Semperoper kündigt Intendant vor Amtsantritt Das Theater von Dresden

Gerade noch als Heilsbringer gefeiert, nun als Beelzebub geschasst: Serge Dorny bei seiner Vorstellung in Dresden im Oktober 2013.

Kulturkampf an der Semperoper: Der designierte Intendant Serge Dorny muss gehen, bevor er sein Amt überhaupt angetreten hat. Offensichtlich verfolgte er nicht die gleichen Ziele wie Chefdirigent Christian Thielemann. Der ist als Alleinherrscher in Dresden unangreifbar.

Von Reinhard J. Brembeck

Es hätte ein Wunder geschehen sollen in Dresden. Vergangenen Sommer schien Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer der große Coup gelungen zu sein, als sie Serge Dorny als neuen Intendanten der Semperoper an die Seite von Dirigent Christian Thielemann verpflichtete.

Der konservative Gralshüter deutscher Romantik und der progressiv visionäre Vordenker, der Lyon zu einer der interessantesten Opernpilgerstätten gemacht hat - diese Kombination lag nicht nahe, versprach aber spannende Zeiten, die schon in diesem Sommer hätten beginnen sollen.

Daraus wird nun nichts. Dorny wurde jetzt vor Amtsantritt von derselben Ministerin als Beelzebub geschasst, die ihn gerade noch als Heilsbringer holte. Da hat sich wohl jeder in jedem getäuscht - oder täuschen wollen?

Die Vorwürfe gehen jetzt hin und her. Dorny habe, sagt das Ministerium, Entscheidungen nicht richtig vermittelt, die Verantwortlichen, gemeint ist wohl in erster Linie Thielemann, nicht eingebunden und so den Betriebsfrieden gestört.

Dorny dagegen sagt, dass er einen Vertrag mit Kompetenzen für alle Sparten (Oper, Ballett, Staatskapelle) erhalten habe, ihm nach und nach aber klar wurde, dass die Staatskapelle das alleinige Reich Thielemanns sei. All seine Vorschläge in diese Richtung seien ins Leere gelaufen. Als er um die Klärung seiner Kompetenzen nachsuchte, die er bis vergangenen Freitag erhalten wollte, kam die Kündigung, die Dorny aus den Medien erfuhr. So sehen heillos zerrüttete Verhältnisse aus.

Dirigent mit Unnahbarkeitsklauseln im Vertrag

Aber mussten nicht alle Beteiligten mit genau diesem Scheitern rechnen? Nicht nur, weil Dorny und Thielemann konzeptuell unterschiedlich ausgerichtet sind, sondern weil der Dirigent ein gebranntes Kind ist. Vor drei Jahren erlebte er das Zerwürfnis mit seinen Münchner Philharmonikern, die ihn zwar als Musikchef anhimmelten, ihm andrerseits alle Managementkompetenzen nehmen wollten. Das war eine herbe Demütigung, Thielemann wechselte nach Dresden, wo er sich wohl jene Unnahbarkeitsklauseln in den Vertrag schreiben ließ, über die Dorny jetzt gestürzt ist.