Airen sagt, er und die drei Besitzer des SuKuLTuR-Verlag hätten immer gehofft, dass man aufmerksam werde auf seinen Roman. Er fragt sich, wie es kam, dass Hegemann mit einem Buch so schnell so erfolgreich wurde, das von einem Leben handelt, das nicht sie, sondern, zum Beispiel, er gelebt hat. Der Freund sagt: "Die Hegemann hat doch alle Kontakte durch ihren Vater und die Volksbühnenleute bekommen."

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Helene Hegemann bedient sich in ihrem Buch der Sprache ihres Vaters und seiner Freunde, den Schlingensiefs und Castorfs. Sie hat viel Zeit in der Volksbühnenkantine verbracht, als ihr Vater dort noch als Dramaturg gearbeitet hat. Der Vater hat seiner Tochter auch das Buch von Airen zuschicken lassen, als sie ihres schrieb. Der Sound von Strobo hat ihr sehr gefallen. Airen hat stundenlang Hegemanns Buch mit seinem verglichen für die Verhandlungen mit Ullstein. Er sagt: "Ich bin nicht sauer, dass sie von mir kopiert hat. Aber zu sagen, Kopieren sei ein Remix, ist nicht fair."

Kleine vierstellige Summe

Der Ullstein-Verlag, Airen und SuKuLTur haben sich jetzt darauf geeinigt, dass künftig in Hegemanns "Axolotl Roadkill" jene Passagen erwähnt werden, die aus "Strobo" stammen. Airen darf über das Abkommen nicht reden. Aus Verlagskreisen ist zu erfahren, dass Ullstein nun SuKuLTur eine kleine vierstellige Summe zahlt und wird ab Herbst "Strobo" in Lizenz als Taschenbuch herausgeben. Airen hofft, dass sich bis dahin überhaupt noch jemand für seinen Roman interessiert. Seine Drogenexzesse und der viele anonyme Sex seien "ein Schrei nach Liebe und nach Verständnis" gewesen.

Heute lebt er ein neues Leben. Vor zwei Jahren durfte er für eine Unternehmensberatung für ein Praktikum nach Mexiko-Stadt. Er blieb eineinhalb Jahre dort. In Mexiko lernte er Nancy kennen, eine freundliche, lebenslustige Mexikanerin, die noch nie in einem Technoclub war. Airen sagt, er habe ihr in der ersten Nacht gesagt, dass er bisexuell ist. Die beiden sind verheiratet und zärtlich miteinander. Airen spricht fließend Spanisch und sagt: "Ich habe jetzt meine Liebe gefunden." Er schreibt keine Blogs mehr, weil er zum Reden ja jetzt Nancy habe.

"Die tut mir leid"

Es ist spät geworden, Airen ist noch immer sehr nervös. Gleich tritt Hegemann bei Harald Schmidt auf, das will er sich mit Nancy anschauen. Er würde Hegemann gerne mal treffen. Gemeldet hat sie sich bei ihm noch nicht. Er sagt sogar: "Die tut mir leid. Wenn ich mir vorstelle, die läuft in Berlin herum und ist nur ein paar Kilometer von mir entfernt. Die hat bestimmt eine beschissene Zeit jetzt."

Airen hat gerade kein Einkommen. Das Geld von Ullstein kann er gut gebrauchen. Er sagt: "Mein Kompass ist kaputt. Ich fühl mich wie mit 15. Ich weiß nicht, was ich machen soll." Er geht ins Fitnessstudio und hilft seiner Frau bei den Deutsch-Hausaufgaben. Viele Freunde hat er nicht. Die Berghain-Welt sei keine, in der man Freunde mache.

Dann beginnt Harald Schmidts Show. Airen schlägt die Hände vorm Kopf zusammen, als er sieht, wie ein Schauspieler ihn persifliert und Schmidt über ihn Witze reißt. "Was ist denn das für ein Scheiß", sagt er. Als dann Hegemann neben Schmidt Platz nimmt, verstummt Airen. Er zollt ihr Bewunderung, dass sie in einer Talkshow sitzen kann. Er könnte das nicht. Er sagt aber auch: "Das ist ungerecht. Er hat ihr Buch zehnmal in die Kamera gehalten und meines überhaupt nicht."

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  1. Der Schattenmann
  2. Sie lesen jetzt "Ich bin nicht sauer"
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(SZ vom 13.02.2009/mikö)