Staralbum (26) Tom Sizemore

Immer wieder Dinge, die man nicht versteht: Er sieht aus wie George Clooney. Oder er sieht aus wie John Turturros Bruder. Oder er sieht aus wie ein jämmerlicher, dicker Wicht. Mit jedem Film wechselt er sein Gesicht, scheinbar auch die Statur, mit jedem Film wechselt die ganze Erscheinung, einschließlich möglicher charakteristischer Bewegungen. Den erkennt man nicht an der Art wie er geht oder seine Nase rümpft. Kommt das vom Heroin? Oder ist diese natürlich "abgründige, inzwischen aber bewältigte" Drogensucht nur Teil einer guten Schauspielerbiografie, so, wie man heute eben erst das Heroin in den Griff kriegt und dann die Karriere? Weiß man ja alles nicht. Kann man auch wieder nicht ganz verstehen, denn wenn man Interviews mit ihm liest, ist der Mann so brav, dass man weinen möchte. "Ja, ich liebe meine Frau. Nein, ich trinke nicht." Und das kann doch auf keinen Fall die Wahrheit sein. Denn in einem bleibt er ja immer unverändert. Es umgibt ihn, wie andere Männer ihr Aftershave, egal, wie sehr sich sein Äußeres von Rolle zu Rolle verwandeln mag. Es ist der einzig beständige Teil an ihm, ein Teil seines Wesens, den er wohl kaum zu Hause ablegen kann: Wenn man ihn sieht, sieht man den Wahnsinn. Den maniac. Diese eigenständige Form des amerikanischen Irrsinns, der aus einer Vergangenheit herüberkommt, die zusammenhängt mit Gewalt und blutigen Kriegen, Rausch und Ekstase - mit der Unterwerfung der Welt nach eigenen Bedingungen.

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Tom Sizemore

(Foto: Verleih)

Genau so erscheint er in "Bringing Out the Dead". Neben Nic Cage, der leidet und büßt und nicht zurechtkommt mit seinem Krieg gegen die große Stadt, fliegt er ein wie die Chopper am Strand Vietnams in "Apocalypse Now". Wie Rock'n' Roll bricht er durch die traurigen Krankenpfleger, manisch nimmt er sich der Toten an. Er prescht durch seine Schicht mit einer Freude am Untergang, dass man erschrocken den Kopf wegdreht. Aber das sollte man besser lassen. Keine Sekunde darf man von dem Mann versäumen; keine Sekunde Tom Sizemore!

dok