Angst und Wahrheit: Sarrazin fürchtet die Verdummung der Deutschen. Aber tut er etwas dagegen, außer Zahlen zu fälschen?
Sarrazin hat den Finger auf viele Wunden des Integrationsprozesses gelegt. Dass er damit allerdings, wie er wähnt und viele mit ihm wähnen, Tabus bricht, ist wenig plausibel angesichts der seit Jahrzehnten stattfindenden heftigen öffentlichen Debatten über Kriminalitätsraten, Sprachprobleme und selbstgewählte Abschottung, über islamistische Gefahren genauso wie über importierte anatolische und arabische Patriarchatskulturen und nicht zuletzt über Bildungsdefizite der Immigranten.
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Beängstigend viele "Kopftuchmädchen"? Migrantinnen weisen nicht, wie oft angenommen, höhere Geburtenzahlen auf als deutsche Frauen. (© REUTERS)
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Der eingebildete Tabubruch prägt zwar dennoch das aktuelle Diskursklima, für die Wahrheitsfrage aber ist er unerheblich. Entscheidend ist Sarrazins Tenor.
Keiner bringt diesen Tenor lakonischer auf den Punkt als der britische Economist: "Im Kern lautet Sarrazins Argument, dass die richtige Sorte deutscher Frauen zu wenig Kinder bekommen und die falsche - Muslime und andere Mindergebildete - zu viele. Die Folge ist, dass Deutschlands Bevölkerung nicht nur schrumpft, sondern auch dümmer wird." Wird sie dümmer, fällt sie auch im wirtschaftlichen Wettbewerb zurück und wird immer ärmer. In weniger als hundert Jahren wird die heutige deutsche Mehrheit zu einer Minderheit im eigenen Land werden, einem dummen und armen Land ohne Freiheit und Gleichheit, einem islamischen Gottesstaat.
Die Prognose, bedrückend wie zumal ihr theokratischer Aspekt auch für liberale Geister ist, muss sich also, wenn sie denn Sarrazins Sorge ist, um so energischer der Wahrheitsfrage aussetzen. Kann (und will) die muslimische Minderheit das Land wirklich in seine Gewalt bringen? Nichts müsste Sarrazin und alle, die seine These teilen, glücklicher machen als deren Widerlegung.
Verdächtig darum ist, wieso er sich nicht selbst auf den Pfad der strengen Überprüfung und möglichen Widerlegung seiner Vermutung begibt. Welches denkbare Interesse kann er am Aufrechterhalten der These haben, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt? Dies bliebe eine rhetorische Fragen, drängten sich nicht massive empirische Einwände gegen den angeblichen demographischen Triumph der uns alle verdummenden und überrollenden Minderheit auf. Hier eine Auswahl:
Es geht los mit dem Zuwanderungsstrom aus der Türkei. Er hat inzwischen nicht nur abgenommen, sondern sogar die Richtung verkehrt. Ruprecht Polenz, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, nennt in seinem aktuellen Buch "Besser für beide. Die Türkei gehört in die EU" die jüngsten Zahlen. 2009 wanderten 30000 Türken hier ein, 40000 siedelten in die Türkei um. So verlockend ist das deutsche Hartz-IV-System, das Sarrazin als verhängnisvollen Magneten ausmacht, offenbar nicht.
Der jüngste Bericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge weist für die Migration von und nach Deutschland einen negativen Saldo aus, nicht nur für Türken. Man flieht das Land eher, als das man es aufsucht.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, was für ein Problem die Deutschen wirklich haben.
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traut sich eigentlich niemand, zwischen kriminellen und das Gemeinwohl schädigenden Migranten und dem "normalen" Zuwanderer zu unterscheiden und Konsequenzen daraus zu ziehen?
Ich finde Zuwanderung gut und richtig. Dennoch bin ich dafür, manch einen Menschen, der sich hierzulande aufhält und keinen deutschen Pass besitzt, in das Land seiner Staatsangehörigkeit zu schicken - und es nicht wahllos jedem zu erlauben, in diesem Land seinen Wohnsitz zu nehmen.
Ich wünsche mir in unserem Land Nachbarn jeder Haut-, Haar- und Augenfarbe. Menschen, deren Vorfahren aus alle Herren Länder kommen, Menschen, die selber die verschiedensten Winkel der Welt gesehen und dort auch gelebt haben.
Ich wünsche mir Nachbarn, die mit eigener legaler Arbeit sich und ihre Familie ernähren, die ihre Kinder in die Schule und den Sportverein schicken. Nachbarn, die Deutsch sprechen und gerne in dem Land zwischen Rhein und Oder, Nordsee und Alpen leben. Nachbarn, die meine Religion akzeptieren und ihre innerhalb des demokratischen Rahmens leben. Ich freue mich auf gemeinsame Schul- oder Kindergartenfeste, auf die andere Musik oder Esskultur, die unser Leben bereichert.
Was ich mir nicht wünsche sind Nachbarn, denen ich die Miete zahlen muss, weil sie nicht arbeiten wollen, deren Kinder die meinen zum Schuleschwänzen animieren oder sie als Christen und Deutsche verhöhnen und bedrohen. Ich mag auch keine Nachbarn, die von Straftaten leben oder mit ihren Kindern gemeinsam bettelnd in der Innenstadt hocken. Ich will nicht hören, dass mein Kind eine deutsche Schlampe ist. Und ich mag auch im Kindergarten nicht gesagt bekommen, dass man kein Schweinefleisch mehr anbieten kann - denn manche Kinder dürfen das ja nicht essen.
