Schauspieler Will Smith Sein Will geschehe

Vom Spaßrapper zum ernstzunehmenden Schauspieler mit Visionen. Will Smith ist Hollywoods Bestverdiener geworden und strebt ein Leben "im Dienste der Menschheit" an.

Von Tobias Kniebe

Wenn es um Selbstkontrolle und Imagepflege, um unermüdliche Arbeitsmoral und professionelle Konstanz geht, kann kaum ein Hollywoodstar noch mit Will Smith mithalten. Von bescheidenen Anfängen als Spaßrapper und familienfreundlicher Fernsehkasper "Fresh Prince" hat sich der 40-Jährige inzwischen an die Spitze der amerikanischen Filmindustrie vorgearbeitet, mit Action-Blockbustern wie "Men in Black" und "I Am Legend", mit ernstzunehmenden Charakterstudien wie "Ali", schließlich auch mit sentimentalen Erbauungsstücken wie "Das Streben nach Glück".

Von der Rollenwahl über die Produktion, die er oft selbst kontrolliert, bis zur Auswahl der Regisseure bestimmt er längst alles selbst, und meistens hat er den richtigen Instinkt für das Publikum: Mit acht Filmen in Folge knackte er die kritische Erfolgsmarke von 100 Millionen Dollar Kasseneinnahmen in den USA. Laut dem Magazin Forbes wurde Smith damit 2008 zum bestverdienenden Schauspieler Hollywoods, und nach einer aktuellen Umfrage unter Kinobesitzern ist er jeden Cent seiner Gage wert: Nach Sidney Poitier ist er erst der zweite Afroamerikaner, der zum "kassenträchtigsten Star des Jahres" gewählt wurde.

Dass sein aktueller Film "Sieben Leben" in den USA einen enttäuschenden Start erwischte, das schwächste Will-Smith-Eröffnungswochenende seit Jahren, steht dazu nur scheinbar im Widerspruch. Das Spektrum der eigenen Möglichkeiten zu erweitern, daran arbeitet Smith mit allürenfreier Konsequenz.

Schon seit Jahren wählt er Rollen, bei denen die Hautfarbe keine Rolle mehr spielt, wandelt sich mal zum romantischen Helden, dann wieder zum Sozialfall. Nun spielt er eine Art spirituellen Erkenntnissucher in einem Drama um Schuld und Vergebung, das sich einfachen Kategorisierungen entzieht. Was nur die praktische Umsetzung der alten Wahrheit ist, dass einer, der an der Spitze bleiben will, sein Publikum immer wieder überraschen und herausfordern muss - und da können nicht immer nur Superhits herauskommen.

Sinnsuche scheint auch sonst ein Thema für Smith zu sein, in Interviews spricht er derzeit gern davon, "ein Leben im Dienst der Menschheit" führen zu wollen. Eine enge Freundschaft mit Tom Cruise und eine Auflistung seiner Spenden führte bereits zu Spekulationen, er sei Mitglied von Scientology, was Smith aber dementiert. Tatsächlich unterstützt er mit seinem Geld genauso christliche Einrichtungen. Der Wahlsieg Barack Obamas scheint auch ein neues politisches Bewusstsein in Will Smith geweckt zu haben. So erzählt er, dass er am Wahlabend nüchtern blieb, "um alles zu sehen, zu spüren, zu erinnern". Er fühle sich dem neuen Präsidenten "spirituell verbunden". Auch zu Obamas Amtseinführungszeremonie hat er sich mit Familie bereits als Stargast angesagt.

Auf die naheliegende Frage, wann er den ersten schwarzen Präsidenten im Kino verkörpern werde, spricht Smith von einer Traumrolle "schon wegen der Ohren" - aber doch frühestens in acht Jahren. Grinsend fügt er hinzu: "Das Ende der Geschichte ist jedenfalls schon mal der Hammer."