Von Franziska Seng

Der sehr übergewichtige Fußballexperte Reiner Calmund schlitterte tatsächlich bei der Wok-WM von Pro Sieben mit - enttäuschender bei der Show war nur noch der ehrgeizige Moderator Stefan Raab.

Prominenten-Recycling ist eine feine Sache. Man stopfe sympathische XY-Promis in schillernde Reisschüsseln, schubse sie von einer nahezu vertikalen Startrampe - und schon hat deren Dasein wieder einen Sinn. Zumindest bei der Wok-WM 2008 im sächsischen Altenberg, die am vergangenen Samstagabend ohne die mehr als 40 schmerzfreien Laien-Stuntmen nicht hätte stattfinden können.

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Der gnadenlose Initiator der Wok-WM war redlich bemüht, ein "Spektakel" auf die Beine zu stellen. (© Foto: dpa)

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Erstaunlich, aus welchen Ecken sich Stefan Raab seine Teilnehmer zusammengekratzt hatte: Da war wieder die tief ausgeschnittene Komparsin aus der Uri-Geller-Show, da gab es neben professionellen Sportlern Comedians des Wok-WM-Senders Pro Sieben oder Erstplatzierte aus TV-Produktionen wie "Popstars", dazu Nicht-Erstplatzierte aus Pro-Sieben-Produktionen wie "Germany's next Topmodel" oder "Dance on Ice" sowie die Medienschaffende wie Jürgen Milski und Alida Lauenstein vom Pro-Sieben-Ableger 9Live.

Bald drängte sich die Vermutung auf, Stefan "Raabiator" Raab könnte vielleicht weniger das karrierefreundliche Recycling seiner Kollegen zum Ziel haben, sondern deren mutwillige, telegene Verschrottung: "Das wird die Wok-WM der Schmerzen", jauchzte er. "Es gab spektakuläre Stürze beim Training, wir mussten schon Teilnehmer ins Krankenhaus fahren", verkündete er beim Qualifying am Freitag.

Joey Kelly rodelte dann auch mit geprellter Rippe und Popsternchen LaFee konnte nach einem Schädel-Hirn-Trauma im Training überhaupt nicht starten. Nicht ohne Grund gilt die Strecke im Erzgebirge als eine der anspruchsvollsten der Welt.

Recycling oder Verschrottung?

Der gnadenlose Initiator der Wok-WM und sein Organisationsteam hatten sich redlich bemüht, ein "Spektakel" auf die Beine zu stellen, das seinem Namen alle Ehre macht. "Die spektakulärste Show des Jahres" wurde angekündigt. Tatsächlich weckte schon die Eingangsmusik Wallungen: Trompeten und Fanfaren, wie damals bei Ben Hur! Ein berauschender Materialverschleiß, vergleichbar mit der legendären Wagenrennen-Szene, blieb allerdings aus. Die neunte Kurve der Rennbahn brachte zwar so manchen Teilnehmer ins Schleudern, ernsthaft verletzt wurde niemand.

Insgesamt hinkte die Dramaturgie der Wok-WM derjenigen der wohl nervenaufreibendsten Szene der Filmgeschichte hinterher. Während im Sandalenfilm innerhalb weniger Minuten alles geschieht, passierte am Samstagabend in viereinhalb Stunden (inklusive Werbepausen) ziemlich wenig. Man rodelte - mal allein, mal zu viert. Zwischendurch gab es Autos zu gewinnen. Als Zuschauer ergötzte man sich an der Fähigkeit der Kameraleute, so gut wie keine Einstellung ohne Sponsorenlogo verstreichen zu lassen.

Auf der nächsten Seite: Wie der von Erfolg verwöhnte Raab die Erfahrung machte, dass gewinnen "wollen" nicht immer reicht.

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