Suhrkamp-Verlag in der Krise Michael Naumann soll vermitteln

Michael Naumann will die "Missverständnisse auf beiden Seiten" der Suhrkamp-Streitparteien ausräumen.

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Im Streit um Suhrkamp hat die Familienstiftung nun den ehemaligen Kulturstaatsminister als Mediator berufen. Michael Naumann erklärte der FAZ, er wolle ein Gespräch zwischen den Parteien ermöglichen. Mehrere Suhrkamp-Autoren drohen indes mit ihrem Abschied aus dem Verlag. Peter Handke findet besonders deutliche Worte.

Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann soll nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Suhrkamp-Streit vermitteln. Die Familienstiftung habe Naumann zum Mediator bestellt. Naumann erklärte der FAZ, er wolle ein Gespräch zwischen den Parteien ermöglichen. Nach seiner Einschätzung bestünden "Missverständnisse auf beiden Seiten". Naumann sagte, er habe ein Interesse daran, dass der Suhrkamp Verlag weiter existiere: "Niemand will, dass der Verlag liquidiert wird, wie es das Gesellschaftsrecht vorsieht."

Dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach liege mittlerweile ein Gesprächsangebot der Familienstiftung und der Geschäftsführung des Suhrkamp Verlags vor, das darauf ziele, "die bestehenden Konflikte zu lösen", berichtet das Blatt weiter. Die bisherige Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent des Verlags. Barlach war 2006 gegen ihren Willen mit seiner Medienholding Winterthur in das Unternehmen eingestiegen und betreibt in verschiedenen Verfahren die Ablösung der Verlegerin.

Autoren drohen mit Abschied

Erst letzte Woche gab das Landgericht Berlin dem Minderheitsgesellschafter in einem der laufenden Prozesse Recht und berief Unseld-Berkéwicz ab. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig, Suhrkamp kündigte Berufung an.

Einige Schriftsteller, die bei Suhrkamp unter Vertrag stehen, drohen indes mit ihrem Abschied. Autor Uwe Tellkamp ("Der Turm") bezeichnete die Entwicklungen am Samstag im Focus als "bestürzend". Sollte Barlach die Macht bei Suhrkamp übernehmen, wolle er sich verabschieden. "In einem Verlag, dessen Betreiber sagt, dass man keine neuen Bücher zu machen braucht, sondern nur die Backlist ausquetschen solle, möchte ich nicht sein."

Auch die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff stellte sich öffentlich hinter die bisherige Geschäftsführerin. Diese sei ihr von Anfang an als intelligente, generöse Verlegerin begegnet, schrieb Lewitscharoff am Wochenende in der Süddeutschen Zeitung. Barlachs Pläne nannte sie einen "Albtraum". "Sollte es zum Schlimmsten kommen, reiße ich sofort aus."

Peter Handke griff Barlach mit harschen Worten an. Mit Barlach handele "ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser. Ein Unhold", schrieb Handke in einem vorab veröffentlichten Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit.

Der Fall Suhrkamp

Suhrkamp-Autor Stephan Thome ("Fliehkräfte") schrieb im Spiegel: "Herr Barlach hat eine Fehlinvestition getätigt, als er sich in einen Verlag eingekauft hat, der seine Gewinnerwartungen nicht erfüllen kann, ohne den eigenen Ruf zu ruinieren." Statt seine Anteile an die Mehrheitseigner zu verkaufen, "will er lieber einen Verlag schaffen, den außer ihm niemand braucht". Barlach selbst wurde im Spiegel mit den Worten zitiert: "Ich will weder den Suhrkamp Verlag zerstören noch seine intellektuelle Führung übernehmen. Unser Anliegen ist eine nachhaltige Entwicklung des Verlages mit einer auskömmlichen Rendite." Ein "mittelfristiger Renditekorridor" von 5 bis 15 Prozent sollte möglich sein.