Putin hat sie in Auftrag gegeben, jetzt ist die schwarze Liste da. Ihr Inhalt: Geächtete Bücher und Artikel, die "ethnischen, religiösen oder politischen Hass schüren".
Der Kampf gegen Extremisten, die Russland destabilisieren wollen, ist derzeit ein wichtiges Motiv in der russischen Politik. Je größer die Angst vor dem Chaos, so das Kalkül, desto weniger Widerstand regt sich womöglich selbst bei unschönen Maßnahmen, desto dankbarer sind die Russen ihrem Präsidenten und ihrer Regierung, die Russland vor dem Zerfall bewahrt.
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Insofern ist es vielleicht kein Zufall, dass das Bundesregistrierungsamt ausgerechnet jetzt in der Regierungszeitung Rossiskaja Gaseta die erste offizielle "Schwarze Liste" veröffentlicht hat. Sie enthält Werke, deren Verbreitung von 2004 bis 2006 von Gerichten verboten worden war, weil sie "ethnischen, religiösen oder politischen Hass" schüren. Vor gut einem Jahr hatte Putin die Behörde beauftragt, eine solche Liste zu erstellen. Künftig soll sie zweimal im Jahr, im Juli und im Januar, veröffentlicht werden. Wer die verbotenen Werke verbreitet, kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.
Nazis und Wahhabiten
Vierzehn Werke sind geächtet, darunter Bücher, Artikel, ein Film und eine Platte: "Musik für Weiße" der Gruppe Order. Das "Buch des Monotheismus" von Muhammad Ibn Suleiman Al-Tamimi gehört dazu, das als wahhabitische Inspiration für tschetschenische Gotteskrieger gilt, aber auch der Nazi-Film "Der ewige Jude" sowie Texte des verurteilten Nazis Alexej Dobrowolski.
"Die Bürger Russlands sollen wissen, aus welcher Quelle der Extremismus kommt, dieser gefährliche Feind für die Stabilität und den Wohlstand unserer Gesellschaft", sagte der Chef der Behörde, Sergej Wassilijew, der Rossiskaja Gaseta. Die Bürger Russlands reagierten unterschiedlich. Zwar zitiert die Zeitung pflichtgemäß den Historiker Anatolij Utkin, der vor "Sodom und Gomorrah in unserem Haus" warnt.
Der Schriftsteller Dmitrij Bykow hingegen fühlt sich nicht sehr bedroht: Selbst für Worte, die zur Vernichtung aufriefen, gebe es nur eine Strafe - "ein anderes Wort". Und auf der Internetseite der Zeitung Moskowskij Komsomolez zitierte ein Leser den lakonischen Satz des Sängers Wladimir Wyssotzky: "Gestern wurde im Namen des Volkes wieder der Preis für Wurst erhöht." Wurst lässt sich allerdings im Gegensatz zu Nazi-Musik nicht aus dem Internet herunterladen.
Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
(SZ vom 18.7.2007)
Er hat lediglich eine Liste der richterlichen Verbote verannlasst,
eher eine demokratische Maßnahme, die eine öffentliche Diskussion ermöglicht.
Wer russisches Fernsehen sieht, würde sich oft erstaunt die Augen reiben, wie tabulos dort ernste gesellschaftliche Probleme diskutiert weden, im Gegensatz zu uns hier, den Weltmeistern in Verdrängung.
Zum Beispiel Familienpolitik und moderne Gesellschaft, Kinder kriegen, Abtreibung.
Einfach Grundfragen gesellschaftlichen Konsenses.
Rußland hat mit Stalin ein noch schwereres Erbe zu bewältigen als wir mit Hitler.
Und ihr erkennbarer Vorteil, wer einmal Russland besucht, wird es erfahren, ist der stärkere nationale Zusammenhalt. Es ist nicht Putin als Person, sondern die von der Mehrheit getragene Einsicht dass das (westliche) "jeder gegen jeden" die ideale gesellschaftliche Lösung nicht sein kann und darauf beruht seine Popularität.
Sommerloch und kein Ende....haben wir nicht genug vor der eigenen Tür zu kehren?
Und wieder etwas gelernt, Danke.
"Mein Kampf" ist entgegen landläufiger Meinung in Deutschland nicht verboten. Die Rechte am Buch hat das bayerische Finanzministerium usurpiert. Ganz interessant, wie alles seine Ordnung hat - oder auch nicht.
de.wikipedia.org/wiki/Mein_Kampf#Rechtslage_heute
"Mein Kampf" gibt es zwar nicht zu kaufen, verboten ist es deswegen aber nicht. Dafür sind andere zeitgeschichtliche Werke in Deutschland in der Tat verboten. Da gibt es wohl einiges zu verstecken.
www.nordbruch.org/fremdefeder/aCensorship.html
Putin in Russland große Erfolge vorzuweisen. Es geht steil aufwärts und der Rubel rollt.
Der Westen würde das Land lieber in drei Stücke teilen. Und einen Selbstbedienungsladen mit Vorzugspreisen für den Eigenbedarf eröffnen. So wie es in der Ära Jelzin war. Was zu Armut, Hunger und Elend in Russland geführt hat. Wo waren damals die Skrupel der Demokraten?
Nach dem Index librorum prohibitorum der katholischen Kirche und Hitlers Bücherverbrennungen musste das ja kommen. Die historische Entwicklung in Russland vollzieht sich irgendwie logisch. Ein russischer Bekannter sagte schon damals, als Putin gewählt wurde: "Das ist ja, wie wenn die Deutschen den Stasichef wählten!"
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