Shades of Grey, Sex und Skandalliteratur – Twilight

... die "Twilight"-Saga ganz vorbildlich, weshalb sie so unglaublich erfolgreich ist, obwohl es doch hier eigentlich nur um ein Mädchen geht, das nicht genau weiß, ob es gebissen werden möchte oder doch lieber nicht. Und um einen Vampir, der nicht wirklich beißen möchte. Die alte Junge-liebt-Mädchen-Geschichte also - in nur vorgeblich modernem Muster: Die Romanvorlage der braven Mormonin und US-Autorin Stephenie Meyer (von 2006) wie auch die cineastische Twilight-Saga (ab 2008) sind vollgestopft mit Metaphern sexueller Enthaltsamkeit und keuscher Jugendliebe. Dass die Hauptdarsteller Kristen Stewart (als Bella) und Robert Pattinson (als Edward) seit 2009 auch privat ein Paar sind, wobei das bislang nicht bestätigt wurde, ist dem Hype um die Story nicht gerade hinderlich. Und so verwundert es auch nicht, dass der Überraschungserfolg von "Shades of Grey" unmittelbar an den sagenhaften Erfolg von "Twilight" anknüpft, ja sogar durch ihn inspiriert wurde: Autorin E.L. (Erika Leonard) James aus Schottland, damals noch Mitarbeiterin beim Fernsehen in London, hatte ihre Geschichte ursprünglich im Internet Bella und Eward auf den Leib geschrieben. Als Fanfiction. Die Hobby-Autorin gab den Romanfiguren nicht nur das, was sie im echten Romanleben niemals ausleben durften, sondern noch ein bisschen mehr Biss durch SM-Rollenspielchen mit auf den Weg. Die Geschichte fand im Netz so viele Anhänger, dass erst ein kleiner und dann ein großer Buchverlag auf die Autorin aufmerksam wurden. Die Story wurde für die Print-Version nochmal weichgespült, die Protagonisten bekamen neue Namen und ein anderes Umfeld - und schon war die Fifty-Shades-of-Grey-Trilogie geboren, deren Erfolg nun wiederum die Welt verstört.

Es kann einfach sein, einen vermeintlichen Literaturskandal zu erschaffen. Man beachte nur, was in der Vergangenheit zu einem solchen wurde.

Bild: dpa 18. Juli 2012, 16:182012-07-18 16:18:03 © Süddeutsche.de/rus/feko/holz