Man könne das Blatt nicht als Ostdeutscher machen, sagt Wolff. "Ich hatte den Rucksack der Vergangenheit nicht zu schleppen, das war mein Vorteil". Aber war die DDR nun ein Unrechtsstaat oder nicht?
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"Die DDR war eine Diktatur, ja, aber die Leute haben eben eine andere Beziehung dazu", sagt Wolff, "es ist eine weich gespülte DDR, die wir präsentieren". Das ist ja sein Spagat: ein Blatt zu machen, das Oppositionelle von einst genauso lesen wie frühere Stasi-Offiziere.
Mitte März erschien Super Illu mit der Schlagzeile "Ich war gerne DDR-Bürger: TV-Legende Herbert Köfer und sein provozierendes Bekenntnis". Hinter Köfers Kopf, rechts oben, schiebt eine Krippenerzieherin Kinder im Wägelchen über die Straße, Thälmann-Pioniere winken. Unten rechts sitzt eine Nackte auf einem Findling, der mit "FKK" bepinselt wurde.
Hunderte Leserbriefe gingen ein, weil Köfer wohl aussprach, was viele sich nicht trauten. "Warum muss ich mich als ehemaliger DDR-Bürger immer entschuldigen und rechtfertigen für meine Kindheit, Jugend- und Erwachsenenzeit?", fragte einer.
Wieder eine Heimat für die DDR-Prominenten
"Ich versteh' dit nicht", sagt Wolff in einer Mischung aus Berliner Slang und Bayerisch, "wenn Westdeutsche ihre Nierentischchen rausholen, dann ist dit ganz normal. Wenn Ostdeutsche sich mit ihrer Vergangenheit beschäftigen, dann ist dit Ostalgie".
Der Anfang der Super Illu war anders. "Sex. Die neuen Praktiken" und "Große Freiheit auch im Bett" versprach das erste Heft im August 1990. So ging das eine Weile, und als das Maß an Entblößung voll war, als die Kombinate schlossen, und jeder Mann mal zu Beate Uhse geschlichen war, wandelte Wolff das Blatt.
Die DDR-Prominenten eroberten die Titelblätter und fanden wieder eine Heimat. Später war es der Protest gegen den Hartz-Kapitalismus, der das Blatt prägte. "Brennt der Osten?" war die Schlagzeile zu Hartz IV. Auf dem Titelbild fraß sich ein Brandloch durch einen Fragebogen vom Arbeitsamt. Spätestens da merkte auch der Westen, dass der Osten aus dem Lot war.
Jetzt gibt es Seiten, auf denen die große Politik erklärt wird, und zwar so, dass sie jeder versteht. Und alle 14 Tage gibt es Gregor Gysi, der seine Kolumne schreibt. Daneben behauptet der konservative Hugo Müller-Vogg das Gegenteil von dem, was Gysi sagt. So, nun mach' dir mal deine Meinung.
Im Wahljahr, sagt Jochen Wolff, wird Gysi nicht schreiben. Es soll nicht so aussehen, als würde jemand bevorzugt.
Jetzt sind wieder die Prominenten vorn, aber nicht mehr nur diejenigen, mit denen Erna Kasupke groß geworden ist.
"Wir haben ja die volle Brause", sagt Stefan Kobus, Wolffs Stellvertreter, "von Britney Spears bis Stefanie Hertel ist alles drin".
Angekommen im vereinten Deutschland
Fachfrau für die alten Ost-Stars ist Bärbel Beuchler. Zu DDR-Zeiten hat sie bei der FF-Dabei gearbeitet, das war die Fernsehzeitschrift. Sie hatte einen glatten Weg. Abitur, Studium, ein Zuhause, in dem kein Westprogramm im Fernseher laufen durfte, der Vater wollte das nicht. Kurz vor dem Fall der Mauer sah sie plötzlich Kollegen, Genossen, die sich drehten, weil der Wind sich drehte. "Verdammter Mist", sagte sie zu sich selbst, "was seid ihr für Heuchler!"
Als die Mauer fiel, ist sie erst gar nicht rübergefahren, konnte nicht. "Ich wusste", sagt sie, "jetzt kriegen wir den Kapitalismus, wie wir ihn im Geschichtsbuch gelernt hatten". Bis zum Februar hat sie gewartet, drei Monate, dabei war sie in Berlin.
Bald zwei Jahrzehnte ist das her. Natürlich ist sie mit ihrer Familie längst angekommen im vereinten Deutschland. Nur, wenn sie den Aktenschrank öffnet, in ihren Ordnern blättert, ist es, als würde das kleine Land mit seinen Stars noch einmal für Minuten Stimmen kriegen, und Gesichter. Horst Drinda, der Kapitän aus "Zur See"? Ist schon vor drei Jahren gestorben. Jerry Wolff? Auch längst tot. Bärbel Beuchler hat sie für Super Illu alle begraben. Alla Pugatschowa? Lili Ivanova? Die Schlagersängerinnen?
Tja, wo sind die denn geblieben, sagt Bärbel Beuchler und zieht den Schrank wieder zu. Sie wird sich kundig machen. Könnte ja sein, dass ein Leserbrief kommt, und jemand fragt nach Pugatschowa und Ivanova.
Könnte ja sein von Erna Kasupke.
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(SZ vom 02.10.2008/pak)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Wichtig anzumerken ist meiner Meinung nach, das der Unterschied in der Sichtweise der ehemaligen DDR auch dadurch zu erklären ist, das Ost- und Westdeutsche historisch bedingt andere Sichtweisen der "zuletzt erlebten" Diktaturen haben.
