Serie "Hass auf Kunst" Was soll der Hype um Baselitz und Queen?

Georg Baselitz und Queen-Sänger Freddie Mercury

(Foto: dpa; Reuters; Getty Images; Bearbeitung Jessy Asmus/SZ.de)

Der Maler hängt seine Bilder seit 40 Jahren verkehrt herum auf. Seit 40 Jahren! Und die angeblich größte Rockband aller Zeiten hat vor allem Partyrausschmeißer vorzuweisen.

Von Kathleen Hildebrand und Carolin Gasteiger

Georg Baselitz

Es gibt sie immer noch, diese plötzliche Wut im Museumssaal, obwohl da doch nur ein Gemälde hängt. Auch nach vielen Ausstellungsbesuchen flammt sie auf, nach einem kulturwissenschaftlichen Studium und mehr als einem Jahrzehnt Feuilletonlektüre. Wenn man also meint, es könne einen nichts mehr ärgern. Keine weiße Leinwand, kein ausgestelltes Pissoir und keine Fettecke. Alles schon gesehen, alles erklärt bekommen.

Serie "Hass auf Kunst"

Was soll der Hype? Diesen Satz würde man gern am Mittagstisch, abends beim Bier oder auf einer Party rufen, wenn es mal wieder um den Künstler schlechthin geht. Egal ob er wie Georg Baselitz aus der Hochkultur kommt, oder wie Quentin Tarantino aus der Populärkultur. Um den einen, dessen Werk - Gemälde, Bücher, Alben, Filme - alle bejubeln. Alle, außer man selbst. Aber sich outen und der vorherrschenden Meinung entgegenstellen? Bloß nicht! Denn wer Kunst kritisiert, dem wird schnell vorgeworfen, dass er sie nur nicht verstehe. Banause, halt. Wir wagen uns trotzdem vor: SZ-Autoren setzen sich mit Kunst auseinander, die sie hassen.

Und dann hängt da ein Baselitz. So ein gewaltiges Riesenbild, gemalt mit groben Strichen. Was so wütend macht, immer wieder, ist, dass es verkehrt herum hängt. Denn so malt Georg Baselitz seit Mitte der Siebziger. Seit Mitte der Siebziger! Malt er. Immer wieder. Seine Bilder. Verkehrt herum. Männer, Frauen, Paare, Pflanzen und Adler, die natürlich für Deutschland stehen: und alle auf dem Kopf.

Die Idee ist damals sicher super gewesen, als junger Künstler muss man sich abgrenzen, auf sich aufmerksam machen, schon klar. Aber irgendwann läuft sie sich tot, so eine letztendlich ja doch eher schlichte Idee. Es stellt heute auch niemand mehr ein Pissoir oder eine Kloschüssel ins Museum, weil Marcel Duchamp das eben 1917 schon mal gemacht hat. Aber Baselitz malt einfach weiter verkehrt herum.

Die Wut kommt von diesem Gefühl, dass sich da jemand auf einer einzigen Idee ausruht, die er vor 40 Jahren hatte. Und diese Wut, die so verlässlich immer wieder aufsteigt, die ist - einfach langweilig.

Kathleen Hildebrand

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Queen

Queen gehören zu den erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Mit Hits wie "We Are the Champions", "Bohemian Rhapsody" und "We Will Rock You" verkauften sie in den Siebzigern und Achtzigern Zehntausende Alben. Warum nur? Wie kann man diese Musik gut finden?

Angefangen bei den eintönigen Melodien: "We Will Rock You" oder "Another One Bites the Dust" bestehen aus simplen, uninspirierten Aneinanderreihungen von gefühlt drei Akkorden. Dazu der stampfende Beat, der wie ein Dampfhammer so lange wiederholt wird, bis auch der unmusikalischste Zuhörer den Beat drauf hat. Wenn Freddie Mercury dann seinen Text säuselt, klingt das alles eher nach einer einzigen großen Anklage, als nach Power-Rock. "Mamaaaa, uhuuuuuu!" - oh je, ein einziges Lamento.

Rock war bei Queen immer hoffnungslos übertrieben, schamloser Bombast, die Inszenierung des Rock als emotionsgeladene Oper. Zu viel von allem ist auf Dauer, genau, einfach nur anstrengend und nervig. Dazu Freddie Mercury, die Hybris in Person, der seine gute Stimme mit provokanten Latex-Outfits in den Hintergrund drängte. Auch er, eine personifizierte Anklage, inszeniert in Haudrauf-Manier.

Musikalisch wohlwollend ist auch nicht gerade, dass Queen-Songs auf Festen immer dann gespielt werden, wenn eh schon alles egal ist. Sie sind Rausschmeißer, hinausgejaulte Songs, die Dutzende von bierseligen Horden ins Nichts röhren. So wird eine der angeblich größten Rockbands aller Zeiten ganz leicht zu einer der nervigsten. Mamaaaaa!

Carolin Gasteiger

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