Das Andenken des Grafen Stauffenberg muss eigentlich nicht verteidigt werden. In den fünfziger Jahren galt er vielen als eidbrüchiger Vaterlandsverräter. Doch seitdem "die hergebrachten obrigkeitsstaatlichen Reflexe" (Joachim Fest) in den sechziger Jahren abgeklungen sind, werden die Attentäter des 20. Juli anerkannt und regelmäßig alle Jahre geehrt.
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Wird geehrt, andere Hitler-Gegner nicht: Stauffenberg. (© Foto: dpa)
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Das unterscheidet die Männer, die zum militärischen Widerstand gehörten, von dem Schreiner Georg Elser, der ganz allein schon 1939 erkannte, dass Hitler Deutschland ins Unglück stürzen werde.
Georg Elser war aber ein einfacher Mann, man konnte sich nicht vorstellen, dass allein sein Gewissen ihn leitete, gab es da nicht Hintermänner, die ihn zu ihrem Werkzeug machten?
Wegen seiner Herkunft war Georg Elser selbst in der demokratischen Bundesrepublik bis in die neunziger Jahre nicht würdig genug, als Held zu gelten. Graf Stauffenberg war nicht nur gebildet, sondern auch - was ihn während des Kalten Kriegs in Westdeutschland empfahl - ein glühender Antibolschewist.
Hans Mommsen zufolge hatte er "ursprünglich erklärt, dass die Abrechnung mit dem NS-Regime erst erfolgen könne, wenn der Bolschewismus ausgeschaltet sei".
Der Antikommunismus hat Westdeutschland nach dem Krieg tief geprägt. Tatsächlich hält seine Wirkung bis heute an. Georg Elser ist rehabilitiert. Die Attentäter des 20. Juli werden von der Bundeswehr als Muster soldatisch-gesellschaftlichen Verantwortungsgefühls gerühmt.
Andere sind immer noch nicht rehabilitiert: Das gilt für die Soldaten, die von der NS-Justiz verurteilt wurden, weil sie - wie spätere Ermittlungen ergaben: zumeist aus ethischen Gründen - desertiert waren. Das gilt auch für die Mitglieder der Berliner Widerstandsgruppe, denen ihre nationalsozialistischen Häscher den Namen "Rote Kapelle" gaben.
Zu ihnen zählten "Männer und Frauen aller sozialen Schichten und politischer Couleur" (so der Historiker Wolfram Wette). 1942 wurden mehr als hundert Angehörige der sogenannten "Roten Kapelle" verhaftet. Einer von ihnen war Harro Schulze-Boysen, der militärische Information an die Sowjetunion weitergab.
Andere Mitglieder der Organsation halfen versteckten Juden oder brachten Flugblätter in Umlauf. Für die zum Tode Verurteilten wurden in der Haftanstalt Plötzensee die Fleischerhaken installiert, an denen man 1944 auch einige Verschwörer des 20. Juli aufhängte, darunter auch Harro Schulze-Boysen.
Sein Bruder Hartmut, der 37 Jahre lang im Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik tätig war, hat ein Interview gegeben, das 2004 in dem Buch "Rote Kapellen - Kreisauer Kreise - Schwarze Kapellen" publiziert wurde.
Da sagte der pensionierte Diplomat: "Der Kernsatz im Todesurteil des Reichsgerichts gegen meinen Bruder im Dezember 1942 lautete: 'Schulze-Boysen hat niemals ehrlich dem nationalsozialistischen Staat gedient.' Ein solches Kompliment hätten wohl die Männer des 20. Juli kaum verdient."
Die Angehörigen der "Roten Kapelle" und die Deserteure sind, wie gesagt, immer noch nicht rehabilitiert. Eine entsprechende Gesetzesinitiative wurde 2006 in den Bundestag eingebracht, aber die Koalitionsregierung hat sich bis heute damit nicht beschäftigen wollen.
Bis heute wird die "Rote Kapelle" auch in vielen Medien als kommunistische - und daher sui generis unpatriotische - Organisation abgehandelt. Wer gegen Konformismus und Philiströsität wettern will: Hier findet er einen gerechtfertigten Anlass.