In Westdeutschland war die letzte Diktatur, die des Nationalsozialimus. In einer langen schmerzhaften Auseinandersetzung hat man am Ende begriffen, das es eben nicht nur "wenige Nazis" waren die für die unglaublichen Verbrechen gegen die europäische Bevölkerung verantwortlich waren, sondern man auch die historische Verantwortung breiterer Schichten aktzeptieren muss.
In Ostdeutschland dagegen ist die letzte Diktatur die der SED gewesen, mehr gegen bzw. auf das eigene Volk gerichtet, als die des Nationalsozialismus.
Zusätzlich ist jedem DDR-Bürger auch klar gewesen, das ein Aufstand gegen das eigene Regime auch mit Hilfe russischer Truppen höchstwahrscheinlich niedergeschlagen wird. Die Folge war man hat sich in und mit dem Regime eingerichtet.
Ich möchte hier keinen Vergleich dieser beiden Diktaturen anstrengen, noch eine Relativierung ihrer jeweiligen Verbrechen vornehmen.
Aber die historische Rezeption und Aufarbeitung der letzten Diktaur in Westdeutschland ist eben nicht einfach der letzten Diktatur in Ostdeutschland überzustülpen ohne die historischen Unterschiede zu aktzeptieren.
Denn in diesem Fall wird man leider weiterhin aneinandervorbeireden.
hofirekj: "es ein relevanter Unterschied gibt zwischen der jundgen generation im Osten und Westen"
Diesen Unterschied gibt es heute immer noch. Hängt aber stark von der Bildung ab. Je höher die Bildung desto näher die Sichtweise. Ähnliches gilt für den Wohlstand, je größer der Wohlstand, desto ähnlicher.
Unterschiede in einigen grundsätzlichen Dingen werden wohl auch noch bleiben. Mir ist nach zehn Jahren Ost-West-Beziehung einiges aufgefallen. Man sieht sich im Osten gerne immer noch lieber als "Opfer der Umstände" und ruft nach dem Staat, im Westen ist dies deutlich weniger ausgeprägt. Die, die keine persönlichen schelchten Erfahrungen gemacht haben, neigen etwas zum verharmlosen des Systems - warum sonst würden bis zu 25% die SED, ähhh... die Linke, wieder wählen. Und so weiter...
Wegen Meinungen wie der Ihren boomt die SuperIllu. Können Sie sich vorstellen, das in der DDR die Menschen nicht rund um die Uhr für oder gegen den Sozialismus kämpften? Auch in der DDR haben die Menschen meistens einfach nur ihr Leben gelebt und haben das Beste aus den oftmals beschränkten Möglichkeiten (z.B. Urlaub) gemacht. Klar gab es Stasi, Planwirtschaft u.s.w. Aber die Leute sind es einfach nur leid, dass die DDR - und damit ein Teil ihres Lebens - ausschließlich darauf konzentriert wird. Ja, die DDR war eine Diktatur, und in vielen Lebensbereichen war es auch wirklich belastend (sonst hätte es den Oktober 1989 nicht gegeben). Aber viele Menschen wollen sich doch auch an schöne Momente (die gab es wirklich) von damals erinnern. Die SuperIllu hat das erkannt und füllt recht erfolgreich diese Lücke.
Wann trennen wir endlich Mensch "Ossi" und System "DDR" ???
Warum können wir (das betrifft auch die Beiträge zu den verwandten Themen im SZ Forum) nicht sauber trennen zwischen Mensch und System? Als Wessis neigen wir immer noch - oder schon wieder (?) - dazu Den Ossi mit der DDR gleichzusetzen. Von Anfang an haben wir ein ganzes Volk unter Generalverdacht gestellt (SED, Stasi, Pionier, FDJ, Armee) - alle waren Schuld und alles war Mist. Und wir im Westen waren ja so toll. Schon kurz nach der Wende haben wir "Besserwessis" plötzlich allen gesagt, wie dumm sie waren und was doch so alles gemacht werden sollte. Was dabei nicht nur wirtschaftlich kaputtgemacht wurde ist weitgehend bekannt. Somit haben wir Wessis eine tolle Basis für die "innere Einheit" geschaffen.
Unser größter Fehler, und der wirkt heute noch nach: Die Menschen im Osten nicht einfach anzuerkennen, wie sie waren. Über 90% Gefangene in einer Diktatur. Und wir hatten nichts besseres zu tun, als 100% Dumme oder Schuldige zu sehen. Wir haben es sogar geschafft, die ganz wenigen Errungenschaften der DDR zu vernichten. Denn unabhängig von der sehr zweifelhaften Motivation dahinter gab es eine flächendeckende Vereinbarkeit von Beruf und Familie inkl. Kinderbetreuung, die wir jetzt so dringend im Westen herbeisehnen...
Wir müssen zu einem Bild - frei von kommunistischer Sozialromantik - der DDR kommen, die das System und deren Treiber/Macher verurteilt, die restliche Bevölkerung aber endlich freispricht.
Wird man auch 50 Jahre nach dem Mauerfall zwischen OST und WEst Deutschland solchen Unterschied in der Einstellung der Leuten haben? Ich bin kein Deutsche - kann ich es nicht abschätzen. Meine Frage wäre ob es ein relevanter Unterschied gibt zwischen der jundgen generation im Osten und Westen? Neben dem offensichtlichem Wohlstandsunterschied? Ich würde es persönlich sehr bezweifeln..... Was anderes sind Leute, die Das grösste Teil Ihres Leben in DDR verbracht hatten.
Paging