In der Diskussion um Ungleichheit und Armut geht es nicht mehr um oben und unten, sondern um drinnen und draußen - zu Recht?
Bin ich noch drin und warum? Gehören die Frau an der Kasse, der ältere Mann, der bessere Tage gesehen hat und nun verlegen um eine Zigarette bittet, noch dazu? Oder handelt es sich um jene "Ausgeschlossenen", von denen die Soziologen seit einigen Jahren zu sprechen pflegen?
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Drinnen oder draußen: Viele Menschen in Deutschland fürchten den sozialen Abstieg (© Foto: ddp)
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Fragen wie diese wird sich jeder aufmerksame Zeitungsleser stellen. Ungleichheit und Armut gehören zu Recht zu den beherrschenden Themen im Lande und werden es auf absehbare Zeit auch bleiben.
Wer darüber spricht, kann es scheinbar naiv tun wie einst der sozialdemokratische Vizekanzler Franz Müntefering: "Es gibt Menschen, die es schwer haben, die schwächer sind." Er kann die Spaltung der Gesellschaft, die "Schere zwischen Arm und Reich" anprangern oder altmarxistisch Bourgeoisie und Proletariat beschwören.
Wirklich prominent geworden sind im aktuellen Dauergespräch über soziale Verwerfungen drei sehr verschiedene, aber nicht immer streng gegeneinander abgegrenzte Begriffe: "Prekarisierung", "Unterschicht" und "Exklusion". Es ist keineswegs eine bloß akademische Frage, welcher von ihnen am besten taugt, die Welt der Gegenwart zu verstehen.
Oben, unten? Drinnen, draußen!
Nicht nur Parteien und Lobbyisten bedienen sich aus dem Fundus soziologischer Theorien. Die Selbstbeschreibung und das Selbstverständnis der Gesellschaft zehren oft von wissenschaftlichen Begriffen wie "nivellierte Mittelstandsgesellschaft" oder "Risikogesellschaft". Eine normative Idee begleitet diese Prägungen. Das Wort "Unterschicht" mag herabsetzend und verächtlich klingen, bezieht seine Kraft aber aus der Verheißung des Aufstiegs.
Für den Soziologen Heinz Bude ist die Frage nicht, "wer oben und wer unten, sondern wer drinnen und wer draußen ist". In seinem neuen Buch "Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft" (SZ vom 25. April 2008) zieht er die Summe aus mehr als einem Jahrzehnt theoretischer Diskussion und will die Öffentlichkeit für das Konzept der "sozialen Exklusion" gewinnen.
Statt der "feinen Unterschiede" steht darin die grobe Differenz im Mittelpunkt. Auf diese Weise, so Bude, werde man dem Ungleichheitsempfinden der Menschen ebenso gerecht wie dem "neuen Gesicht der Ungleichheit in unserer Gesellschaft".
Das ist nicht unbedingt so. Berthold Vogel, ein Kollege Budes am Hamburger Institut für Sozialforschung behauptet, dass wir "mit den Fragen nach der Exklusion zugleich die Aufmerksamkeit für sozialstrukturelle Zwischentöne, für die Widersprüche und Uneindeutigkeiten" verlieren.
In einem bemerkenswerten Aufsatz kehrt Vogel zum Kernproblem, der kollektiven Erfahrung von Arbeitslosigkeit zurück, entwirft ein anspruchsvolles Programm vernünftiger Arbeitslosigkeitsforschung und bestreitet den Anspruch der Exklusionstheoretiker, auf der Höhe der Zeit zu sein (Biographische Brüche, soziale Ungleichheiten und politische Gestaltung. Bestände und Perspektiven soziologischer Arbeitslosigkeitsforschung. In: Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Jg. 17, April/Mai 2008).
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aus eigener Erfahrung, Stabilität im Instabilen und bald auch das nicht mehr, denn die Hürden sind immens, wer die nicht leistet fällt. Man muss sich Unterstützung suchen, Netzwerke irgendwelcher Art aufbauen, allein ist man verloren.
Kann ich nur jedem raten, sich nicht abzufinden oder zu verkriechen, immer wieder nach Auswegen suchen und nicht alles schlucken.
So schwer es ist, es bleibt keine Wahl und das stimmt, Manche haben von Haus aus eine Versicherung, da fällt das Scheitern viel schwerer. Wohlhabend, abgesichert, überzeugt von sich und seiner Weltanschauung, wenn es auch Scheuklappen-denken ist, dass verhilft zu Stabilität.
Sensibilität, soziale Isolation, Druck durch Ämter, alles Gründe unterzugehen.
Das ist Realität, unvorstellbar noch vor ein paar Jahren.
"Mit Bourdieu die Welt retten." Der Beitrag bleibt unter seinen Möglichkeiten, im Bereich des Ungefähren-Akademischen und er bekommt meines Erachtens die politische Dimension des Problems nicht in den Griff.
Man mag ja von Bude halten, was man will - abzustreiten ist ihm nicht, den Finger in die Wunde gelegt zu haben. Wenn er das Problem hier und da überreißt, ist das den Addressaten, nicht der mangelnden Fähigkeit des Soziologen zur Differenzierung geschuldet.