Und ich verstehe nicht, warum unsere Behörden nicht viel vehementer die jugendlichen Intensivtäter, die kriminellen Familienclans, die Sozialhilfebezieher und Integrationsfeindlichen Imane ohne deutschen Pass ausweisen. Gesetze dafür gibt es. Wendet sie doch bitte endlich an. Versteht mich nicht falsch - ich kann differenzieren zwischen Ausländer und Ausländer. Für mich sind nicht alle gleich!
attestiert eine negative Wanderungsbilanz: 40.000 Rückkehrer, denen "nur" 30.000 Zuzügler gegennüberstehen.
Der reine Quantitavismus dieser 'Zahlen verführt zu einem Halleluja auf dem verkehrten Fuß: Wer wegzieht, ist die Intelligenz (hochqualiffiziert durch das deutsche Bilkdungs- und Ausbildungssystem), wer kommt sind dieselben wie zuvor: die armen und beruflich nicht oder wenig--qualifizierten Verwandten der hier in Deutschland verbliebenen Minderqualifizierten.
M.a.W.: die Lage war noch nie so ernst und es wird täglich noch viel schlimmer als es Sarrazin dargestellt hat, denn dieser Aspekt (Repatriierung der Intelligenz und Surrogat durch Nicht-Intelligenz) wird in seinem Buch gar nicht erwähnt.
Überflüssig zu erwähnen, daß Herr Zielcke in seinem vorauseilendem Optimismus die selektive Wahrnehmungen der negativen Wanderungsbilanz für seine pc-Gutmenschentums-Migrations-Analyse verwendet und in seinem Sinne interpretiert. Und damit auf auf Sarrazin und seine Fans völlig unqualifiziert einschlägt.
"Dazu passt, wie der schon erwähnte Migrationsbericht bestätigt, dass der "Ausländeranteil" an den Geburten in Deutschland von 11,9 Prozent im Jahr 1990 auf 5,0 Prozent im Jahre 2008 zurückging."
Das ist nicht redlich! Durch das neue Staatsbürgerschaft gibt es immer weniger Ausländergeburten. Aber eben nur auf dem Papier. Der Migrantenanteil an den Neugeboren hat schon deutlich die 30% überstiegen!
Daher ist der folgende Schluss...
"Sarazzin könnte höchst erleichtert sein, nähme er diese Studien und Berichte wahr. Aber er macht das Gegenteil, er türkt Zahlen."
...reiner Zynismus.
Zielcke schreibt: "Bei der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aber scheinen die Immigranten, geht man nach vorliegenden Studien, ohnehin unterm Strich einen positiven Beitrag zu leisten." Es gibt hingegen keine Gesamtstudie, die die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Migration beziffert.
Die Generationenbilanz der "Stiftung Marktwirtschaft" unter Leitung von Prof. Raffelhüschen bezieht in die Staatsverschuldung auch die Ansprüche an die Sozialsysteme und die Pensionslasten mit ein und kommt so auf 4 Billionen Euro Staatsverschuldung.
Die WELT schrieb: "Wenn man in die Berechnungen die Auswirkung der Zuwanderung einbezieht, verdüstert sich das Bild noch weiter. Weil die Ausländer im Durchschnitt geringere Qualifikationen als die Deutschen haben, zahlen sie in ihrer aktiven Phase zwischen 20 und 60 Jahren deutlich weniger an Steuern und Abgaben. Dies führt dazu, dass über den gesamter Lebenszeitraum betrachtet, Ausländer weniger an den Staat zahlen, als sie an Leistungen erhalten. In jungen Jahren und im Alter bekommen Deutsche und Migranten nahezu die gleichen Leistungen vom Staat.
Unter dem Strich vergrößert die Zuwanderung so die Nachhaltigkeitslücke um rund eine Billion Euro auf 5,2 Billionen Euro oder 225 Prozent des BIP. Noch gravierender wird das Problem, wenn Zuwanderer auch in der zweiten Generation nicht das durchschnittliche Qualifikationsniveau der deutschen Bevölkerung erreichen." http://www.welt.de/welt_print/article2201517/Staat_muesste_vier_Billionen_Euro_fuer_die_Zukunft_zuruecklegen.html
Einen Hinweis auf die gegenwärtige Situation gibt auch Mitteilung des Presseamts der Bundesregierung zum Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9.2.2010:"Im Schnitt sind rund 40 Prozent der Hartz IV-Empfänger Migranten." http://www.bundesregierung.de/nn_56546/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2010/02/2010-02-09-ib-regelsatz-hartz-iv.html .
@Leo Naphta
Mit Fakten dringen Sie da nicht durch. Die mit Ideologie durchseuchte Wirklichkeitsresistenz schafft einen stärkeren Käfig als jedes Zoogehege. Die Wirklichkeit wird, wenn wie so oft nicht ideologiekonform, runterempört, relativiert und vernebelt bis zur Grasnabe.
Man hält dann im selben Atemzug Sarrazin Simplifizierung von Fakten vor und arbeitet selbst mit einem Stereotypen- und Reizorchester der billigsten Art. Die größte Sorge der Grünen wird wohl derzeit sein, wie man die Aufstellung von realitätsnahen Statistiken verhindert, die aber Migrationskritikern Munition liefern könnten. Alles mit einem IQ unter 85 zählt dort wohl ohnehin zum idealen Wählerpotential der Zukunft.
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