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(sueddeutsche.de/odg)
Bundespräsident Gauck in Israel
@Feldwebel. Naja, einige Details stimmen, andere nicht.
Aber wenn ich mir die sehr ausführliche Schilderung bei Wikipedia so durchlese, bestätigt die mein Fazit doch: Die Hälfte der geplanten Sprengladung zu verwenden, kann man doch getrost Dilletantismus nennen.
@szl3636: Sie sind wieder so ein Beispiel für unzureichende Geschichtskenntnis. Aber hauptsache den Senf dazu gegeben. Lesen sie es einfach mal nach und korrigieren sich selbst.
@Hyperbanner. Na, umgekehrt stimmt das jedenfalls. In den frühen Sowietstreifen werden ständig irgendwelche herausgestellten Persönlichkeiten von irgendwelchen unbedeutenden kleinen Leuten quasi im Vorbeigehen getötet.
Naja, Stauffenberg hat die Bombe am einen Ende des Tisches unter denselben gestellt und Hitler stand am anderen als sie hochging und hat dann halt die Eichenplatte gegen den Arm gekriegt und sich denselben wohl gebrochen.
Man kann Stauffenberg da schon einen gewissen Dilletantismus in der Ausführung vorwerfen.
In einem ekannten SA-Lied wird der Kampf gegen die "Reaktion" besungen. Vater des Attentäters und er selbst waren sehr lange Unterstützer des Diktators. Vater gehörte zur bayer. Schickeria, die Hitler nach Kräften förderten.
Es ist vielfach belegt, dass nach der Stalingradschlacht und nach einer (verunglückten, selbstentlarvenden) Goebbelsrede im Rundfunk in vielen Köpfen, vor allem bei den vormaligen republikanischen udn adligen Führungskräften, also Monarchieverklärern und " Weimarern", ein gewaltiges Umdenken einsetzte. Landauf, landab in Deutschland gingen eng befreundete Männer wandern oder schickten unter einem Vorwand, ihre Ehefrauen außer Haus, die sich, allzu oft (weibliche List), nicht abhalten liessen, gerade erst recht zu lauschen. Wahr ist, dass ein Teil jener Kreise, die Hitler erst an die Macht brachten, dann, viel zu spät, Irrtum erkannten und geradezu selbstmörderisch eine Änderung anstrebten. Wenn man an einer entscheidenden Stelle eine Fehlentscheidung getroffen hat, ist es eben sehr schwer... Das Schlimme und Ungerechteste von allem war: Junge Männer aus Arbeiter-, SPD- und KPD-Familien wurden zuallererst eingezogen. Viele der größten Nazi-Schreier (Bauern, Handwerker, Profiteure des 1. Weltkrieges, Nutznießer arisiertem Vermögens, Beamte) wußten ihre Söhne lange Zeit dem Wehrdienst zu entziehen. Die NS-Bürgermeister in Stadt und Land konnten "Schicksal nach Belieben spielen". Will meine Ausführungen beenden. Nach Max Weber gehörten die v. Stauffenbergs zu einer fallenden Klasse. Hochsubventionierte Großagrarier. Mein Großvater, im 1. WK an der Westfront, schimpfte immer über die "adeligen Taugenichtse und Versager" unter den Offizieren. Braucht es mehr Beweis als die 500.000 dt. Gefallenen im Umfeld von Verdun?
V. Staufenberg hatte sicher Mut. Chapeau! Aber er und Seinesgleichen haben uns die Malaise erst eingebrockt. Was würde man im realen Leben von einem Menschen halten, der zuerst einen großen Gutshof in Brand setzt, sich rumdreht und ruft: "was habe ich angestellt" und dann beim Löschen mit hilft? Wer schillernd ist.... Sehen wir den Weizsäcker-Vater (NS-Vize-Außenamtschef)... Ribbentrop wurde gehenkt!
V. Stauffenberg war nicht nur Opfer. Es gibt aber auch andere Promi-Familien...Aber. wie Petersilie oder Fett schwimmen die immer wieder oben und finden für alles eine passende Lebenslüge!!
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