. Unsere Familien lernten sich besser kennen, vor allem weil zwei unserer Töchter im gleichen Alter waren. Trotzdem fühlte ich mich oft einsam, bis Freunde ohne mein Wissen eine Kontaktanzeige in der Zeitung für mich aufgaben.

Auf "Topf sucht Deckel" meldete sich nur einer: Michael, ein deut-scher Bauingenieur aus Afrika. Ich hatte Torschlusspanik und Angst vor dem Alleinsein, also schrieb ich ihm zurück, einen Monat später besuchte er mich. Er war nicht mein Typ, aber die Kinder mochten ihn und er zog bei uns ein. Erst nach drei Jahren erfuhr ich, dass er mich betrog und obendrein mit einer Afrikanerin verheiratet war. Da setzte ich ihn vor die Tür. Als er ging, nahm er alles mit: meinen Pelz, Geschirr, Bilder, sogar den Schmuck meiner Mutter. Dieser Mensch war der Fehler meines Lebens. Er hatte mich so verletzt, dass ich mir mit 34 Jahren schwor, für den Rest meines Lebens allein zu bleiben.

Als Michael aus meinem Leben verschwunden war, kam Paul wieder öfter zu mir. Er war ganz anders als Michael, viel zurückhaltender, dafür konnte er gut zuhören. Doch meistens schickte ich ihn schnell wieder weg. Ich wollte nicht, dass seine Frau dachte, zwischen Paul und mir läuft etwas. Ich habe jeden verbotenen Gedanken unterdrückt, fast war es, als würde ich meinen eigenen Bruder begehren. Und so musste ich bis zum August 1995 warten - 17 Jahre nach unserer ersten Begegnung -, bis er mir zum ersten Mal ein Zeichen gab:

Seine Tochter Nina und meine Große, Barbara, feierten an diesem Abend ihren 18. Geburtstag und es kamen so viele Freunde zum Seefest, dass Paul und ich noch losmussten, um aus meinem Keller Bier zu holen. Auf dem Rückweg schlug Paul vor, im See schwimmen zu gehen. Wir hatten keine Badesachen dabei, aber ich fühlte mich beschwingt und hatte Lust darauf. Wir sprangen nackt ins Wasser, alles war so normal, so vertraut, so entspannt. Obwohl Paul Abstand zu mir hielt, sah ich ihm an, wie glücklich er war. Trotzdem sagte ich, dass mir kalt sei, und schwamm zurück. Warum, weiß ich bis heute nicht. Die halbe Stunde am See kostete uns die nächsten drei Jahre. Paul kam nicht mehr hoch, er ging mir aus dem Weg. Christine muss ihm damals die Hölle heiß gemacht haben.

Morgen mehr. Im SZ-Magazin.

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