Street Art Streichhölzer am Brennpunkt

Wenn nachts das Licht im Treppenhaus angeht, dann zündet das Kunstwerk des Street-Art-Künstlers NoName erst richtig.

(Foto: Pohl/Positive Propaganda)

Der Street-Art-Künstler NoName hat im Münchner Westend ein neues Werk realisiert

Von Evelyn Vogel

Das Schlagwort vom "Sozialen Brennpunkt" mag man in München noch immer am stärksten mit dem Hasenbergl verbinden. Aber Tatsache ist, dass es auch noch einige andere, oft ehemalige "Glasscherbenviertel" in der Stadt gibt, die noch nicht der Gentrifizierung unterworfen wurden. Das Westend, wo sich viele Wege und viele gesellschaftlichen Klassen kreuzen, gehört in Teilen dazu. Dort, an einem Haus, dessen Bewohner zumeist nur über Einkommen unterhalb der Armutsgrenze verfügen, wurde schon mehrfach Street-Art verwirklicht. Keine wilden, aussagelosen oder gefälligen Graffiti, sondern Kunstwerke, die stark von ihrer gesellschaftliche Behauptung leben.

Der amerikanische Street-Art-Künstler Mark Jenkins hat dort gearbeitet, und im vergangenen Jahr war das ebenfalls US-amerikanische Duo "Cyrcle" aus Los Angeles zu Gast, um eine 500 Quadratmeter lange Fassade zu bearbeiten. Nun hat Sebastian Pohl vom Verein "Positive Propaganda" - der neben den Genannten kürzlich auch den international renommierten Streetart-Künstler Blu in die Stadt geholt hatte - den in Italien lebenden Street-Artist NoName eingeladen. Er verwandelte einen weiteren Teil des Gebäudes in der Westendstraße 99 in ein Kunstwerk.

Der hat eine Streichholzschachtel der Marke "Sturm" als Vorlage benutzt, die er bei einem Besuch im Westend auf der Straße gefunden hatte. Neben einigen unbenutzten enthielt die vor allem abgebrannte Streichhölzer. Sein zehn Meter hohes Mural hat NoName nun um das Treppenhausfenster herum gemalt. In der Nacht scheint es Feuer zu fangen, sobald das Licht im Treppenhaus angeht. Zum Teil wählte er eine siebdruckartigen Ästhetik, die er auf die Wand gesprüht hat; der Rest ist gemalt. Ob man die frischen Zündholzköpfe als die Zukunft, die abgebrannten als die Vergangenheit interpretiert, mag jedem selbst überlassen bleiben. Für Sebastian Pohl jedenfalls steht die Feuer-und-Flamme-Thematik vor allem für den Zustand des Westends.