Stefan Aust Stationen einer Karriere

Aust veränderte mit Spiegel TV den deutschen Fernsehjournalismus, schaffte den "albernen Kleinkrieg" mit Focus ab und prägte lange Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin - doch nun muss er den Spiegel vorzeitig verlassen.

Stefan Aust wurde am 1. Juli 1946 in Stade als Sohn eines Landwirts geboren. Nach dem Abitur in Stade studierte Aust Soziologie, allerdings ohne Abschluss.

Seine journalistische Laufbahn begann Aust 1966 als Redakteur bei der Zeitschrift Konkret und bei den St. Pauli-Nachrichten. Seit 1970 war er Mitarbeiter des NDR und arbeitete 1972-1986 insbesondere für das Politmagazin "Panorama".

Als Autor machte Aust, der als Konkret-Reporter persönliche Kontakte zur sogenannten ersten Generation des deutschen Terrorismus hatte, 1985 mit der Dokumentation "Der Baader-Meinhof-Komplex" auf sich aufmerksam.

Im Mai 1988 übernahm Aust die Leitung des erfolgreichen Politmagazins "Spiegel TV". "Wir problematisieren - anders als der öffentlich-rechtliche Rundfunk - eine Konfliktlage anhand von Geschichten" formulierte er immer wieder als Credo, und Beobachter attestierten ihm, mit der Form des dokumentarischen Erzählens den deutschen Fernsehjournalismus verändert zu haben.

Für großes Aufsehen in den Medien sorgte Ende 1994 die Führungskrise beim Nachrichtenmagazin Spiegel, nachdem Herausgeber Rudolf Augstein die sofortige Entlassung des Chefredakteurs Hans Werner Kilz gefordert und Aust als seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge benannt hatte. Erst im Sommer 1994 war die Redaktionsspitze umgebildet worden.

Die Mehrheit der Spiegel-Redakteure leistete zunächst Widerstand gegen die Ersetzung von Kilz durch Aust. Am 13. Dezember 1994 beugten sich die Vertreter der Mitarbeiter-KG einem Ultimatum Augsteins, der mit seinem Rückzug als Herausgeber und Geschäftsführer gedroht hatte, drei Tage später setzte Augstein Aust als neuen Spiegel-Chefredakteur durch.

Entgegen den Befürchtungen präsentierte sich der Spiegel in den ersten Monaten nach dem Führungswechsel zwar bunter, doch ganz auf die klassischen Themen eines Nachrichtenmagazins orientiert. Vor allem durch die politischen Titelgeschichten konnte das Hamburger Magazin entgegen dem Trend die Auflage über der Million halten.

Selbstbewusst zeigte sich Aust auch gegenüber dem Focus-Konkurrenten aus München und erklärte in der Presse: "Ich habe als Erstes den albernen Kleinkrieg abgeschafft. Beide Magazine haben ihren Platz. Die Überschneidung der Leser ist sehr viel geringer als allgemein angenommen" (Die Woche, 15.6.1995).

Seinen Chefredakteursposten bei "Spiegel TV" hatte Aust nach seinem Wechsel zum Zeitungsmagazin zunächst unbesetzt gelassen und weiterhin die redaktionelle Veranwortung geführt. Zum Jahresende 1996 gab er die Doppelfunktion auf und blieb einer von vier Geschäftsführern der Spiegel TV GmbH.

Nach einem kurzen Intermezzo als Nachfolger von Gastgeber/Moderator Erich Böhme bei der sonntäglichen SAT.1-Talkshow "Talk im Turm" konzentrierte sich Aust ab Februar 1999 auf Wunsch von Augstein wieder verstärkt auf seine Tätigkeit als Spiegel-Chefredakteur.

Für verlagsinterne Diskussionen sorgten im Sommer 2002 Überlegungen Austs, dass sich der Spiegel--Verlag zusammen mit dem Heinrich Bauer Verlag und dem Springer-Verlag an der Übernahme der KirchMedia, der Mediengruppe von Leo Kirch, die Anfang 2002 Insolvenz angemeldet hatte, beteiligen solle. Die Spiegel--Redaktion rebellierte jedoch gegen diesen Plan, so dass der Bauer-Verlag schließlich allein ein Angebot abgab, das allerdings später von dem amerikanischen Medien-Investor Haim Saban überboten wurde.

Am 7. November 2002 starb der Spiegel-Gründer und -Herausgeber Rudolf Augstein. Die Frage, wer an seiner Stelle Herausgeber werden könnte, beschäftigte Spiegel-Mitarbeiter, aber auch die gesamte deutsche Medienlandschaft. Aust selbst hob in seiner Würdigung Augsteins hervor, dass es nach ihm keinen Herausgeber geben könne, der diesen Namen verdiene: "Die Schuhe sind zu groß. Sie sich anzuziehen, wäre eine Anmaßung" (Hausmitteilung im Spiegel, 11.11.2002). Einige Kommentatoren interpretierten diese Aussage dahingehend, dass Austs keine Kontrollinstanz über sich wünsche.

Im Okt. 2004 wurde der Vertrag Austs als Spiegel, -Chefredakteur bis Ende 2008 verlängert mit der Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre. Ebenfalls bestätigt wurde Aust in seinem Amt als Geschäftsführer von "Spiegel TV" (bis Ende 2008), allerdings muss er sich diese Aufgabe ab 1. Januar 2006 mit zwei weiteren Führungskräften teilen.

Im Oktober 2005 kommt es beim Spiegel zu einer Auseinandersetzung. Zwei der Gesellschafter des Blattes (Mitarbeiter KG und Augstein-Erben) laden Chefredakteur Stefan Aust zur Gesellschafterversammlung ein, bei der angeblich auch über die politische Ausrichtung des Blattes gesprochen werden soll. Aust lehnt eine Teilnahme mit Hinweis auf die Statuten ab, die eine journalistische Unabhängigkeit der Redaktion garantierten. Die Gesellschafter betonen dagegen, dass sie lediglich "Qualitätsmängel in der Berichterstattung" zum Thema machen wollten.

Am 18. Dezember 2006 wird mit Karl Dietrich Seikel der letzte von Rudolf Augstein eingesetzte Geschäftsführer verabschiedet. Ihm soll Mario Frank nachfolgen.

Am 6. Juli 2007 teilt die Spiegel TV GmbH mit, dass Stefan Aust als Geschäftsführer von "Spiegel TV" abtritt und die Aufgaben als Herausgeber übernimmt. Die Leitung übernehmen die Geschäftsführer Fried von Bismarck, Dirk Pommer und Cassian von Salomon.