Nicolas Sarkozy legte den unterhaltsamsten und menschlichsten Auftritt des G-8-Gipfels hin. Doch jetzt darf er in Heiligendamm nicht betrunken gewesen sein. Mit Video.
Auftritt Journalist 1: Mennesehvaehrtn Dam'n'Herrn, 'stut unslei (stößt mild auf), schulligung, stutunsleid, dass wir erst heut auf dings, Sarkozy, in Heilen..., Heilendammen und Herren, (kichert), ohlala, der war gut, (singt) Heiligendamen und Herren... (wird von der Bühne gezerrt). Auftritt Journalist 2 (sich räuspernd): Sehr geehrte Damen und Herren, entschuldigen Sie die vorangehenden Zeilen, unser Kollege war unpässlich, wir möchten aber betonen, dass sein Ausfall (im Hintergrund heiteres Singen "Heiligendamen bekamen Namen - Heidewitzka, ist das gut!") in keinerlei Zusammenhang mit etwaigem Alkoholkonsum steht. Selbiges gilt übrigens für den französischen Staatspräsidenten, der in Heiligendamm nur Erbarmen hatte mit den ermatteten Journalisten aus aller Welt.
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Beste Laune: Nicolas Sarkozy am 12. Juni in Nizza. (© Foto: AFP)
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Der G-8-Gipfel schleppte sich dahin, ein Protokoll folgte dem anderen, eine Presseerklärung der nächsten, da legte Nicolas Sarkozy den unterhaltsamsten und menschlichsten Auftritt der Veranstaltung hin. Er hatte gerade ein herrliches Rencontre mit Wladimir Putin hinter sich, jetzt trat er zum ersten Mal vor die internationale Presse, linste in den hell ausgeleuchteten Saal wie durch schwere Bordüren, hielt sich am Pult fest, als wär's das Staatenlenker-Steuerrad, schwenkte den Kopf hin und her wie eine mächtige Eisenkugel und fragte schwer atmend: "Gibt es Fragen? eh ben..."
Der Rest war phonetische Ursuppe. Kein französischer Sender wagte es, den Auftritt zu zeigen, nur der belgische Journalist Eric Boever moderierte ihn im belgischen Fernsehen an mit den Worten, Sarkozy habe bei dem Treffen "wohl nicht nur Wasser getrunken."
Auf YouTube wurde daraus über Nacht Alko-Pop. Der 50-Sekunden-Schnipsel wurde unterlegt mit Bier-Songs, Easy-Rider-Zitaten, einem Coluche-Monolog, aber selten hatte das Reinheitsgebot solchen Sinn wie hier, Sarko pur perlt wie Schampus. Schauerlich nur, wie humorlos die Menschen werden, wenn es um Politiker geht. In den Kommentaren befehden die Franzosen einander, als ob immer noch Wahlkampf wäre. Die einen schimpfen, ihr Präsident habe Schande über Frankreich gebracht, die anderen wettern, er habe in drei Wochen mehr erreicht als Jospin in vier Jahren; wem was nicht passe, der solle auswandern.
Und der belgische Journalist hat sich mittlerweile beim französischen Staat, seinen Bürgern und beim Elysée entschuldigt; haltlos seien seine Behauptungen gewesen. Sarko aber ist in seinem eigenen Film, grinst und nuschelt: "Gibt es Fragen? Eh ben..."
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ v. 14.6.2007)
Der Kommentar im spanischen Fernsehen legt im Uebrigen nahe, was hier nirgends Erwaehnung findet. Dass naemlich Sarkozy, der ja bekanntermassen abstinent ist, sich in dieser Szene fuer das Zuspaetkommen entschuldigt: Er hatte sich vorher mit Putin getroffen und dass bei solchen Anlaessen der Russe grosszuegig Vodka ausschenkt, und Weichei ist, wer da nicht mittrinkt, ist sicher nicht nur Legende.
George W ist es halt nur gewohnt, sich einen Bourbon einzuschenken, der schäumt nicht.
Aber offenbar hat ihm das Bier geschmeckt, denn am nächsten Vormittag war er bekanntermassen "unpässlich".
Gut zu wissen, daß die Regierenden gelegentlich auch mal nen kleinen Drinck genehmigen. Daran könnte sich Angela auch ein Beispiel nehmen. Mit ein paar Promille im Blut wird man gleich entscheidungsfreudiger...
Sarko als ein Präsident mit kleinen Schwächen. Der Filmclip ist besser, als jede politische Rede.
Ein Bild und besonders laufende Bilder sagen mehr als tausend Worte und diesmal war es eine freundliche Aussage.
Bravo Sarko, die meiste Zeit wirst Du schon nüchtern sein. Doch zeig den Menschen mal zwischendurch, dass Du auch anders sein kannst
Mir ist es lieber, wenn ein Staatschef nüchtern ist. Nicht das aus Versehen der falsche Knopf gedrückt wird.
Dass GWB kein Bier einschenken kann ist umso erstaunlicher, schliesslich hat er als Ex-Alki doch jede Menge Erfahrung.
Ist natürlich Quatsch, Ami-Bier schäumt gar nicht...
Natürlich war Sarkozy "angeheitert", als er vor die Kamera trat. Gerade weil er bekanntlich ansonsten abstinent ist, braucht es dazu nicht viel, das weiss doch jeder.
Bislang war mir der Mann nicht sonderlich sympathisch, das hat sich jetzt geändert, Sarkozy hat *sehr menschlich* auf mich gewirkt.
Viel aufschlussreicher fand ich, dass George W. Bush nicht einmal ein Bier richtig einschenken kann: Er goss es in das am Tisch stehende Glas, so dass es aufschäumen und überlaufen musste. Eine peinliche Szene !
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