Von Iris Hanika

Mieser Sex, miese Pointen: Obwohl auf diesem Buch was mit "Porno" drauf steht, ist kein Porno drin. Dafür beschreibt es die große weite Welt der Erregungshilfsmittelindustrie.

Auf diesem Buch steht zwar was mit Porno drauf, es ist aber kein Porno drin. Pornos heißen nie "Porno", sondern haben irgendwelche abstrusen Titel. Dieses Buch will keinerlei sexuelle Erregung erzeugen, doch bewegt es sich auch nicht auf der Meta-Ebene. Das heißt, es spricht nicht über Pornographie, sondern nur davon, was es alles gibt in der großen weiten Welt der Erregungshilfsmittelindustrie.

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Der Informationsgehalt von "Pornology" beschränkt sich auf die Beschreibung der kommerziellen Sexwelt. (© Foto: Rogner & Bernhard)

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Berichtet wird aus der Sicht einer gebildeten Frau, die sich als allem Menschlichen gegenüber aufgeschlossen zeigen will, wobei sie aber regelmäßig betonen muss, dass sie ein "braves", ein "anständiges Mädchen" mit Gewichtsproblemen sei und, das ist besonders wichtig, in Harvard studiert hat.

Offenbar ist die Autorin vollkommen identisch mit der Ich-Erzählerin. Sie stellt sich als lustige Hysterikerin vor, der jedes Malheur passiert, das man sich nur denken kann. Zudem verfügt sie über eine große Zahl von Freundinnen, die selbstverständlich auch alle leicht irre sind. Schauplatz ist Los Angeles, Inhalt die Inaugenscheinnahme von Striptease-Lokalen, Sexshops, Pornofilmen und -heften, der Besuch einer grotesk exhibitionistischen Sex-Aufklärungsshow sowie eines Bordells. Außerdem werden Vibratoren persönlich getestet.

Das Ganze ist als lustiges Buch gedacht. Und es wäre vielleicht auch eines, wenn Ayn Carrillo-Gailey besser schreiben könnte. Wie sie aber, nach ihrer Darstellung, im Leben in alle Fettnäpfchen tritt, so vermasselt sie auch jede Pointe durch ihre Unfähigkeit, nebensächliche Informationen einfach wegzulassen.

Gleich das erste Kapitel ist so langweilig, dass man weinen möchte. Später wird es etwas besser, denn mit der Zeit schließt man die unbeholfene Autorin ins Herz, eben weil sie sich so sehr darum bemüht, total locker zu erscheinen, wo sie doch in Wirklichkeit nur eine nette junge Frau auf der Suche nach dem Mann fürs Leben ist.

Übersetzen Sie "Dating sucks"!

Als braves Mädel hat sie sehr anständig alles recherchiert, was es zu recherchieren gibt (wenn sie sich auch bei Susan Block, der Veranstalterin der exhibitionistischen Sexualkunde, von ihrem eigenen Bildungsdünkel hat überwältigen lassen, denn keineswegs stammt Frau Blocks Doktortitel aus Yale, sondern vielmehr von der etwas obskuren Pacific Western University).

Über die Darstellung dessen, was es in der kommerziellen Sexwelt alles gibt, geht die Autorin nie hinaus. Sie hat sich also keine eigenen Gedanken über Pornographie gemacht, sondern berichtet nur von deren Existenz und von den Reaktionen des braven Mädchens auf die Welt der Sexspielzeuge. Harvard scheint doch nicht ganz das zu sein, was man sich darunter vorstellt.

Wirklich schlimm an diesem Buch sind die vielen Flüchtigkeitsfehler und die sehr holprige Übersetzung. "Dating sucks" mit "Das Dasein als Single auf Partnersuche ist einfach elend" zu übersetzen, ist doch zu gewagt. Am Ende bewahrt vor dem Einschlafen bei der Lektüre nur ihr Informationsgehalt.

Und es ist natürlich recht nützlich zu erfahren, was bei einem Blowjob-Seminar gelehrt wird, denn so kann man sich die 170 Dollar dafür und auch den Flug nach Los Angeles sparen. Darum hat dieses Buch durchaus einen praktischen Nutzen, und gerade als anständige Frau denkt man ja gerne praktisch, auch wenn das garantiert nicht zu einem erfüllten Sexualleben verhilft. Wem an einem solchen gelegen ist, dem seien richtige Sexratgeber von tendenziell unanständigen Frauen empfohlen.

AYN CARRILLO-GAILEY: Pornology. Ein braves Mädchen erkundet die abenteuerliche Welt der Strip-Clubs, Pornokinos, Freudenhäuser und Männermagazine. Rogner & Bernhard, Berlin 2007. 344 Seiten, 19,80 Euro.

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(SZ v. 6.9.2007)