Von Eva Karcher und Holger Liebs

Die Jagdsaison ist eröffnet: Halali, und der Irrsinn der Kunstverkäufe geht weiter. Ein kritisches Glossar zum anstehenden Kunstsommer, der mit den Frühjahrsauktionen in New York eingeläutet wird.

Blumen, überall Blumen. Nein, wir sprechen nicht von den malerischen Pavillongärten der venezianischen Kunstbiennale, die am 10. Juni startet, und auch nicht von den Mohn- und Reisfeldern der Documenta, die vom 16. Juni an erblühen sollen. Oder sprechen wir doch davon? Es ist einfach nur so, dass die "Grand Flower"s Tour" dieses hysterischen Kunstjahres - also die Reise durch eine sich nur alle zehn Jahre ergebende Kunstereignis-Konstellation - in diesem Sommer schon früher startet, nämlich am Dienstag in ein paar New Yorker Auktionshäusern.

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Warum nicht mal einen Warhol? Hmm? So - für's Esszimmer? Oder doch über den Kamin - neben Opas ollen Hirschschädel? It says me something ... ähem ... (© )

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Zunächst einmal sind Kunstauktionen milliardenschwere Börsen für einige wenige Betuchte - und die Documenta in Kassel, die Biennale in Venedig oder die "Skulptur Projekte Münster" ganz im Gegenteil kuratierte Ausstellungen mehr oder weniger junger Kunst, die sich um möglichst große Marktferne bemühen. Aber es spricht einiges dafür, dass der wahlweise mit Netjet oder Easyjet paradierende Tross von Kunsttouristen in diesem Jahr mehr denn je Dollarzeichen im Blick hat, wo immer er anbrandet - von Manhattan nach Hannover, wo in Bälde Kunst mit dem labeltauglichen Titel "Made in Germany" präsentiert wird, weiter nach Venedig, von wo man zur Gilbert&George-Schau nach München eingeflogen wird, um anschließend zur Art Basel abzuheben, zur Documenta in Kassel und schließlich nach Münster.

Die Frage ist, ob und wie sich die Kunstwelt gegen einen Kunstmarkt wehren kann, der so mächtig ist wie nie zuvor - und ob sie es überhaupt will.

Stichwort Blumen: Pikanterweise warten rund zehn Lose der New Yorker Frühjahrsauktionen mit dem immergleichen Motiv auf: den "Flowers" von Andy Warhol. Vielleicht ist es ja wirklich kein Zufall, dass uns hier eine botanische Inflation ins Haus steht, ein so florales wie pekuniäres Paradies: Ein Schelm, wer hier nicht an die "Tulipomanie" des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden denkt, als eine exotische Zwiebelpflanze aus dem Osmanischen Reich die Spekulation in irrwitzige Höhen trieb, bis ein sechsstöckiges Grachtenhaus für nur vier Tulpenzwiebeln verkauft wurde - und der überhitzte Markt zusammenbrach.

Riecht auch der zeitgenössische Kunstmarkt nicht ein bisschen nach Zwiebeln? Noch nie war zeitgenössische Kunst so sehr Statussymbol, Image-Garant und "Must-have" wie heute. Und noch nie war sie so sehr Ware. Ihren boomenden Markt beherrschen gegenwärtig die global operierenden Auktionshäuser, allen voran die Giganten und Erzrivalen Sotheby"s und Christie"s, gefolgt vom kleineren Trendsetter Phillips. Unangefochtenes Zentrum aller Aktivitäten bleibt New York, wo Sotheby"s heute Abend den erwartbar fiebrigen Tanz um insgesamt 1675 (von allen Häusern gezählte) hoch bis extrem hoch taxierte goldene Kälber, pardon, Lose, beginnt. Zeit, den Hype genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier zum Auftakt der Jagdsaison die spitzesten Splitter in Form eines Glossars.

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