Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ihr Bild sogar noch mehr. Denn Sie erzählen mit Ihrem Gesicht.
Horst Bredekamp, Professor für mittlere und neue Kunstgeschichte an der Berliner Humboldt-Universität, hat sich in einem Buch über Gottfried Wilhelm Leibniz mit den "Fenstern der Monade" beschäftigt. Darin fragt er sich, wie der Philosoph im 17. Jahrhundert die Kraft der Bilder deutete.
Bildersturm auf sueddeutsche Art. Nein, auf Ihre. (© Foto: screenshot sde.de)
Anzeige
Denn für Leibniz gab es ein Theater der Natur und der Kunst, von dem er glaubte, dass man seine Details nur genau betrachten müsse, um sich "der Vielzahl von Sehpunkten zu nähern, über die der göttliche Blick verfügt". Tatsächlich glaubte Leibniz also, dass den Bildern eine eigentümliche Kraft innewohne, die sich auf den Betrachter überträgt, ja dass sie das Denken des Betrachters sogar formt.
Besonders faszinierten Leibniz darum Kunstkammern, Sammlungen, Laboratorien, Anatomien, Gärten, Menagerien, Maschinen, Grotten, also alle Kabinette der Kunst, Kultur, Natur und Technik, in dem Dinge simultan betrachtet werden konnten. Denn die Kraft zum Simultanblick war wie die göttliche, und war darum mächtiger als die kalkulatorische Vernunft. So steckt im bildschaffenden Künstler zuerst ein Kommunikator, der über das Medium seiner Bilder spricht. Zum anderen steckt darin ein kleiner Gott, denn jede Bildgebung ist gewissermaßen eine Wiederholung der Schöpfung.
So weit, sorry!, mussten wir ausholen. Denn wir fordern Sie auf, uns Ihre Bilder zu zeigen! Und da sind die stärksten Argumente für die Sprachmacht der Bilder doch wohl angemessen, mögen sie auch im 17 Jahrhundert ersonnen worden sein. Denn, noch besser: Wir fordern Sie sogar auf, sich selbst in Bildern zu zeigen. Wir basteln dann aus allen eingegangenen Bildsendungen ein Stimmungsbild, das heißt: nicht wir, sondern unsere mindestens göttlichen Rechner.
Das Ganze geht so: Wir stellen aus aktuellem Anlass oder heiterem Himmel eine Frage. Täglich tun wir das und Sie haben Gelegenheit, sich pantomimisch dazu zu verhalten. Sie können natürlich auch einfach nur anschauen, wie andere Nutzer sich pantomimisch dazu verhalten haben. Das Stimmungsbild wurde gemeinsam mit Scholz & Volkmer konzipiert und von dieser Agentur technisch umgesetzt. Eingehende Fotos stammen aus einer Webcam oder einer Digitalkamera. Sie werden auf einer Face-Wall, so nennen wir die Publikationsfläche jetzt einmal, gepostet und dort sehr schick in fließende Bewegung versetzt. Wie Sie kommentieren, welchen Ausdruck Sie als stummen, sprechenden Bildkommentar erfinden und was Sie gesichtsbegleitend oder- ersetzend vor die Linse halten, ist relativ egal. Nicht ganz egal, natürlich: Denn Ihre Bilder dürfen nicht gegen die guten Sitten verstoßen und Sie müssen erklären, dass Sie Inhaber der Bildrechte sind und gegebenenfalls noch die Rechte desjenigen eingeholt haben, den Sie da abbilden. (Ein Beispiel: Sie können die Rechte an einem Foto Ihrer verflossenen Freundin besitzen, weil Sie das Foto gemacht haben. Aber das Recht der abgebildeten Ex an ihrem Bild müssen Sie trotzdem beachten.)
Jedenfalls stellen wir fest: Sie haben schon bewiesen, dass Sie sehr kreativ sein können bei der Erstellung stummer Kommentarbilder - und es ist sehr unterhaltsam, diese stumme Parade abzunehmen. Viel Spaß mit dem Stimmungsbild bei sueddeutsche.de!
- "Life"-Bild-Archiv im Netz Macht hoch die Tür, das Tor macht weit 19.11.2008
- Fotograf Barry Feinstein Erst Kick, dann Klick 25.08.2008
- Andy Warhol zum 80. Andys Liebling 06.08.2008
- Beim wichtigsten Fotografen der Welt Bilder einer Einstellung 28.07.2008
- Penélope Cruz in Berlin Umarmt, aber sexy 03.12.2008
Umweltstiftung WWF in der Kritik