Spektakulärer Kunstfund Cornelius Gurlitt: Habe alles der Staatsanwaltschaft übergeben

Wem gehören die 1400 Bilder, die in seiner Schwabinger Wohnung gefunden wurden? Cornelius Gurlitt war zunächst nicht zu greifen, nun taucht er in München auf. Er sagt ein paar Sätze, schimpft dann auf Fotografen - und fährt in einem Taxi davon. Bayerns Regierung will den Kunstfund möglichst schnell aufklären.

Neues vom Kunstfund in Schwabing: Cornelius Gurlitt lebt offenbar immer noch in der Wohnung am Artur-Kutscher-Platz, in der vor eineinhalb Jahren 1400 Bilder beschlagnahmt wurden.

Am Dienstagmorgen sprach eine Journalistin der Süddeutschen Zeitung mit dem 80-Jährigen, als dieser gerade seine Wohnung verließ. Er zog einen großen Rollkoffer hinter sich her. "Ich bin auf dem Weg nach Würzburg, zum Arzt", sagte Gurlitt. "Aber ich bin bald zurück." Der Rentner mit schlohweißem Haar war elegant gekleidet.

Der Kunsthändlersohn besitzt nach eigenen Angaben keine Unterlagen mehr zu dem von ihm jahrzehntelang versteckten Kunstschatz: "Ich habe alles der Staatsanwaltschaft übergeben." Auf die Herkunft seiner Bilder angesprochen, erwiderte er freundlich: "Ich kann nichts sagen, ich weiß gar nichts."

Seriöser Herr von nebenan

Jahrzehntelang hat Cornelius Gurlitt, der Spross einer Dynastie von Kunsthändlern, einen unglaublichen Bilderschatz gehortet. In seiner Umgebung will aber keiner etwas davon mitbekommen haben. Von Jörg Häntzschel, Cathrin Kahlweit und Antonie Rietzschel mehr ...

Anschließend stieg er in ein Taxi. Als zwei vor dem Haus wartende Fotografen versuchten, ihn dabei abzulichten, meinte er: "Das alles ist eine große Büberei!" Nach Informationen der New York Times soll Gurlitt mit einer unbekannten Dame zum Flughafen aufgebrochen sein. Das Blatt beruft sich dabei auf Augenzeugenberichte.

Ein Nachbar berichtete der amerikanischen Zeitung von einer handgeschriebenen Notiz an Gurlitts Wohnungstür, die Besucher dazu aufforderte, ihn in Ruhe zu lassen. Er brauche diese aufgrund des Zustands seines Herzens, soll darauf stehen. Es soll sich um die Schrift Gurlitts handeln. Außerdem soll auf dem Zettel stehen, dass er bald ein schriftliches Statement abgeben werde.

Die bayerische Staatsregierung will den Kunstfund so bald wie möglich aufklären. "Es geht vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung Deutschlands und auch im Interesse der betroffenen Eigentümer darum, dass neben dem strafrechtlichen Verfahren schnell und sauber eine Prüfung der Herkunft der Bilder erfolgt und dann die Voraussetzungen für eine Rückgabe an Enteignete geschaffen werden", sagte Bayerns Justizminister Winfried Bausback. "Ich möchte, dass es so schnell wie möglich geht."

Kritik an den Behörden

Zugleich kritisierte der CSU-Politiker das langsame Tempo der bisher mit dem Fall befassten Stellen. "Natürlich ist es auch so - das sage ich hier ganz offen -, dass es mir wie vielen in der Öffentlichkeit und vielen Betroffenen viel zu langsam ging, was Recherche und Aufklärung anging", sagte Bausback, der erst wenige Wochen im Amt ist. Um die Ermittlungen voranzutreiben, werde die Staatsregierung Personal zur Verfügung stellen.

Mit großen Namen auf Fahndung

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Sowohl im In- als auch im Ausland hatten Kritiker der bayerischen Justiz vorgeworfen, die Sammlung bislang unter Verschluss gehalten zu haben. Am Montagabend veröffentlichte die Bundesregierung 25 Kunstwerke aus dem Konvolut im Internet. Auf der Website www.lostart.de der Magdeburger Koordinierungsstelle für Raubkunst sind unter anderem Gemälde, Zeichnungen und Drucke von Canaletto, Henri Matisse und Marc Chagall aufgelistet.

Eine Prognose über das Ende der Untersuchung wollte Bayerns Justizminister jedoch nicht abgeben: "Es geht um gut 1400 Bilder. Das ist eine Sache (die Herkunft; Anm. d. Red.), die bei jedem einzelnen Bild nachvollzogen wird." Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte, die Provenienzforschung sei ein "äußerst komplexes wissenschaftliches Feld".

Die rechtliche Lage im Fall Gurlitt ist komplex, greifen doch strafrechtliche Vorwürfe und zivilrechtliche Ansprüche von Opfern des NS-Regimes und deren Erben hier ineinander. Bis die wahren Eigentumsverhältnisse geklärt sind, bleiben die Kunstwerke in Obhut des Staates.