Die Videos von Die Antwoord changieren zwischen ausgestellter Peinlichkeit und hintergründiger Unheimlichkeit. Und genau diese Unschärfe macht sie so fesselnd. Das alles zusammen ergab in den letzten zwei Wochen einen tüchtigen Internet-Hype. Die Antwoord-Videos geisterten durch Blogs und Netzmagazine und ausgewiesene Spürnasen wie der US-DJ und Produzent Diplo schrieben Elogen auf die Band. Auf den Erfolg im Netz folgt nun ein Album und eine Tour durch Europa und Amerika.
Anzeige
Dass es jedoch mit der Legende, der zufolge sich die Combo in einer heruntergekommenen White-Trash-Suburbia zusammenfand und der autistisch dreinblickende DJ "Hi-Tek" an seinem häuslichen "PC-Computer" die Beats zusammenschraubte, nicht so ganz stimmen konnte, war von Anfang an klar.
Dafür sah die Sängerin zu gut aus, dafür war das Outfit der Band zu ausgesucht originell, dafür waren die Videos und die Musik zu professionell produziert. Vor einigen Tagen nun "enthüllten" Leser des Internet-Magazins Videogum, dass es sich bei den Mitgliedern von Die Antwoord um Komiker aus dem südafrikanischen Fernsehen handle. Die Nachricht hat sich im Netz noch nicht allzu weit verbreitet. Es ist jedoch anzunehmen, dass viele Fans die Empörung der investigativen Aufdecker teilen.
Es steht also die Frage im Raum, was eigentlich ein Schwindel im Pop ist, ein Fake. Längst ist es ein Allgemeinplatz, dass Pop wegen seiner Inszeniertheit per se eine Art von Fake ist. Nur naive Fans glauben, dass Gangsta-Rapper Schwerverbrecher und norwegische Black-Metal-Gruppen ritualmordende Satanisten sind. Darüber hinaus gab es immer wieder Bands - und beileibe nicht die unbedeutendsten - die Kunstprodukte waren. Die Monks etwa wurden von zwei deutschen Kunststudenten erfunden, die Sex Pistols von einem cleveren Modemacher.
Schwere Kränkung für den Pop
Auf der anderen Seite war bisher auch immer klar, dass Popprodukte, die eine eindeutige mediale Inszenierung sind, etwa die Fake-Band Spinal Tap im gleichnamigen Film oder die Kunstfigur Ali G, zwar lustig, bestenfalls aber eben gut nachgemacht sind. Das ist im Fall von Die Antwoord ganz anders.
Natürlich macht die Band musikalisch nichts radikal Neues. Im Genre Ghettorave jedoch ist ihr Beitrag durchaus originell. Und die Irritation, die die Band mit ihrem unheimlich-uneindeutigen Stil, mit ihrer albtraumhaften Körperinszenierung, mit ihrem Kitsch auslöst, ist eben auch real.
Dass dieses unbestreitbar attraktive Stück Pop nun nicht Ausdruck einer tatsächlichen Subkultur, sondern vielmehr von der Kulturindustrie ausgedacht ist, ist zwar eine schwere Kränkung für die Genie-Ästhetik des Independent-Pop. Aber man kann den Fall Die Antwoord auch positiv interpretieren. Zeigt sich doch darin, dass Pop vor allem eins ist: ein unberechenbares System.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Ende eines Pop-Phänomens Avantgarde und Erfolg 11.01.2010
- Im TV: Snoop Dogg Braver Hund 04.01.2010
(SZ vom 11.02.2010/kred)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Ich hatte das Vergnügen, Waddy Jones im Jahr 2002 in Kapstadt persönlich kennenzulernen. Er war damals schon mächtig durchgeknallt und zugleich ein großes Talent, als Rapper, als Songwriter als kongenialer Selbstinszenierer.
Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, wie der Autor des ansonsten recht gelungenen SZ-Artikels den Begriff "unbeholfen" im Zusammenhang mit Ninja/Waddy's rap-Künsten verwenden kann. Trash ja, Kitsch gerne, irrsinnig sicherlich auch, aber eines sind seine rasenden Reime in seinem ganz eigenen Englisch-Afrikaans-Mix ganz sicher nicht: unbeholfen. Check dis out. Die Antwoord kommt nach Europa, im Juni: http://2011.sonar.es/en/artistes/die-antwoord_313.html
Ich hatte das Vergnügen, Waddy Jones im Jahr 2002 in Kapstadt persönlich kennenzulernen. Er war damals schon mächtig durchgeknallt und zugleich ein großes Talent, als Rapper, als Songwriter als kongenialer Selbstinszenierer.
Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, wie der Autor des ansonsten recht gelungenen SZ-Artikels den Begriff "unbeholfen" im Zusammenhang mit Ninja/Waddy's rap-Künsten verwenden kann. Trash ja, Kitsch gerne, irrsinnig sicherlich auch, aber eines sind seine rasenden Reime in seinem ganz eigenen Englisch-Afrikaans-Mix ganz sicher nicht: unbeholfen. Check dis out. Die Antwoord kommt nach Europa, im Juni: http://2011.sonar.es/en/artistes/die-antwoord_313.html
hi
hatte gestern im rap-beitrag bereits auf die antwoord hingewiesen.
es stellt sich die frage,welche intension eigentlich hinter dem fake steckt oder ist der fake ein fake?
welche rolle spielt der an progeria erkrankrte dj und künstler leon botha bei diesem projekt?
http://www.boingboing.net/2010/02/03/more-on-die-antwoord.html
zum "fake"
http://videogum.com/archives/backlashes/die_antwoord_is_fake_and_so_wh_112671.html
taxijam (klasse idee siehe auch andere bands)
http://vimeo.com/7391501
mittlerweile gibt es auf www.dieantwoord.com einen neuen (bonus) song.
tja wollen wir mal gucken was das alles noch so gibt-ich finde die antwoord jedenfalls ausgesprochen kreativ und herzerfrischend geil!
Sehr schön verfasst der text aber es wär echt schade wenn das alles nurn fake is ich find die musik gut die sie produzieren .
Sst mal was neues, man hört sonst nie was von Afrika ^^