Dabei ist die Flucht der Reichen aus der Welt ein ständiger Wettlauf mit der Demokratisierung des Wohlstandes. Da brachte American Express erst die Gold Card, dann die Platin Card auf den Markt, die heute jeder besserverdienende Angestellte bekommt, weswegen nun die schwarze Centurion als letztes Statussymbol der Superreichen dient.
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Wer wirklich etwas auf sich hält, trägt natürlich längst keine Brieftasche mehr bei sich, kein Handy und keinen Schlüsselbund, weil er rund um die Uhr von Assistenten umgeben ist, die ihm Banalitäten wie das Bezahlen, das Wählen von Nummern oder das Aufschließen von Türen abnehmen. Denn bei der Flucht aus der Welt geht es nicht nur um den Raum, sondern um jede noch so banale Geste, die einen Bezug zum wirklichen Leben darstellen könnte.
Rebellische Maxime
In den USA ist diese Entfremdung so weit fortgeschritten, dass das Wall Street Journal seit 2003 eine Kolumne mit dem Titel "The Wealth Report" unterhält, in welcher der Wirtschaftsjournalist Robert Frank über Leben und Kultur der Superreichen berichtet. Letztes Jahr verarbeitete er seine Beobachtungen in einem Buch, das er "Richistan" nannte. Hier beschreibt er die Welt der Reichen: "Sie haben eine eigenständige Welt für ihresgleichen geschaffen, mit einem eigenen Gesundheitssystem, eigenem Reisenetzwerk, einer separaten Wirtschaft. Die Reichen wurden nicht nur reicher, sie wurden zu finanziellen Ausländern, die ihr eigenes Land innerhalb des Landes schufen, ihre eigene Gesellschaft innerhalb der eigenen Gesellschaft."
"Wer noch Linie fliegt, der ist nicht reich", ist da nur einer der Maßstäbe, die dort gelten. Auch ein Passagier der ersten Klasse wird noch mit solch lästigen Institutionen wie einem Flughafen mit seinen Sicherheitsvorkehrungen behelligt. Wer aber mit dem Privatjet reist, der landet in den meisten Metropolen auf einem gesonderten Flugfeld, er muss sich weder dem Gang durch den Metalldetektor noch der Befragung durch Zollbeamte unterziehen.
Weil ein Großteil dieser neuen Elite seinen Reichtum aber selbst erwirtschaftet hat, sei es als Manager, Investor oder Innovator, herrscht in dieser Welt keineswegs das traditionsbehaftete Denken des alten Geldes. Im Gegenteil. In den neunziger Jahren lautete das Mantra des Erfolges: "Think outside the box". Nur wer es schaffte, außerhalb der etablierten Strukturen zu denken, wer die gängigen Regeln und Grenzen ignorierte, missachtete, überlistete, der konnte auch vom Informatikstudenten zum Milliardär, vom BWL-Praktikanten zum Konzernchef aufsteigen. Wer aber sein Leben nach der rebellischen Maxime ausgerichtet hat, Regeln zu missachten und dafür so reich belohnt wurde - warum soll er sich noch an Gesetze halten?
Im Rampenlicht
Erschwerend hinzu kommt der Verlust des Verantwortungsprinzips. Ein moderner Konzern wird nicht mehr vom Klischeebild des Fabrikdirektors geleitet. Ein moderner Konzern ist ein offenes System aus Verwaltungsbereichen. Dieses System ist nichts und niemandem verantwortlich.
Der Aufsichtsrat muss sich vielleicht den Aktionären erklären, doch letztlich haben laterale Strukturen und laterales Denken nicht nur schwerfällige Hierarchien eliminiert, sondern eben auch das Gefühl der Verantwortung. Denn es gibt keine letzte Instanz. Nur so kann es kommen, dass die Hauswirtschaftsmilliardärin Martha Stewart so fassungslos reagierte, als sie wegen Insidergeschäften ins Gefängnis musste. Sie habe ihre Strafe doch schon längst bekommen, sagte sie.
Denn die restliche Gesellschaft reagiert nun mit mittelalterlichem Reflex auf diese futuristische Form des Feudalismus. Die Gesellschaft weiß sehr wohl, wie schwer es ist, diese Menschen in die Realität zurückzuholen. Leona Helmsley etwa wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt, saß aber nur 19 Monate ab. So bleibt nur der Pranger, um wirklich zu bestrafen. Wer erst einmal als Missetäter durch die Abendnachrichten und Magazinsendungen gereicht wurde, der hat mehr gebüßt, als jede Nach- und Strafzahlung erreichen könnte. So empfand auch Martha Stewart ihre Zeit im Gefängnis als nicht halb so schlimm wie die Monate im Rampenlicht der Prozessberichterstattung.
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(SZ vom 19.2.2008/kur)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Carl Eugen, Herzog von Württemberg von 1737 bis 1793, der ab einem gewissen Zeitpunkt allzu sehr als berüchtigter Prasser im Lande verspottet war, hatte sich für private Vergnügungen eine Hütte bauen lassen, die außen 'pfui' innen jedoch mit Seidentapeten verkleidet war.
... noch der Satz : "Unser Vermögen beruht auf Leistung !"
Und unter Eingeweihten des Inneren Kreises muß ein Satz garnicht erst ausgesprochen werden , nämlich : " Und wir kaufen uns die Regierung ."
hat grundsätzlich nichts mit Stil zu tun.
Als Analogie zum Neo-Kapitalismus, wie er sich in schillerndsten Farben gerade in Russland zeigt, dient das oben gezeigte Bild sehr gut. Zudem muss gesagt werden, das der Russe ein anderes Verhältnis zu Geld, Luxus und Macht hat, als der in sich verzogene Multimillionär aus dem Schwarzwald.
In Russland wird die finanzielle Situation offen und provokativ zur Schau gestellt (Lebe heute, mein Freund...) - entsprechend reich fallen die Klischees auch in dieser seriösen Tageszeitung aus.
Stil ist ein Ausdruck von Würde, Respekt, Courage und Anspruch.
Die Gewöhnlichkeit beginnt meistens mit der belang- und wahllosen Anschaffung sinnloser und falsch interpretierter Statussymbole, die der Ablenkung vom eigenen, nicht zu überwindenden Mittelmaß dienen...
Jenseits jeglicher Neiddebatte (mich interessieren diese Leute nicht, ginge es nur darum, ihnen dieses Bedürfnis zu gönnen, würde ich sagen "herzlich gerne"), ofenbart sich in dieser Abschottung einerseits eine primitive Fixierung auf das Materielle, andererseits eine gehörige Portion Angst.
Wir können diese Angst steigern und sie dazu veranlassen, wieder in die Normalität zurück zu kommen: Wir ignorieren sie einfach, es wird nicht mehr über sie geschrieben, berichtet usw. Denn noch mehr als vor dem Verlust ihres Reichtums fürchten sie sich davor, gar nicht mehr wahrgenommen zu werden. Aber da gibt es noch zu viele, die zu ihnen aufsehen, auch unter den Journalisten.
Herrn Kreye, scheint entweder die Feder aus einer Cloaca maxima entsprungen zu sein oder aber er sieht zuviel fern.
Dem Herrn Eiermeier zu H Kirch: Herr Kirch ist schwerkrank, fast blind. - soviel zu "wer sein Leben lang nicht schwer gearbeitet hat"
the-egg: weiter so.
Paging