"Selma" über Martin Luther King im Kino Das FBI ist immer dabei

Oscar-Gewinner 2015

Geschmäht als "the most notorious liar in the country": Ava DuVernays Film "Selma" erzählt die Geschichte von Martin Luther King. Ein Heldenlied will der Film aber nicht sein.

Von Fritz Göttler

Keine Krawatte, belehrt die Frau ihren Mann - ein Ascot sei das, was sie ihm gerade behutsam um den Hals schlingt, ein edles Seidentuch, wie es angemessen ist für die große Feier. Der Mann, Dr. Martin Luther King, wird den Friedensnobelpreis entgegennehmen in einer feierlichen Zeremonie in Oslo, 1964. Eine Frage des Stils, nicht nur, was den Abend angeht.

Alltäglicher Rassismus, brutale Aktionen

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Danach, in einem harten Flashback, sieht man vier schwarze Mädchen fröhlich in einem Treppenhaus, eine Explosion - der Anschlag auf die Kirche von Birmingham, September 1963, dem die vier zum Opfer fallen.

Zwei markante Daten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die dann Anfang 1965 in eine entscheidende Phase tritt und versucht, die zugesicherte Beteiligung an den Wahlen, den Zugang zu den Wahlregistern für schwarze Amerikaner endlich durchzusetzen. Die bis dahin durch extrem hohe Gebühren und schikanöse bürokratische Prozeduren verhindert wurde.

Gospel zur Beruhigung

Die Stadt Selma in Alabama wird zum Ort der Gegenaktionen, hier wird ein Protestmarsch gestartet in die Hauptstadt des Staates, Montgomery, und im Zentrum der Aktionen stehen Dr. Martin Luther King und die Southern Christian Leadership Conference.

Auch Niederlagen sind taktisch wertvoll: David Oyelowo als Dr. Martin Luther King, hier gerade verhaftet.

(Foto: Studiocanal)

Das FBI ist immer dabei, gibt den unsichtbaren Dritten, Kings Heim und Büro sind komplett verwanzt. Der FBI-Boss J. Edgar Hoover hasst King, nennt ihn "the most notorious liar in the country", will ihn diskreditieren, diverse Liebesaffären aufdecken. King ist verunsichert, und manchmal sucht er tatsächlich nachts Mahalia Jackson heim, sie muss ihm am Telefon Gospel vorsingen, zur Beruhigung, und um den Spirit wiederzufinden.

Omnipräsente Bilder der Aggression

Ava DuVernay zeigt in ihrem Film "Selma" den alltäglichen Rassismus im Amerika der Sechziger, die brutalen Aktionen, mit denen radikale Weiße Schwarzen auflauern, sie zusammenprügeln, ermorden.

Der erste Marsch von Selma, am 7. März 1965, endet bereits an der Edmund Pettus Bridge vor der Stadt, ein "bloody sunday" - Polizeikräfte stürmen auf die Protestierenden ein, mit Tränengas und Peitschen, zu Pferde, knüppeln sie nieder und drängen sie zurück.

Die Bilder von dieser Aggression werden in ganz Amerika übertragen, weiße Sympathisanten, religiös motiviert zumal, kommen nach Selma und sind beim zweiten Versuch dabei, am 9. März, und auch King (David Oyelowo) ist diesmal da in der ersten Reihe.

Präsident Lyndon B. Johnson wird in "Selma" von Tom Wilkinson (rechts) mit viel Gespür für Akzente im Auftreten verkörpert.

(Foto: dpa)