"Sprachpanscher des Jahres" 2011 Wiederholungsfall

Egal ob "service-point", "moonshine-Tarif" oder "miteinander combinen": Wer die deutsche Bevölkerung mit - meist englischen - Sprachschöpfungen quält, wird vom "Verein Deutsche Sprache" gerügt und zum "Sprachpanscher des Jahres" gewählt. Dass der Mensch aus Fehlern nicht immer lernt, zeigt sich in diesem Jahr: Ein zweites Mal schafft es ein führender Vertreter der Deutschen Telekom auf Platz eins der Liste.

Wer vom "Verein Deutsche Sprache" zum "Sprachpanscher des Jahres" gewählt wird, der hat in der Regel mit englischen Sprachimporten um sich geworfen. So geschehen bei der Deutschen Telekom, die auf Ihrem Web-Auftritt mit Angeboten "Call & Surf Comfort", "Free Call International Advanced", "CombiCard Teens", "Entertain Comfort" die Kunden vielleicht auch ein wenig überfordert. Der Vorstandsvorsitzende René Obermann ist nun in Dortmund zum "Sprachpanscher des Jahres 2011" gekürt worden - und tritt damit in die Fußstapfen seines Vorgängers Ron Sommer, der bereits 1998 den Negativpreis erhielt.

Sie haben es erneut getan - beziehungsweise nie damit aufgehört: Telekom- Vorstandsvorsitzender René Obermann ist zum 'Sprachpanscher des Jahres' gewählt worden, da das Unternehmen über Jahre hinweg seine Tarife mit englischen Namen betitelt.

(Foto: dapd)

Schon damals kritisierte der Verein das Unternehmen, es sei "zutiefst kundefeindlich und menschenverachtend", da die deutsche Bevölkerung zum größten Teil dem Englischen nicht mächtig sei. So ähnlich lautet auch die Begründung in diesem Jahr. Der Vorsitzende des "Vereins Deutsche Sprache" (VDS), der Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Walter Krämer, missbilligte erneut die übermäßige Nutzung von Anglizismen. "Die Deutsche Telekom hat ihre Kunden über Jahre hinweg mit englischen Sprachimporten verärgert. Der Besuch der Netzseiten der Firma ist eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache" .

Auf Platz zwei wählte die Jury des Vereins Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Sie habe sich ebenfalls durch Anglizismen negativ hervorgetan, etwa durch den "equal pay day", so Krämer. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unter Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider gibt Raum zur Beanstandung - und landet auf Platz drei. Die Sprachpuristen bemängeln hier die Veranstaltungstitel. So wolle die Kirche ihre Gläubigen mit "LutherActivities", "Wellness für die Männerseele" oder "marriage weeks" bei der Stange halten.

Seit 1997 macht der Verein auf diese Weise auf sprachliche Fehlleistungen Aufmerksam. Unter den Preisträgern finden sich unter anderem die Modedesignerin Jil Sander für Aussagen wie "giving-story", "future-Denken" oder "miteinander combinen", die sie in einem Interview mit der FAZ vom 22.03.1996 verwendet. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit erhielt die Schmach 2008 für "Be Berlin", 2001 wurde sogar Wolfgang H. Zocher, Vorsitzender des Bundesverbandes deutscher Bestatter, beanstandet. Er schlug den "funeral master" als neues Berufsbild vor. Neben der Deutschen Telekom schaffte es auch ein weiteres Unternehmen zwei Mal auf Platz eins der Liste: Bei der Deutschen Bahn werden Kunden weiterhin am "service point" oder "ticket counter" bedient.

An der diesjährigen Abstimmung beteiligten sich 4.764 Mitglieder, davon wählten 1.832 René Obermann und die Deutsche Telekom, heißt es auf der Internetseite des VDS. Mit der Wahl des "Sprachpanschers" wolle der Verein die deutsche Sprachgemeinschaft dazu bringen, mehr Verantwortung für ihre Sprache zu übernehmen. Auch Prominente zählen zu den 34.000 Mitgliedern des nach Angaben größten Sprach- und Kulturvereins in Deutschland, so auch Hape Kerkeling, Dieter Hallervorden, Reinhard Mey, Nina Ruge oder Jürgen von der Lippe.