Interview: Hans Hoff und Marc Felix Serrao

"Nennen Sie mir einen auf der Welt, der eine so hohe Schlagzahl hinlegt": Stefan Raab spricht über innovatives Fernsehen, öffentlich-rechtliche Unterhaltung und seinen persönlichen Antrieb.

Stefan Raab öffnet sich wenn überhaupt, dann in seinen Shows. Privates über den 41-Jährigen ist wenig bekannt: Ministrant, Jesuiten-Abi, ein paar Semester Jura, Metzgerlehre im elterlichen Betrieb. Raab lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Töchtern in Köln. Beim Musiksender Viva landete er 1993 eigener Einschätzung zufolge "per Zufall". Sechs Jahre lief Vivasion. Der Moderator mit Brille, die Gäste auf Kinderstühlen. 1998 wechselte Raab zu Pro Sieben, wo er heute der wichtigste Mitarbeiter ist.

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SZ: Herr Raab, Oliver Pocher hat den ARD-Granden kürzlich vorgeschlagen, Sie anzuwerben. Wann sehen wir "IM Stefan" im Ersten?

Stefan Raab: Vermutlich nie.

SZ: Warum?

Raab: Weil die Entscheidungswege da vermutlich dermaßen kompliziert sind, dass meine Art zu arbeiten nur schwer umzusetzen wäre.

SZ: Wie arbeiten Sie?

Raab: So, wie wir bei Brainpool arbeiten mit Pro Sieben. Wir brauchen Freiheit und die Möglichkeit, schnell zu entscheiden. Wenn Sie für jeden Käse einen Antrag schreiben und für jeden Ko-Moderator erst durch 15 Gremien laufen müssen, ist die Flexibilität weg.

SZ: Harald Schmidt hat Oliver Pocher schnell bekommen.

Raab: Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei Günther Jauch war das offensichtlich komplizierter. - Die ARD hat ein grundsätzliches Problem: die jungen Zuschauer sind weg. "Schmidt & Pocher" wären in einem progressiveren Programmumfeld viel erfolgreicher.

SZ: Vielleicht liegt es an der Show?

Raab: Es liegt nicht an der Sendung, sondern am Sender. Ich persönlich finde die beiden nicht so schlecht, wie alle sagen. Da wird in der Kritik gerne übertrieben.

SZ: Geht Ihnen das auch so? Bei der ARD halten Sie viele für den Fernsehbösewicht. Den mit den ganzen Prozessen.

Raab: Was haben Sie denn mit der ARD? Sind Sie in deren Auftrag da, oder was?

SZ: In Wirklichkeit sind Sie gar nicht mehr so ein Flegel, stimmt's?

Raab: Finden Sie?

SZ: Ja.

Raab: Weil Sie jetzt auch mal was anderes schreiben müssen.

SZ: Nein, wir attestieren Ihnen nur eine Form von Altersmilde.

Raab: Ach, du lieber Gott.

SZ: Sie kriegen den Deutschen Fernsehpreis, Sie werden für Grimme nominiert. Fehlt nur noch das Bundesverdienstkreuz.

Raab: Nein, danke. Das hat jetzt sogar dieser bärtige Berliner gekriegt, dieser Knut-Pfleger.

SZ: Trotzdem haben wir bei Ihnen das Gefühl: Da ist einer angekommen.

Raab: Meine Herren, das Leben ist ein Prozess.

SZ: Und wo stehen Sie da in Ihrem Prozess?

Raab: Da steht man nicht. Der hat kein Ziel, der geht einfach immer weiter. Ich kann dieses ganze Geschwätz nicht hören von: "Ich bin mir immer treu geblieben." Wer sich immer treu ist, entwickelt sich nicht.

SZ: Apropos Prozess: Ihr letztes Gerichtsverfahren ist Jahre her. Trauen Sie sich nicht mehr, die Leute zu beleidigen?

Raab: Das haben Sie beide nur nicht gemerkt. Sie sind doch mittlerweile moralisch auch so abgestumpft, dass Sie nichts mehr aufregt.

SZ: Bitte, vor kurzem haben Sie eine Harfenistin zu TV total eingeladen, verzückt neben ihr gesessen und anschließend erzählt, wie schön Harfenmusik ist. Und wenn ein Nachwuchskomiker kommt, kriegt der nur Lob.

Raab: Das ist doch das Wesen einer Entertainment-Show: Die Leute, die zu Ihnen kommen, machen Sie groß. Ich sag' doch nicht, das ist der letzte Scheiß, hören Sie sich das nicht an.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum gerade "Schlag den Raab" für Stefan Raab das angenehmste Sendeformat ist.

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