Suhrkamp Verlag droht Auflösung "Beide Gesellschafter sehen sich als Inkarnation des Bösen"

Dem renommierten Suhrkamp Verlag droht drei Jahre nach dem Umzug von Frankfurt nach Berlin die Auflösung. Die Anteilseigner sind komplett zerstritten. Und verlangten an diesem Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt, sich gegenseitig als Gesellschafter auszuschließen.

"Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit droht zu verschwinden", fasste der Vorsitzende Richter Norbert Höhne das Ergebnis der Verhandlung vor dem Landgericht heute zusammen: "Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen."

Es geht um den renommierten Suhrkamp Verlag, der über Jahrzehnte mit seiner regenbogenfarbenen Edition die gesellschaftliche Debatte der Bundesrepublik mitbestimmt hat. Suhrkamp war Anfang 2010 von Frankfurt nach Berlin gezogen. Nun droht dem Verlag die Auflösung. Die Gesellschafter sind komplett zerstritten - und verlangten an diesem Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt, sich gegenseitig auszuschließen.

Zum Hintergrund: Nach dem Tod des Firmenpatriarchen Siegfried Unseld im Jahr 2002 waren im Verlag Intrigen und Machtkämpfe ausgebrochen. Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz stieg 2003 an die Spitze der Geschäftsführung auf. Ein hochkarätiger Stiftungsrat um Hans Magnus Enzensberger und Jürgen Habermas trat aus Protest zurück. In kurzer Zeit wurden mehrere Geschäftsführer verschlissen, wichtige Autoren kehrten Suhrkamp den Rücken.

Die von Suhrkamp-Chefin Unseld-Berkéwicz geführte Unseld-Familienstiftung hält 61 Prozent am Verlag. Hans Barlach ist über die Medienholding Winterthur mit 39 Prozent beteiligt. Der Enkel des Bildhauers Ernst Barlach beantragte nun die Auflösung der gesamten Gesellschaft, falls der Klage seiner Medienholding nicht stattgegeben werden sollte. Bei einer Auflösung würde das Vermögen des Verlags anteilsmäßig aufgeteilt.

Die Entscheidung darüber hat die Kammer für Handelssachen des Landgerichts für den 13. Februar 2013 angesetzt.

Suhrkamp-Chefin Unseld-Berkéwicz betonte inzwischen in einer Stellungnahme, der Richter habe nicht erkennen lassen, wie er zu entscheiden gedenke: "Der Entscheidung des Gerichts sehen die Geschäftsführung des Verlags und die Familienstiftung ebenso zuversichtlich wie gelassen entgegen."