"Schutzengel" von Til Schweiger im Kino Bleigewichte aus Kitsch

Til Schweiger hat mit "Schutzengel" einen Actionfilm gedreht, in dem der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan eine wichtige Rolle spielt. Es wird professionell geballert, aber vor allem ist der Film ein Plädoyer für die Notwendigkeit des Krieges.

Von Philipp Stadelmaier

Til Schweiger ist wählerisch, wem er seine Filme vor dem Kinostart zeigt: niemals Kritikern, nur ausgesuchten "fairen Journalisten". Ein Spezialtrailer zu seinem neuen Film "Schutzengel" zeigt nun ausgerechnet, dass diesmal außerdem deutsche Soldaten in Afghanistan in den Genuss einer Vorabaufführung kamen. Die Truppe ist offenbar begeistert, berichtet von Gänsehaut pur und versichert, dass dieser Film endlich mal nicht den "Krieg" verschweigen würde, über den in der Heimat anscheinend niemand sprechen mag. Til Schweiger macht Werbung für die Bundeswehr, die wiederum macht Werbung für ihn. Guter Deal.

Der Film hat noch nichts von sich gezeigt und geifert dennoch von Beginn an nach unbedingtem Zuspruch, will zu allererst eine Publikumsreaktion zeigen, die alle Zweifel an ihm zerstreut: Präventivschutz für den "Schutzengel", und dann auch noch militärischer. Aber dies ist nicht nur ein etwas dümmlicher Appell an ein soldatisch-gehorsames, lieber etwas "unkritisches" Publikum. Abgesehen davon wird hier ein Film angekündigt, der ebenso ist wie sein Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller: ebenso hart wie verletzlich, ebenso rau wie sensibel. Jemand, der sein eigenes Ding macht und nicht so gut mit Kritik umgehen kann, der sich schon im Vorhinein beleidigt fühlt. Der immer eine leicht quengelnden Unterton in seiner markanten Stimme hat. Der sich nicht helfen kann, etwas Mitleid mit sich selbst zu haben. Aber der ein guter Mensch ist.

Die Stahlmantelgeschosse, die hier unentwegt durch die Gegend schießen, wenn der ehemalige KSK-Mann Max die fünfzehnjährige Nina (Schweigers Tochter Luna) vor den Killern eines schurkischen Waffenhändlers (Heiner Lauterbach) beschützen muss, haben also einen allzu weichen Kern. Sie ist Diabetikerin, Vollwaisin, Heimkind. Er ist nicht minder isoliert und traumatisiert durch den Krieg in Afghanistan: "zwei einsame Waisenkinder in der Nacht", sagt sie einmal. Zwei geschundene Seelen in versehrten Körpern, die einander Schutzengel werden in einer bösen Welt, solange es "da oben" keinen gibt, der den Job übernehmen kann. Die Vorstellung zu sterben besiegelt einen Pakt, der aus geteiltem Selbstmitleid besteht: "Ich werde an deinem Begräbnis weinen, wenn du an meinem weinst."

Diese Dialoge sind keine Gespräche, in denen sich etwas entwickelt. Es sind aneinandergereihte Bleigewichte aus Kitsch, die das Gefühl einer versteinerten Beziehung geben, so als hätten sich Max und Nina - wie Vater und Tochter Schweiger - schon bei ihrer ersten Bewegung ewig gekannt. Paralysierend wirkt auch die immer gleiche vermollte Ambient-Musik, die nie verstummt und gerade während den Schießereien jegliche Spannung und Energie nimmt. Es sind triste Momente: Die Schüsse verschwimmen im Hall und Ninas Schreien, die Bilder werden in inflationär verwendeten Zeitlupen zerdehnt, um so doch nur immer wieder die traumatischen Einprägungen der Gewalt in die Psyche eines Kindes zu denunzieren.

Und so bleiben diese Actionszenen ohne jeden Witz und wenig inspiriert. Man lacht selten. Schweiger kann hier sicher ein gewisses an amerikanischen Produktionen geschultes Know-how demonstrieren, was die Spezialeffekte und den Aufwand der Inszenierung betrifft - für eine deutsche Produktion sehr ungewöhnlich. Ansonsten bleiben die Anspielungen auf Amerika und sein Kino, wie Rambo-Vergleiche und nächtliche Besuche in (Berliner) Diner-Läden eher fade.