Charlotte Roche

Charlotte Roche entlockte zunächst mit ihren "Feuchtgebieten" (2008) und dann mit ihren "Schoßgebeten" (2011) den Feuilletons und vielen vor allem männlichen Lesern empörtes Stöhnen - ob der gezielt ausführlichen und nicht minder gezielt ekligen Passagen, in denen sie sich dem weiblichen Körper von seiner unschönen Seite näherte. So etwas hatte es bis dahin nur selten in der Öffentlichkeit und vor allem in dieser Vehemenz gegeben. Frauen und Sex ja, aber bitte entweder schön - oder schmutzig und trotzdem gefällig. Indem sich die ehemalige Viva-Moderatorin diesem Diktat entzog und gezielt mit dem Gegenteil provozierte, rührte sie an ein öffentliches Tabu: Über die unschönen Seiten weiblicher Sexualität zu sprechen und zu schreiben, und das auch noch relativ frech und witzig, das war damals noch zu viel für große Teile der Öffentlichkeit. Gekauft wurde ihr Debütroman natürlich trotzdem - und gerade deshalb. Das ebnete den Weg für weitere Tabubrüche.

Bild: picture-alliance/ dpa

18. Juli 2012, 16:18 2012-07-18 16:18:03

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