Starrummel bei der Berlinale 2014 Rumblödeln mit George Clooney

Reden wir mal über Absurditäten: George Clooney auf der Berlinale 2014.

George Clooney ist DIE Sensation dieser Berlinale. Wer wollte an dieser Einschätzung zweifeln, auch wenn sie sich mehr auf seine Person bezieht und weniger auf seinen schwachen Film? Impressionen von einer Begegnung mit einem Superstar.

Von Paul Katzenberger, Berlin

George Clooney ist DIE Sensation dieser Berlinale. Wer wollte an dieser Einschätzung zweifeln, auch wenn sie sich mehr auf seine Person bezieht und weniger auf seinen schwachen Film? Impressionen von einer Begegnung mit einem Superstar.

Woran merkt man, dass George Clooney von dem Starrummel um seine Person unendlich genervt sein muss? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn auf den ersten Blick wirkt der Mann alles andere als gestresst. Auf der Pressekonferenz zu seinem Berlinale-Wettbewerbsfilm "The Monuments Men" gibt er sich so, wie ihn jeder kennt: Höflich, charmant und witzig - extrem entspannt, sozusagen.

Aber je länger diese Pressekonferenz andauert, desto klarer wird erkennbar, dass das vor allem Fassade ist. Denn dieser Regisseur ist schlicht nicht in der Lage, eine einzige ernsthafte Antwort zu geben.

Zugegeben, das mag zunächst an der jämmerlichen Qualität von gefühlten 95 Prozent der gestellten Fragen liegen. Man versetze sich nur einen klitzekleinen Augenblick in Clooney hinein und stelle sich vor, dass so gut wie alle Frauen Schreianfälle bekommen, sobald man sich ihnen auf 100 Meter nähert. Einige von denen sind sich nicht zu schade, ihre Gefühle selbst im professionellen Umfeld einer Pressekonferenz in Worte zu packen. Und schon kann man kann sich langsam vorstellen, dass es eine gute Strategie ist, durch bloße Verhohnepiepelung solcherlei Zumutungen von sich fern zu halten.

Sehr anschaulich zeigte sich das bei dieser Pressekonferenz, als eine mexikanische Journalistin über ihre Begeisterung von "George" glatt vergaß die Frage zu stellen, für die sie das Mikrofon gereicht bekommen hatte - und die sich im Idealfall auf "The Monuments Men" bezogen hätte. Stattdessen ergriff sie die Möglichkeit beim Schopf und richtete ihm von Frau zu Mann aus, dass er die Phantasie von Millionen von Frauen beflügele, und auf diese Weise zur Gesundheit des Weltfrauentums beitrage. Wie soll da ein ernsthafter Regisseur nicht die Fassung verlieren, es sei denn, er nimmt's von der lustigen Seite.

Soll doch der Damon antworten

"Ich habe ernsthaft geglaubt, sie wollten eine Frage stellen", beschied er seiner mexikanischen Verehrerin, ohne weiter auf sie einzugehen. Einem anderen Kollegen, der eine Frage an ihn und eine an den neben ihm sitzenden Matt Damon gestellt hatte, ließ er ebenfalls auflaufen, um dann mit gut gespieltem Witz fortzufahren: "Aber ich bin mir sicher, dass Matt Damon ihre Frage ausführlich beantworten wird."

Ein Stück weit sei George Clooney sein läppisches Verhalten zugestanden. Was soll er machen? Problematisch wird's erst dann, wenn auf einem großen Festival über einen dort gezeigten Film überhaupt nicht mehr ernsthaft gesprochen werden kann. Wenn der Macher des Filmes den Abschaltknopf seines Witzmodus' nicht mehr findet, der ihm zur zweiten Natur und liebgewonnenen Verteidigungsstrategie geworden ist. Denn auch zu den wenigen ernsten Fragen zu seinem Film fiel Clooney nur wenig ein: "Buch gelesen, war interessant, deswegen Film gemacht" - viel mehr kam nicht.

Bilanz dieser Pressekonferenz: Wir haben über die Gesundheit des Weltfrauentums geredet. Wir haben gehört, wie Anke Engelke ein "Katzenlied" trällert (die Komikerin musste sich auch produzieren, ohne Substanzielles beizutragen zu haben). Wir haben diverse Absurditäten in den Raum gestellt (eine griechische Kollegin appellierte an "George", ihrem Land in der Euro-Krise beizustehen). Doch wir haben sehr wenig über den Film "The Monuments Men" gesprochen. Dass der sehr klischeehaft und schwach war, wird wohl an anderer Stelle verhandelt werden müssen.