Schwabinger Kunstfund Ein Bilderschatz schmilzt zusammen

Cornelius Gurlitts Namensschild an seinem Salzburger Haus. Der Kunstfund aus seiner Münchner Wohnung sorgt seit Wochen für Aufsehen.

Eine Milliarde sollte der Kunstschatz von Cornelius Gurlitt angeblich wert sein. Doch die Rechnung geht immer weniger auf. Nun heißt es gar, er habe womöglich einige der gefundenen Bilder selbst gemalt.

Von Catrin Lorch

Wer in den vergangenen Wochen mitgerechnet hat im Fall Gurlitt, der hat die eine Milliarde, die der Kunstschatz angeblich wert ist, sehr häufig dividieren müssen. Einfach um sich vorstellen zu können, was das wohl für Meisterwerke sein müssen, die da in einer Schwabinger Wohnung verwahrt wurden. Als anfangs noch von 1500 unbekannten Werken die Rede war, konnte man das leicht ausrechnen. Da hätte der Durchschnittswert pro Bild immerhin schon bei um die 660.000 Euro gelegen.

Das ist nicht wenig, doch vor allem die im Bilderschatz vermutete "Entartete Kunst" hat ja insofern ein sicheres Auge der Bilderstürmer bewiesen, als die einst verfemten Künstler heute zuverlässig hohe Preise erzielen. Und wo vielleicht kapitale Matisse-Damen auf ihre rechtmäßigen Besitzer warten, hätte die Rechnung - im Durchschnitt - aufgehen können.

Onkel Fritz und eine früh verstorbene Tante

Seither muss man immer häufiger subtrahieren, bevor es an den Durchschnittswert geht. Denn der Bilderschatz schmilzt zusammen. Nach jüngsten Zählungen sollen es nur noch etwa 1200 Werke sein. Und was man zu sehen bekommt, ist meist nicht Öl auf Leinwand, sondern Papier: Druckgrafik und Mappenwerke. Da kommt man mit dem Nachrechnen kaum noch hin.

Die letzte - unbestätigte - Nachricht, die aus dem Umfeld der Familie die Chronisten erreicht, fügt allen Gleichungen noch einige Unbekannte hinzu: Zwar mochte der Staatsanwalt, der die Bilder eingesammelt hat, auf Nachfrage nichts bestätigen - aber es sei, so heißt es, davon auszugehen, dass einige der Bilder von Gurlitt selbst gemalt wurden. Und auch eigenhändige Werke von Familienangehörigen, beispielsweise seinem Onkel Fritz und einer früh verstorbenen Tante, seien beim Abtransport im Zollager gelandet.

Von welchem Wert so eine Nachricht ist? Ohne die Ambitionen der kunstsinnigen Sippe beleidigen zu wollen, wird man die Rechnung neu aufmachen müssen. Und bilanzierend einiges abschreiben, vor allem die Schlusssumme. Die Zahl mit den neun Nullen, die Milliarde, kann dem Bilderschatz als Preisetikett wohl nicht mehr angeheftet werden, wenn die Bilder von Cornelius Gurlitt tatsächlich echte Gurlitts sind.