"Exklusion" ist das politisch wirksame Moment, das bei denen greift, die zur "Unterschicht" gehören, welche sich zunehmend auch im Prozess der "Prekarisierung" herausbildet. Eine Gesellschaft kann auch ganz leise zerfallen, das müssen nicht immer brennende Großstädte sein: Und DARAUF weist die Studie von Lazarsfeld hin.
Wer sich die aktuellen Zahlen der Drogenbeauftragten dieser Republik anschaut, wer um die sinkenden Wahlbeteiligungsquoten weiß, wer die Dezivilisierung ganzer Landstriche (nicht nur im Osten) beobachtet, wer sich die Steuermoral dieses Landes betrachtet, wer die zunehmenden Entsolidarisierungseffekte in dieser Gesellschaft zwischen oben und untern wahrnimmt, wer die sozialwissenschaftlichen Prognosen zur Zukunft der (Erwerbs)Arbeit gelesen hat - der wird nicht mit flotter Feder zwischen zwei Sozialwissenschaftlern wägen, sondern das gesellschaftspolitische Destruktionspotential der Arbeitslosigkeit in seiner Breite erfassen. Und nicht lebensfremd (ja!) von einer "Stabilität des Instabilen" reden und dies als "neue Formen" einer selbständigen Lebensführung preisen.
Denn diese Formen sind nicht neu - sie sind Retro-formen des Tagelöhners.
Um die Vorschreiber zu bestätigen:
Die Lobbyismen, die Korruptionen haben beispielsweise zur exorbitanten Ausgabenseite im Staatshaushalt und gleichzeitig zu Staatsmindereinnahmen extrem stark beigetragen.
Darüberhinaus haben sie die Bevölkerung selbst direkt abgeschröpft, indem sie beispielsweise der Bevölkerung effiziente Energietechnologien, verbrauchsmindere Antriebstechnologien vorenthielten.
So musste das Heer der Bürger im Verlauf von mehr als drei Jahrzehnten hohe Spritpreise bezahlen und dazu auch noch eine gigantische Umweltschädigung finanzieren.
Sägen an dem eigenen Ast und dafür auch noch Eintritt bezahlen, so lässt sich das bezeichnen.
Auf vielen anderen Sektoren haben die Bundesbürger dank Korruptionen und Lobbyismen zu viel bezahlt. Sie wurden gemolken und belogen. Von fast allen Seiten. r.kendel-koeppl 8 1 5 4 5 Mü.
Es ist schier einfach sich einen Schuldigen zu suchen oder?! Vor allem wenn der Schuldige angeblich auch noch vom System zu profitieren scheint...
Sicherlich ist etwas daran, dass die Politik in den letzten Jahrzehnten versagt hat ein auf lange Sicht funktionierendes Sozialsystem aufzubaun, aber ebenso haben die Menschen die nun von diesem System abhängig sind versagt. Es ist ja leider politisch inkorrekt das HartzIV-Opfer zu fragen was er/sie selber denn hätte besser tun können.
Explizit meine ich da sich um eine bessere Bildung zu kümmern.
Das es in unserem Land unterschiedliche Bildungschancen in unterschiedlichen sozialen Schichten gibt halte ich für einen viel zu gern benutzen Mythos - meine Mutter war Näherin mein Vater ein kleiner Beamter ohne große Karrierechancen (Volkschule und Mittlere Reife), also nicht grad die oberen Zehntausend, dennoch meine Geschwister und ich haben alle Abitur, Studiert und nun einen gut bezahlten Job. Es ist also wohl doch eher ein massives Problem des Bildungsbewusstseins in den "unteren" Schichten und nicht eines der ungerechten Verteilung...
Ebenso denke ich sollten die Anreize einer bezahlten Arbeit nachzugehen höher sein - es gibt leider viel zu viele Arbeitslose die sich in ihrer Arbeitslosigkeit/Aussichtslosigkeit etabliert haben und nur noch den Kopf in den Sand stecken - ich verstehe nicht wie man die Zeit nicht nutzen kann um sich zu Bilden oder zur Not auch einfach nur irgendeinen stupiden Nebenjob zu machen um nicht im Lebenslauf gar nichts stehen zu haben...
Kurz und präzise haben Sie es auf den Punkt gebracht, wo dieses Land dran erkrankte, und wenn wir nicht gegensteuern, aufmucken, protestieren sind wir bald "eingepuppt wie eine Larve" und werden nur noch am Leben erhalten um Steuern zu bezahlen. Warum wählen wir diese alten Garden denn nicht endlich ab? Deutschland braucht mutige Bürger und auch ganz mutige neue Politiker die dem Grundsatz des Volkssouveräns Rechnung tragen. Oberster Grundsatz: Zum Wohle von Bürger- und Bürgerinnen. Die alten Parteien: CDU/CSU, SPD, FDP und auch die GRÜNEN haben Deutschland dahin geführt, wo wir heute stehen. Parteiinteressen, Klüngel, Fraktionszwang, Eigennutz und Selbstherrlichkeit
haben unsere Solidargemeinschaft ins Säurebad geworfen. Ich traue keinen von diesen
Alten mehr über den Weg, sie alle haben den Sozialstaat Deutschland und viel schlimmer noch, seine Menschen verraten. Es wird die Zeit kommen das wir unsere Grundrechte einfordern, weniger für uns ältere aber für unser Kinder und Enkelkinder denn die fragen uns: Und was habt ihr dafür/dagegen getan?
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