Springer: Aus für TV-Galas Morgen Kinder wird's nix geben

Springer in der Krise - ohne Glamour und Galas. Auf Großveranstaltungen verzichtet der Verlag 2009, von "Goldene Kamera" bis "Goldenes Lenkrad". Zum Wohle des Journalismus.

Die Werbeerlöse sinken, die Geschäftsentwicklung ist ungewiss - da hat sich das Medienhaus Axel Springer (Bild, Die Welt) dazu entschlossen, im kommenden Jahr auf aufwendige und kostenintensive Gala-Veranstaltungen, wie die am Samstagabend im ZDF ausgestrahlte Spendenaktion "Ein Herz für Kinder", zu verzichten.

Für 2009 sind sämtliche Feiern, Empfänge und Galas abgesagt, teilt das Verlagshaus. Von dieser Sparmaßnahme betroffen sind die bisher im ZDF gezeigte Verleihung der "Goldenen Kamera", der Bild-Medienpreis "Osgar" (war groß in der ARD), das "Goldene Lenkrad" von Bild am Sonntag und der "Sport Bild-Award". "Ein Herz für Kinder" soll weitergeführt werden - allerdings in veränderter Form.

Damit greift Springer radikal durch. Ein Vorbild für das Medienhaus Burda, das die aufwendige und doch unglamouröse "Bambi"-Preisverleihung groß in die ARD brachte - demnächst aber Stellenabbau praktizieren dürfte?

Investition in exzellente Inhalte

"Wir wollen nicht dort sparen, wo es die Qualität unseres Journalismus und die Motivation unserer Mitarbeiter beeinträchtigt", erklärt der Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in einem Brief an die Gäste des für Anfang Januar geplanten Neujahrsempfangs.

"Entlassungen oder Einstellungen von Zeitungen oder Zeitschriften hat es bei uns bisher nicht gegeben. Wir hoffen, dass wir das auch in Zukunft vermeiden können. Und wir wollen auch weiterhin in die Grundlage unseres Geschäfts, in exzellente Inhalte, investieren", betonte Döpfner.

Axel Springer will die prestigeträchtigen Veranstaltungen allerdings auch in Zukunft zur Markenkommunikation nutzen. Das kommende Jahr solle als kreative Entwicklungsphase genutzt werden, wie das Medienunternehmen verlauten ließ. In dieser Zeit sollen die Preise und Auszeichnungen über die Verlagspublikationen bekanntgegeben werden - ohne begleitende Veranstaltungen.

Im Jahr 2007 hatten 5,6 Millionen Zuschauer die Verleihung der "Goldenen Kamera" gesehen, bei der Publikumslieblinge aus Film, Fernsehen, Sport und Medien geehrt werden. Knapp 4,6 Millionen schalteten die Fernsehshow "Ein Herz für Kinder" ein. Die Hilfsorganisation wurde vor 30 Jahren von dem Verleger Axel Springer ins Leben gerufen und sammelte bereits mehr als 100 Millionen Euro an Spenden.

Rekord-Spendensumme

Ein Großaufgebot von Stars und Sternchen bevölkerte die Jubiläumsausgabe der Spendengala "30 Jahre - Ein Herz für Kinder" am Samstagabend im ZDF und sorgte dafür, dass bis zum Ende der Benefizveranstaltung mehr als 15 Millionen Euro an Spenden zusammenkamen. Damit wurde der Rekord des vergangenen Jahres erneut überboten. Es war zugleich eine leicht penetrante Werbeshow für die Zeitung Bild, deren Logo und Chefredakteur gut zu sehen war.

Auch Hollywoodstar George Clooney nutzte seine große Popularität, um Geld für Kinder in Not zu sammeln. Der Oscarpreisträger ("Syriana") nahm stellvertretend für mehrere Hilfsorganisationen im Sudan den Ehrenpreis entgegen.

Während der fast vierstündigen Show saßen viele Prominente wie Tennislegende Boris Becker, Ex-Torwart Oliver Kahn, Sängerin Vicky Leandros und Schauspieler Horst Janson an den Telefonen und nahmen Spenden entgegen. Komiker Hape Kerkeling und Sängerin Sarah Connor stellten als Paten Projekte wie ein Aids-Krankenhaus in Mosambik und ein Kinder- und Jugendzentrum in Bremen vor.

Das bereits am Samstagabend kursierende Gerüchte, dass dies die vorerst letzte "Ein Herz für Kinder"-Gala gewesen sein könnte, sorgte bei vielen Gästen für Bedauern. "Es wäre sehr schade - nicht nur weil ich dann von Champagner auf Asti Spumante umsteigen müsste - denn es ist eine großartige Möglichkeit in kurzer Zeit viel Geld für Kinder in Not zu sammeln", sagte etwa der Komödiant Karl Dall.