Streit um Jerusalem "Gewalt vor Recht"

Auf einem Dach in Ost-Jerusalem wehen am 13. Dezember die Flaggen Israels und der USA. Wenige Tage zuvor hatte US-Präsident Trump die seit Jahrhunderten umkämpfte Stadt als Hauptstadt Israels anerkannt.

(Foto: AFP)

US-Präsident Donald Trump hätte Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels anerkennen dürfen, sagt der Völkerrechtler Christian Tomuschat. Denn so umkämpft die Stadt politisch sein mag, juristisch liegen die Dinge ganz klar.

Interview von Andreas Zielcke

Der Protest gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch Donald Trump hält an, der politische Fall-out war vorhersehbar. So verfahren aber die politische Lage ist, so eindeutig ist nach Ansicht des Juristen Christian Tomuschat der völkerrechtliche Status der Stadt.

SZ: Missachtet Trumps Vorstoß das Völkerrecht?

Christian Tomuschat: Trump unterscheidet nicht zwischen den beiden Teilen der Stadt, die mit dem Waffenstillstand nach dem Unabhängigkeitskrieg 1949 voneinander getrennt wurden. West-Jerusalem ist seitdem von Israel beherrscht, Ost-Jerusalem war zunächst von jordanischen ...