Soweit das Setting. Es ist spannend, witzig, unterhaltsam und nie langweilig. Das Buch ist zu Recht weltweit an 50 Millionen mal verkauft worden. Bessere Kurzweillesekost hat selten einen Computer verlassen. Und das völlig unabhängig von der nur banal zu nennenden Frage, ob denn die Brownschen Herzensergießungen eine Unterwanderungsrealität des Allerheiligsten tatsächlich "as is" beschreiben.
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Dennoch: der Hype um das Buch setzt genau darauf und erfuhr so immer weitere Stimulanzien. Sei es durch einen vor Kameras ausgetragenen Plagiatsprozess, den man von Seiten eines Autoren gegen Dan Brown anstrengte, der das alles auch schon mal aufgeschrieben haben wollte; sei es durch die Verlautbarung, dass sich die katholische Kirche nicht in allerbestem Licht portraitiert sah; sei es, dass "Opus Dei" einen kleinen Hinweis eingebaut haben wollte, dass es nicht wirklich eine Psychopathen-Rekrutierungsagentur sei - oder sei es durch die Tatsache, dass Tom Hanks in dem Film zum Buch (eigentlich ein Film zum Buch zur Drehbuchsoftware) diesen Jäger der Krempelritter geben wird.
Keep the meal cooking!
Um den Film hat es Geheimhaltungs-Präliminarien gegeben, die jeden Staatsbesuch von George W. Bush in Bagdad in den Schatten stellen würden. Julia Encke hat in einem äußerst lesenswerten Artikel für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung darüber berichtet: "Als vor gut zwei Monaten Regisseur Ron Howard Berlin besuchte, um 35 Minuten seines "Da Vinci Codes" zu präsentieren, ging es am Potsdamer Platz zu wie am Flughafen: Sämtliche Taschen, Mäntel und Mobiltelefone mussten abgegeben, es musste per Unterschrift versichert werden, dass man nichts über die Bilder verraten würde. Mit Headsets ausgestattete Hostessen schleusten die Gäste durch Metall-Detektoren in den Kinosaal - und es fehlte eigentlich nur noch, dass man beim "Piep" die Stiefel hätte ausziehen müssen. ... Die Sequenzen waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig geschnitten, also völlig durcheinander. Trotzdem meinte man, alles bereits aus dem Buch zu kennen."
Und so kommt es, dass außer diesen 35 gestoppelten Minuten noch kaum jemand etwas von diesen Film gesehen hat. Das wird sich ändern, denn er wird in dieser Woche die Filmfestspiele in Cannes eröffnen und alsdann die Kinos der Welt schwemmen.
Wollte man nun in den Diskurs einsteigen, den Autor Brown und Regisseur Howard da betreiben, dann sollte man einen Fehler nicht begehen: Man sollte der PR-Maschine nicht auf den Leim gehen.
Also: Die Diskussion um die Wahrhaftigkeit des Fiktionalen kann man knicken. Buch und Film beschreiben keine Realität - was übrigens Tausende von Paris-Touristen bestätigen werden, welche die harmlose Kirche Saint-Sulpice mit gezücktem Brown aufsuchten, um nach den Geheimbotschaften zu fahnden, die das Buch dort lokalisiert hat.
Und was auch der von der "Zeit" georderte Kunsthistoriker Frank Zöllner untermauerte, der Leonardos Bilder deutungshistorisch wieder gerade rückte.
Nein, um Wahrheit oder Fiktion geht es nicht in dem Buch - um Wahrheit und Fiktion geht es im Vorfeld der knatternden PR-Motoren. Die synthetisch stilisierte Skandalisierung einer nicht vorhandenen Lästerung ist die einzige Wahrheit im Umkreis des Buches. Und das ist - wenn man es dem souveränen Statut eines Romans überblendet, kaum weniger als ein Sakrileg an der Literatur. Der Film wird gute Unterhaltung sein, das Buch ist gute Unterhaltung. Brown ist ein guter Spieler, der sein Metier beherrscht und aufzeigt, dass man vor der Kultur des Abendlandes nicht immer in die Knie gehen muss, um sie zu respektieren. Wir wünschen Howard eine adäquate Souveränität im Umgang mit seinen Bildern.
Sprechend das Buch also nicht in Bildern und Zeichen. Sprechend ist - vor den Buchdeckeln, vor den Kinotüren - der ungebremste Vermarktungswille für beide Medien, der nicht einmal Orgelregister auslässt, um auf der selbst erzeugten Welle zu surfen.
Und so werden eben Echt-Unecht-Spielchen gespielt, die bewusst Schwarze Löcher für raunende Bedeutung im Universum der Zeichen aufreißen, wird mit Dementi und Gegendementi keine Wahrheit des Sakralen enthüllt, sondern die einzige Wahrheit der PR sakralisiert: Es ist die des Geldes.
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Umweltstiftung WWF in der Kritik