Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen wie eine Uhr. Griechenland fordert von London die Rückgabe von Parthenon-Skulpturen, doch nationalistischem Herkunftsdenken sollte nicht nachgegeben werden.
Auf den Plätzen der ewigen Stadt Rom ragen Obeliske in den Himmel. Diese heiligen spitzen Pfeiler voller Hieroglyphen haben die Römer vor 2000 Jahren als Besatzer aus Ägypten weggeschafft. Seitdem stehen sie, einst Symbole der Weltherrschaft, in Rom. Sollte man dieses Raubgut nicht an Ägypten zurückgeben?
Der Parthenon-Tempel auf der Akropolis. (© Foto: afp)
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Natürlich nicht. Die Folge wäre eine groteske Aufrechnerei und Herumschieberei der Kunstschätze auf der ganzen Welt. Die Monumente des Altertums, die früher von Land zu Land gingen, sind am neuen Ort selbst Teil der Geschichte geworden. Dasselbe gilt auch für die berühmten Skulpturen vom Parthenon-Tempel der Akropolis in Athen, die seit 1816 im British Museum in London zu sehen sind.
Griechenland fordert sie immer wieder von den Briten zurück - in dem neu errichteten Museum am Fuße der Akropolis wurde nun sogar ein großer Raum mit Leerstellen gebaut: als Mahnmal, als gedachtes Zuhause für die klassischen Werke aus der Zeit des Perikles, heute in Londoner Besitz. Das Land, das sich als Nachfolger des antiken Griechenlands konstruiert, macht damit einen Museumsneubau zum außenpolitischen Akt.
Diesem nationalistischen Herkunftsdenken sollte jedoch nicht nachgegeben werden. Gewiss: Dass ein englischer Lord einen Großteil der Parthenon-Kunstwerke aus Athen mitnahm, war damals unter osmanischer Herrschaft wohl formal rechtmäßig, aber dennoch eine Barbarei. Eine Barbarei, die heute illegal wäre, denn jedes Land hütet mit Recht seine archäologischen Schätze. Die Geschichte jedoch lässt sich deswegen nicht zurückdrehen wie eine Uhr: Dann müssten auch alle anderen Museen leergeräumt werden, in denen die Kunst der Menschheit verteilt ist.
(SZ vom 15.10.2007)
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Schloemann unterstellt der griechischen Seite nationalistische Beweggründe.
Dies ist natürlich eine sehr ungerechte und polemische Argumentation. Der Parthenon-Fries ist Teil des Gesamtkunstwerkes Akropolis. Elgin`s Raub hat ein Kunstwerk zerstört. London sollte schon aus moralischen Gründen diese Kulturwerke den Griechen wieder zurückgeben. Griechenland wartet schon 200 Jahre darauf!!
Sind die Deutschen etwa auch nationalistisch wenn Sie die sogenannte Beutekunst zurückfordern?
Da wir gerade beim Zurückgeben sind, fände ich es eigentlich ganz nett, wenn uns die Polen die Berliner Staatsbibliothek mit den Manuskripten der großen deutschen Dichter und Komponisten zurückgeben würden. Noch besser wäre es aber, wenn der Vatikan uns die geraubte Heidelberger Universitätsbibliothek Palatina wiedergeben könnte. Das wäre doch eine wahrhaft christliche Geste.
Der Versuch, die Römischen Raubzüge von vor 2000 Jahren mit dem Raub von Kulturgut aus Griechenland vor etwa 200 Jahren gleichsetzen zu wollen, ist derart grotesk und lächerlich, dass es sich hierbei wohl nur um einen verfrühten Aprilscherz seitens des Autors handeln kann.
Es wäre längst überfällig einen entsprechenden Austausch von (um es freundlich zu formulieren) "entwendeten" Kulturgütern vorzunehmen; nicht nur nach Griechenland.
"Diesem nationalistischen Herkunftsdenken sollte jedoch nicht nachgegeben"
"Das Land, das sich als Nachfolger des antiken Griechenlands konstruiert"
Dieser Kommentar des Sz-Journalisten sänkt das Ansehen dieser Zeitung sehr in meinen Augen. Er trotzt vor Naivität, Inkompetenz und fehlendem Wissen über das Thema, das der Atikel zu behandeln versucht.
Wie dem Author wohl bekannt, aber nicht bewußt, sein wird, befinden sich noch zahlreiche andere antike Kunstwerke, griechischer Herkunft, in verschiedenen anderen nordeuropäischen Museen (hierzulande das Mausuleum von Alikarnasos, in Berlin, die Aphrodite von Milos und die Nike von Samothrake in Paris, etc.). Kein anderes Kunstwerk wird, wenn überhaupt, so vehement von der griechischen Regierung zurückgefordert. Das hat ein ganz simplen Grund, die Gegenstände die sich im British Museum in London befinden sind ein Teil eines Ganzen, der Akropolis, die an ihrem ursprünglichen Ort zu besichtigen sein sollten. Zusätzlich wurden diese dem griechischem Volk zur Zeit einer barbarischen Besetzung enteignet.
Dass klassische und hellenistische Kunstwerke natürlich viel mehr Besucher, und Geld in die Kassen, einbringen, als steife Skulpturen aus der NS-Zeit, ist mir als Deutscher auch bewußt.
Im Endeffekt erweist sich der Autor mindestens als grob in dem er sich in einem cynisch-herabwürdigendem Ton über die Griechen und Griechenland äußert.
Ich kann mich nur dista anschließen, und würde dem Autor (seines Ansehens halber) raten sich über seinen Artikel erneut zu äußern.
Hans-Jürgen-Olaf
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