TV-Moderatorin Sabine Christiansen hat eine PR-Vereinbarung mit dem Autokonzern Daimler. Jetzt trifft sie der Vorwurf der Schleichwerbung. Der künftige ARD-Programmdirektor Volker Herres über den Fall Christiansen und strenge Regeln im Ersten.
Im November übernimmt Volker Herres, 50, die Nachfolge von Günter Struve als Programmdirektor der ARD. Noch aber ist er Programmdirektor des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und in diesen Tagen mit dem Fall Christiansen befasst. Bekannt wurde, dass die Moderatorin Sabine Christiansen eine PR-Vereinbarung mit dem Autokonzern Daimler hat.
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Der künftige ARD-Programmdirektor Volker Herres. (© Foto: dpa)
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Am 11. Januar präsentierte Christiansen im Ersten die NDR-Produktion "Mein 2008", darin traten der Daimler-Vorstand Dieter Zetsche auf und diverse Sportler, die für Daimler Termine wahrnehmen. Christiansen lässt über ihren Anwalt mitteilen, sie sei erst seit Ende Januar "Markenbotschafterin" von Daimler. Das ZDF kündigte Mitte Dezember 2007 die Zusammenarbeit mit der Fernsehgarten-Moderatorin Andrea Kiewel, weil diese eine PR-Vereinbarung hatte und in einer Kerner-Show gelogen hatte, als sie direkt auf eine vertragliche Bindung mit dem Unternehmen Weight Watchers angesprochen wurde.
SZ: Herr Herres, der NDR wollte prüfen, ob es in "Mein 2008" Schleichwerbung gab und Christiansen zu ihrem Vertrag mit Daimler befragen. Was sagt Sabine Christiansen?
Volker Herres: An der Gästeauswahl gab es journalistisch nichts zu kritisieren, außer, dass es mit insgesamt 46 vielleicht zu viele waren. Die so genannten Verbindungen zu Daimler sind teils auch arg konstruiert. Für jeden Gast gab es journalistische Gründe. Schleichwerbung hat es nicht gegeben. Sabine Christiansen hat uns versichert, dass sie erst nach der Produktion von "Mein 2008" für Daimler tätig geworden ist.
SZ: Auch "programmprägende freie Mitarbeiter" müssen der ARD private Werbetätigkeiten anzeigen. Selbst wenn die PR-Vereinbarung zwischen Christiansen und Daimler Ende Januar zum tragen kam, eingefädelt wurde der Deal doch vorher. Bis zum 29. Februar hatten weder ARD noch NDR eine Ahnung.
Herres: Wenn der Vertrag zwischen Sabine Christiansen und Daimler, wie zu hören ist, vor der Produktion von "Mein 2008" unterzeichnet wurde, dann hätten wir erwartet, dass sie es uns mitteilt.
SZ: Sie werden am 1. November Nachfolger von Günter Struve als ARD-Programmdirektor - was denken Sie über Fernsehmoderatoren und PR-Vereinbarungen?
Herres: Da muss man unterscheiden zwischen denen, die journalistisch für uns arbeiten und jenen, die als Entertainer bei uns auftreten. Journalisten sollten die Finger von Werbung und PR lassen. Wir müssen aber auch aufpassen, dass wir in der Unterhaltung nicht so rigide werden, dass Stars für unsere Programme nicht mehr zu bekommen oder zu halten sind. Wir bewegen uns im Wettbewerb und im Markt. Und ich möchte, dass wir da so vital wie möglich agieren.
SZ: Die Sendung Sabine Christiansen war ARD-intern eine Unterhaltungssendung, um sie dem Zugriff der ARD-Chefredakteure zu entziehen. Dürfen Unterhaltungsmoderatoren PR-Vereinbarungen haben?
Herres: Sabine Christiansens Wochensendung war zwar organisatorisch in der Unterhaltung angesiedelt, aber unbestritten ein journalistisches Format. Insofern galten die Maßstäbe, die wir bei journalistischen Protagonisten anlegen. Da ist jegliche Interessenkollision zu vermeiden. Das hat übrigens Sabine Christiansen auch immer so gesehen.
SZ: Der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagt: Journalisten werben grundsätzlich nicht. Sind ARD-Moderatoren nicht grundsätzlich Journalisten?
Herres: Recht hat er, und ich hoffe, er setzt sich damit im ZDF immer durch. Wer für die ARD journalistisch arbeitet, für den gelten strenge Regeln, auch in Talkformaten.
SZ: Im Juni 2007 lief letztmals Christiansens Polittalk. Sie soll für Sonderprojekte allerdings weiter in der ARD eingesetzt werden. Hat der Fall Daimler für sie Konsequenzen?
Herres: Wir haben die Angelegenheit mit Sabine Christiansen noch nicht abschließend aufgeklärt. Zeitdruck gibt's nicht, denn derzeit haben und planen wir keine Projekte mit ihr als Moderatorin.
(SZ vom 11.03.2008/ehr)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Aalglatte Behauptungen werden Volker Herres kaum weiter helfen. Ist man seiner Sache nicht ganz sicher etikettiert man eine journalistische Sendung einfach zu einer Unterhaltungssendung um. Wenn man Christiansens Sendungen der Vergangenheit Revue passieren lässt, muss man doch zu dem Schluss kommen, dass es sich um Klientel - Sendungen handelte. Auch wie im Interview richtig bemerkt, wurden die Vertragsverhandlungen ja schließlich vor der Sendung " Mein 2008" geführt. Die reihenweisen Auffälligkeiten, sowie das miserable Niveau der Sendung machen schon sehr nachdenklich.
Ist das nicht der Herres der die Eva Herman rausgemobt hat?
o.t.