Schriftsteller Henning Mankell Zurück nach Südostafrika

Vom Krebs erholt: der schwedische Autor Henning Mankell.

(Foto: dpa)

Als bei Henning Mankell Lungenkrebs diagnostiziert wurde, musste er seine Wahlheimat verlassen: das Teatro Avenida in Mosambik. Nun geht es ihm besser - und das Ensemble hofft auf seine Rückkehr. Ein Ortsbesuch.

Von Ronen Steinke

Die gute Nachricht hat lange auf sich warten lassen. Man mag ihr jetzt auch noch nicht ganz trauen, die schockierenden Meldungen sind ja noch gar nicht so alt: Anfang des Jahres war bei Henning Mankell, dem schwedischen Schriftsteller, Lungenkrebs diagnostiziert worden. In seinem öffentlich geführten Krebstagebuch schrieb der 66-Jährige von einem "Absinken in die Hölle", er zog sich ganz zurück. Der Autor versank in dunklen Gedanken. Ähnlich dem Romanhelden, der ihn zu Weltruhm gebracht hatte, dem zuckerkranken Kommissar Wallander.

10 000 Kilometer südlich von Schweden, in der Hauptstadt Mosambiks, haben sie das sehr genau mitbekommen. Sie haben schließlich jede der vielen E-Mails beantwortet, die Mankell ihnen von seinem schwedischen Krankenbett aus schrieb. Er tat das selbst dann noch, als er sonst niemanden mehr sprechen wollte.

Immer wieder haben die Freunde in Mosambik ihm auch Fotos gemailt - vom Leben, von Geburtstagsfeiern. "Damit er sich weiter als ein Teil von uns fühlen kann", sagt dort Manuela Soeiro, eine sehr kleine Frau, etwa so alt wie Mankell und ganz in Künstlerschwarz gekleidet.

Henning Mankell an Krebs erkrankt

In einem Artikel für die schwedische Zeitung "Göteborgs Posten" hat Krimiautor Henning Mankell seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Der Schöpfer der Krimifigur Kurt Wallander will in einer Kolumne über seinen Kampf gegen die Krankheit berichten. mehr ...

Draußen vor der Tür rauschen rostige Kleinbusse über eine vierspurige Straße. Frauen verkaufen auf dem Boden Obst, der Duft von Curry und Rauch vermischt sich mit dem Wind vom Indischen Ozean. In den Pfützen schwimmt Müll. Drinnen lädt Manuela Soeiro auf bequeme rote Plüschsessel ein: Sie ist Theaterdirektorin in dieser ostafrikanischen Küstenmetropole. Das Teatro Avenida in Maputo: Es ist die zweite Heimat des Henning Mankell. Mindestens. Die meiste Zeit in den vergangenen 22 Jahren war es sogar seine erste.

Hier hat er den Großteil seiner Romane geschrieben. Immer vormittags, bevor die Theaterproben begannen, schickte er von seinem Schreibtisch aus den grüblerischen Ermittler Wallander durchs kalte Südschweden. Nachmittags und abends arbeitete er als künstlerischer Leiter des Theaters und übte mit dem jungen mosambikanischen Ensemble, auch dann noch, als er in Europa schon Millionenauflagen erreicht hatte. Seitdem Mankell an Krebs erkrankt ist und sich zur Chemotherapie nach Schweden zurückgezogen hat, telefoniert Manuela Soeiro jede Woche mit ihm.

Aber jetzt ist sie zurückgekehrt von einem zweiwöchigen Besuch. Und so hat sie sich von den guten Nachrichten auch persönlich überzeugen können.

Es soll ein Comeback geben

"Einige meiner Tumore scheinen ganz verschwunden zu sein", lautet der jüngste Eintrag in Mankells Krebstagebuch, abgedruckt in der schwedischen Zeitung Göteborgs-Posten. "Andere sind kleiner geworden, teils mehr, teils weniger, und es sieht so aus, als sei kein neuer hinzugekommen. Es gibt zwar bei Krebs keine Garantie, aber wo im Leben gibt es die?" Die Chemotherapie hat angeschlagen, der Schriftsteller schöpft Mut. "Ich bin ein Kind der Vierzigerjahre", hatte er zu Beginn seiner Krankheit noch düster notiert: "Ich glaube, dass jeder in meiner Generation Krebs automatisch mit Tod assoziiert." Inzwischen spricht er mit seinen Theaterfreunden in Maputo über das Weitermachen.

Es soll ein Comeback geben, im Teatro Avenida. Und wenn man sich auf dessen Plüschsesseln mit Manuela Soeiro unterhält, dann glaubt man zu erahnen, weshalb Mankell oft irritiert war über europäische Journalisten, die immer nur wissen wollten, was ihm abgehe, wenn er in Afrika sei. "Keiner fragt mich", so hat er da einmal erwidert, "was mir in Schweden abgeht."

2003 führte er in seiner ersten Theaterproduktion für den deutschsprachigen Raum Mitglieder des Teatro Avenida mit Schauspielern aus Graz zusammen.

(Foto: dpa)