Man Ray, Max Ernst, Joan Miró, Salvador Dalí oder René Magritte gehörten in den zwanziger Jahren zu den Künstlern, die surrealistische Bilder hervorbrachten, mal gemalt, mal als Foto, oft als Collage oder Frottage. Sie alle waren "Träumer", und ihr Zentrum war Paris: Nicht selten mit Hilfe von bewusstseinserweiternden Mitteln versetzten sich die Post-Dada-Künstler in einen Zustand, der von der Realität möglichst weit entfernt war. Ziel war, das Unwirkliche und die Tiefen des Unbewussten auszuloten und den durch menschliche Logik begrenzten Horizont durch das Phantastische zu erweitern - auch für den Betrachter.
So mischen sich Traum, Verborgenes, Verwirrendes, beunruhigende Metaphern, sexuelle Phantasien und morbide Verformungen zu rätselhaften Szenen, die kein Mensch mit Logik zu durchschauen vermag. Den Blick zu öffnen für unbewusste Verbindungen, für alles, was sich unterhalb des Sichtbaren abspielt, war der Plan der Surrealisten. Ihre Absicht war, nicht nur das Bewusstsein, sondern auch die Wirklichkeit global zu erweitern - und alle geltenden Werte umzustürzen. Der Surrealismus gilt daher als anarchistisch-revolutionäre Kunst- und Weltauffassung.
Die aufrührerische Kunstbewegung, die gegen die unglaubwürdig gewordenen Werte der Bourgeoisie antrat, konzentrierte sich im Gegensatz zum destruktivistischen Dadaismus aber auf eine konstruktivere Weltsicht. Beeinflusst vom Symbolismus, Expressionismus und Futurismus stellt der Surrealismus eine nichtrationale und gefühlsbetonte Welt des Traums in den Vordergrund, lehnt dabei aber jegliche rationale "bürgerliche" Kunstauffassung radikal ab.
Foto: Georges Hugnet, Sans titre / Ohne Titel, um 1936, Silbergelatine, Fotocollage, 23,7 x 17 cm, Collection Christian Bouqueret, Paris, © VG Bild-Kunst, Bonn 2009
20. November 2009, 16:01 2009-11-20 16:01:00