Subkultur Der Keller lebt

Ein bisschen Erde, dann gedeihen Pilze sogar unter der Maximilianstraße.

(Foto: oh)

Schwammerl-Metaphorik: Eine surreale Installation mit Zuchtchampignons im Maximiliansforum

Von Sabine Fischer

Vor den gebrochenen Spiegeln des Servers wuchern Champignons in weißen Flecken aus dunkler Erde. Eine visualisierte Anti-These: Das Kühle prallt auf das Warme, das Technische auf die Natur. Und die erschließt sich einen Ort, der ihr eigentlich gar nicht mehr gehört.

Das Maximiliansforum unterhalb der Münchner Luxusmeile gilt seit Langem als urbaner Unort. Ein städtebauliches Stiefkind, das seinen Zweck schon verloren hatte, bevor es überhaupt eingeweiht wurde. Die Künstlerinitiative "Collaboration Projekt" soll nun erschließen, wie das Forum in Zukunft genutzt werden kann.

Teil dieses Vorhabens ist auch das suburbane Gärtnerprojekt "Schwammerlkönig". Gemeinsam mit zwölf Studierenden der Technischen Universität München haben Felix Lüdicke und Felix Metzler vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum dabei eine Untergrund-Pilzzucht erschaffen. Auf 30 Quadratmetern eigens installiertem Waldboden wuchern in der Unterführung seit rund einem Monat Zuchtchampignons - ein skurriles Bild: Zwischen den zugigen Wänden flackert eine Videoinstallation, irgendwo im Hintergrund zwitschern Vögel. "Es ging uns bei der Konstruktion vor allem darum, ein überraschendes Bild zu kreieren. Eine Waldassoziation, die sich von dem technisch anmutenden Serverraum abgrenzt", sagt Felix Lüdicke.

Hinter dem Gärtnerprojekt steht nicht nur der Kontrast zwischen urbanem Betonbunker und surrealem Naturraum, sondern auch - ganz pragmatisch - die klimatechnische Erschließung der Unterführung. "Pilze sind Veteranen in der Zwischennutzung von Kellerräumen", sagt Lüdicke. Gerade die sommerlichen Temperaturen am Wochenende haben die Champignons sprießen lassen. Besonderen Wert legt er darauf, die Barriere zwischen Kunst und Rezipient durch die Einbeziehung des Betrachters auszuhebeln. Das Theater praktiziert das, allerdings meist einseitig, spätestens seit Handkes "Publikumsbeschimpfung", und auch in der bildenden Kunst versucht man sich immer wieder darin, die Kluft zwischen Kunstobjekt und Betrachter zu überwinden. Zum Abschluss des Projekts können deshalb sämtliche Pilze gepflückt und an Ort und Stelle zubereitet werden: Man zerstört das Kunstobjekt, indem man es sich einverleibt. Man könne aus dem Projekt auch eine Analogie zum Gesamtraum ziehen, sagt Alexander Steig vom Collaboration Projekt: "In den Räumen des Maximiliansforums passiert etwas. Es poppt Wachstum auf, aber es ist nicht immer sichtbar."