Senta Berger zum 75.:Sie hat ja gewusst, dass sie fliegen kann

Senta Berger ist zwar ein Geburtstagsmuffel, wir gratulieren trotzdem. Zum 75. Geburtstag der Grande Dame des deutschen Films.

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Eine ungewöhnliche Karriere: Senta Berger, das Mädchen aus der Wiener Vorstadt, am 13. Mai 1941 ebendort geboren, wurde erst zum Hollywood-Star und dann zur Grande Dame des deutschsprachigen Films. An diesem Freitag wird die Wahl-Münchnerin 75 Jahre alt. Text: Ruth Schneeberger

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Senta Berger sieht diesem Geburtstag gelassen entgegen. "Ich bin eigentlich ein Geburtstagsmuffel", sagte sie kürzlich in einem Interview. "Das mag auch etwas sehr Wienerisches sein. Ich kenne kaum Wiener, die ihren Geburtstag jubelnd feiern. Es ist immer unter dem Motto: Naja, ein Jahr weniger."

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Schon mit 16 Jahren wurde die Tochter eines Musikers und einer Putzfrau am renommierten Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen. Schnell feierte sie mit dem Image der "Sophia Loren vom Gemeindebau" Bühnen-Erfolge. Mit "Es muss nicht immer Kaviar sein" gelang ihr 1961 der filmische Durchbruch - und dann wurde Hollywood auf die schöne Österreicherin aufmerksam.

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Bis Ende der sechziger Jahre arbeitete Senta Berger vor allem in Los Angeles, wo sie mit Stars wie Kirk Douglas und John Wayne vor der Kamera stand. Das Geheimnis ihres Erfolgs, außer ihrer eleganten und stolzen Erscheinung? "Ich bin wie gemacht für meinen Beruf", sagte sie einst. "Natürlich missglückt immer noch genug. Aber ich kann mich darauf verlassen, dass ich ihn kann."

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Ihren Eltern hingegen gefiel ihre Tochter auf der Leinwand nicht sonderlich gut, wie Berger sich in ihrer Biographie "Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann", erinnert. "Na ja, so ist das beim Film. Verdienst gut, aber bist verkauft", sagte ihr Vater. "Auf der Bühne bist mir lieber", sagte ihre Mutter. "In diesen Schmonzetten, da kenn ich dich gar nicht." Ihren Abstecher in die USA beendete Berger Ende der sechziger Jahre, kehrte nach Europa zurück und war zunächst vor allem in italienischen Filmen zu sehen.

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Bis sie diesen Mann kennenlernte: Michael Verhoeven, damals Medizinstudent und Sohn des Schauspielers und Regisseurs Paul Verhoeven. 1965 gründeten sie zusammen die Produktionsfirma Sentana GmbH, 1966 wurde geheiratet. In den siebziger Jahren war sie unter seiner Regie als Charakterdarstellerin zu sehen.

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Im Laufe ihrer Karriere entwickelte sich Senta Berger vom sexy Fräuleinwunder zur geachteten, intelligenten und charmanten Charakterdarstellerin, die auch immer wieder für ihre Geschlechtsgenossinnen in die Bresche sprang. Sie wetterte gegen Eva Herman - die Kämpferin für die klassische Rollenverteilung. Sie beteiligte sich an der von Alice Schwarzer initiierten Medien-Aktion "Wir haben abgetrieben!". Sie war an der Seite von Günter Rohrbach die erste Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Manchen gilt Senta Bergers Leben als geglückter Gegenentwurf zum dramatischen Ende der einst ebenso strahlenden Romy Schneider.

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So intensiv Bergers Berufsleben, so beständig das Private: Obwohl ihr Hollywood-Stars wie O. W. Fischer und Charlton Heston zu Füßen lagen, sie mit Stars wie Frank Sinatra und Alain Delon drehte (im Bild mit Gérard Depardieu), und obwohl sie in Filmen genau die Stars küsste, ...

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... die ihre restlichen weiblichen Familienmitglieder zu dieser Zeit umschwärmten, und obwohl sie die längste Buhlschaft aller Zeiten war (im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen von 1974 bis 1982, im Bild mit Curd Jürgens), schlägt das Herz der Rothaarigen mit dem eindringlich klaren Blick seit Jahrzehnten nur für einen Mann - ihren eigenen.

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Perfekt machten das private Glück die Söhne Simon (im Bild), inzwischen selbst erfolgreicher Regisseur, ...

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... und Luca Verhoeven (ganz rechts, neben seiner Frau Steffi), auch im Filmgeschäft tätig. Bei ihr zu Hause spiele der Film eine wichtige Rolle, sagt Berger. "Wir entwickeln Ideen für Filmgeschichten, viele davon werden nicht realisiert. Aber es ist schön zu phantasieren, sich Geschichten auszudenken."

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So auch für ihr neues Projekt, "Willkommen bei den Hartmanns". Regie führt Sohn Simon Verhoeven, mit dabei ist auch Elyas M'Barek. Die Dreharbeiten haben gerade angefangen. "Es geht um eine wohlsituierte Familie. Die Mutter entschließt sich, tatkräftig etwas zu tun - sie nimmt einen Flüchtling auf", erzählt Berger.

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In Deutschland wird Senta Berger wohl immer als kesse Freundin des Klatsch-Kolumnisten Schimmerlos in Helmut Dietls 80er-Jahre-Kultserie "Kir Royal" (im Bild) in Erinnerung bleiben. Auch in der Serie "Die schnelle Gerdi" (1989-2004) spielte sie sich als gewitzte Taxifahrerin in die Herzen der TV-Zuschauer. Seitdem wird sie gerne für die Rolle der kompetenten, attraktiven und zupackenden Frau mit Lebenserfahrung besetzt. Den Adolf-Grimme-Preis erhielt sie für die Rolle einer aufmuckenden Sekretärin im TV-Wirtschaftskrimi "Frau Böhm sagt nein" (2009). Als kluge und empathische Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek ermittelt Senta Berger seit 2002 in der Serie "Unter Verdacht". In der aktuellen Folge, "Ein Richter", geht sie Fehlurteilen auf den Grund.

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