Beim Grand Prix setzt der deutsche Kandidat Roger Cicero auf Swing. Starke Konkurrenz dürften ihm vor allem die osteuropäischen Interpreten machen, die modernen Rock-Pop mit ethnischen Elementen verbinden.

In wenigen Stunden wird es ernst für Roger Cicero: Der deutsche Mister Swing tritt beim Eurovision Song Contest in der finnischen Hauptstadt Helsinki gegen 23 Konkurrenten aus ganz Europa an.

Roger Cicero startet beim Grand Prix mit seinem Swing-Song "Frauen regier'n die Welt". (© Foto: ddp)

Anzeige

Mit seinem Swing-Song "Frauen regier'n die Welt" hat der 36-jährige Hamburger seine Musikerkollegen voll überzeugt. Er tritt gegen 22.05 Uhr mit der Startnummer 16 auf die Bühne. Dabei muss er sich gegen starke Konkurrenz behaupten.

Der 52. Grand Prix ist so vielfältig wie selten zuvor. Besonders viele osteuropäische Künstler konnten sich qualifizieren. Sie trumpfen mit ungewöhnlichen und fetzigen Liedern auf und verbinden häufig ethnische Elemente mit modernem Rock-Pop.

Ukraine und Serbien zählen zu den Favoriten

Zu den Favoriten zählen Experten unter anderem die Ukraine und Serbien. Im Halbfinale waren westeuropäische Interpreten, darunter der Schweizer Popsänger DJ Bobo, im Rennen um die zehn verbliebenen Finalplätze ausgeschieden.

Beim Halbfinale lobten Beobachter die Beiträge der osteuropäischen Kandidaten, die mit hymnischen Gesängen, Ethno- Getrommel, Opern-Klängen und treibenden Beats den Westlern gezeigt hätten, was modernen Pop ausmache: Die Vermischung von folkloristischen Elementen mit aktuellem Sound und der Mut zum Besonderen.

Nach dem Halbfinale, bei dem sich neun osteuropäische Länder und die Türkei für das Finale am Samstag qualifizierten, ging ein Aufschrei durch die westliche Grand- Prix-Gemeinde. "Wir können das Ding bald in East Eurovision Song Contest umbenennen", meinte ein erbostes Delegationsmitglied aus den Niederlanden in der Nacht zu Freitag - immerhin kommen nun 15 der 24 Finalteilnehmer aus Osteuropa.

DJ Bobo schimpft

Allen voran schimpfte der ausgeschiedene Schweizer Popstar DJ Bobo, der gegen die Übermacht aus dem Osten nicht ankam: "Wir wurden alle abgewatscht, die westlichen Länder - durch die Bank."

Die einhellige Meinung vieler westlicher Grand-Prix-Beobachter: Die befreundeten Staaten des ehemaligen Ostblocks schieben sich gegenseitig die Punkte zu - die Westler gucken in die Röhre.

Doch die gezielte Punkteverschieberei aus Freundschaft oder politischem Kalkül sei schlicht eine Legende, sagt der Hannoveraner Grand-Prix-Experte Irving Wolther, der in seiner Doktorarbeit die kulturelle Bedeutung des Wettbewerbs untersucht hat.

"Natürlich gehören die Länder des Balkans oder des Baltikums zu einem gemeinsamen Kulturkreis und haben einen ähnlichen Musikgeschmack. Außerdem sind die Künstler in den Nachbarstaaten oft ebenso bekannt."

Kein Automatismus

So komme es, dass ein guter Künstler aus Lettland häufig viele Punkte aus Litauen und Estland bekomme. Das ist aber keineswegs ein Automatismus: So blieben im Halbfinale beispielsweise Montenegro und Kroatien auf der Strecke - obwohl sie so viele "Freunde" haben.

Britische Musikexperten betonten, dass sich vor allem gute, ungewöhnliche und ethnisch orientierte Musik gegen westlichen Mainstream-Pop durchgesetzt habe. Die Künstler aus dem Osten seien häufig authentischer, viele singen in ihrer Muttersprache. Genau diese Vielfalt möchte der Eurovision Song Contest eigentlich zeigen.

Denn diejenigen, die jetzt die Ost-Invasion kritisieren, haben zuvor jahrelang über den Pop-Einheitsbrei beim Contest geschimpft.

"Ich war nicht optimal drauf"

Doch musikalische Argumente lassen Kritiker wie DJ Bobo nicht gelten. "Die Musik ist total egal gewesen. Du hättest auch die türkische Flagge auf die Bühne legen können, drei Minuten lang. Dann hätte das auch geklappt", sagt er - räumt aber auch ein: "Ich war nicht optimal drauf, habe nicht 100 Prozent abgerufen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Der Osten rockt den Grand Prix
  2. Seite 2
Leser empfehlen