Von Christopher Keil

Saturday Night Fever: Bisher war Thomas Gottschalk der unangetastete König der Samstagabend-Unterhaltung. Doch nun geht Stefan Raab auf Konfrontationskurs.

Über das, was ein erfolgreicher Fernsehabend am Samstag sein soll, machen sich die Sendermanager unterschiedliche Gedanken. Private TV-Unternehmen gehen mit regelmäßig veränderten Produktlinien bei gleichem Zielgruppenanspruch (jung!) an die Programmierung und wechseln zwischen Blockbuster (Pro Sieben), Comedy&Komödie (Sat1) und Show (RTL).

stefan raab thomas gottschalk

(© Foto: ddp)

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Öffentlich-rechtliche Fachkräfte versuchen vor allem, das Bekannte zu bewahren (alt!). Nichts wird im deutschen Unterhaltungsfernsehen so sehr bewahrt wie die ZDF-Veranstaltung Wetten, dass...?

Am Wochenende tritt Thomas Gottschalk zur 168. Folge in Freiburg an. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es hinterher ein paar Einlassungen zum Couchgast John Travolta geben, weil der amerikanische Schauspieler Scientologe ist.

Im Ablaufplan steht auch eine musikalische Darbietung des ehemaligen Spice Girls Mel C, weshalb sie Gottschalk oder umgekehrt zur Verabschiedung küssen oder anderweitig berühren sollte, was dann wiederum der eine oder andere unsittlich finden kann, wie man zuletzt erfahren durfte. Am Ende wird Gottschalk wie immer mehr oder weniger 13 Millionen Menschen zusammenführen, ein paar Millionen davon in einem für die Konsumgüterindustrie begehrlichen Alter zwischen 14 und 49 Jahren.

Vielleicht werden es an diesem Samstag doch keine 13 Millionen. Erstmals setzt RTL inszenierte Event-Formate direkt gegen den ZDF-Oldie: zunächst von 20.15 Uhr an die Casting Show Deutschland sucht den Superstar (DSDS), anschließend den Boxkampf von Henry Maske gegen Virgil Hill.

Raab sucht die Konfrontation

Noch nie wurde die Live-Show Wetten, dass...? von anderen ernst zu nehmenden Live-Projekten angegriffen. DSDS hatte zuletzt immer mehr als sechs Millionen Zuschauer, durchschnittlich. Zwar plazierten die ARD-Lenker einst die Fernseh-Erstausstrahlung von Pretty Woman gegen Gottschalk sowie diverse Generationen James Bond.

Doch geblieben sind davon die Anekdoten des Siegers Gottschalk. Eine geht so. Als man ihm sagte, dass er gegen Pretty Woman kämpfe, rief Gottschalk den damaligen WDR-Intendanten Friedrich Nowottny an. Nowottny beruhigte den noch fast jugendlichen Entertainer: Machen Sie eine gute Sendung! "Wer gegen Richard Gere gewinnt", sagt Gottschalk, 56, "muss sich nicht fürchten".

Während RTL auf kurzem Dienstweg informierte - angeblich soll es ein Gespräch zwischen RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt und ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut gegeben haben -, dass die Kombination Maske und DSDS eher zufällig entstanden sei und keineswegs die generelle Absicht bestehe, Kampfprogrammierungen gegen Wetten, dass...? zu entwickeln, ist Stefan Raab im Saturday Night Fever.

Der Pro-Sieben-Mann fürs Grobe (TV Total) kündigte an, mit seiner Unterhaltungsplattform Schlag den Raab auf Konfrontation mit Gottschalk und Wetten, dass...? gehen zu wollen, denn es sei einfach an der Zeit. Am Freitag mutet sich Raab, der begabte Musikproduzent und Formaterfinder, zunächst die Konfrontation mit Box-Weltmeisterin Regina Halmich zu. "Als Platzhirsch", findet Gottschalk jetzt, "steht es mir nicht zu, auch noch Schonzeit zu beantragen. Das ist nichts, was ich jemals gefordert habe."

Aufbegehren ist gewissermaßen Raabs Alleinstellungsmerkmal, außerdem ist tatsächlich auffällig, wie wenig Konkurrenzdruck Wetten, dass...? in den zurückliegenden 25 Jahren auszuhalten hatte. Thomas Gottschalk ist möglicherweise deshalb gelassen, weil eine ARD/ZDF-interne Studie, die die Persönlichkeitswerte der herausragenden Sendermitarbeiter untersuchte, ihn als beliebt bei Jung und Alt mit Betonung auf Jung ausgewiesen haben soll. "Ich schaue mir ja an, was die anderen machen", sagt er, "als Moderator habe ich keine Angst und schlag' den Raab." Wenn daraus mal keine Sendung wird.

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(SZ vom 28.3.2007)