"Rubbeldiekatz" im Kino Parcours der Peinlichkeiten

Skurril, trocken, trotzköpfig: So sieht eine Kömodie aus, wenn Detlev Buck sie dreht - bisher zumindest. Seine neue Kömodie "Rubbeldiekatz" will mehr sein: Travestie, Nazifilm-Parodie, amerikanisierende Romantic Comedy. Heraus kommt aber kein Buck, sondern ein Film mit Gags auf deutschem Dümpelniveau.

Von Rainer Gansera

Die Katze ist gut. Sie treibt sich in der Wohngemeinschaft herum, heißt Rubbel, weil sie sich ab und zu rubbeln lässt, und ansonsten macht sie, wie das Katzen so an sich haben, was sie will. Die WG ist auch gut. Man nuckelt an Bierflaschen, kippt Schnäpse, grillt Bratwürste und klopft Sprüche. "Wusstet ihr schon, dass der Orgasmus denselben Spannungsverlauf hat wie das Niesen?" So könnten sie sich das Leben gefallen lassen - die drei Honk-Brüder (Matthias Schweighöfer, Detlev Buck, Maximilian Brückner) und ihr Kumpel Jan (Denis Moschitto).

Aber "Rubbeldiekatz", Detlev Bucks neue Komödie, will mehr sein - Travestie, Nazifilm-Parodie, amerikanisierende Romantic Comedy. Nur leider eben kein Buck-Film. In seinen Frühwerken wie "Wir können auch anders" oder "Karniggels" konnte Buck einen ganz besonderen Komödienton herbeizaubern: skurril, trocken, trotzköpfig.

Später zeigte er, dass er auch andere Genres beherrscht, drehte das packende Sozialdrama "Knallhart", dem die gebührende Wertschätzung eher versagt blieb, und das herrliche Kinderabenteuer "Hände weg von Mississippi". Mit "Rubbeldiekatz" kehrt er auf Komödienterrain zurück, verliert sich aber in einem Gewirr aus Parodie und Zitat.

Der Anfang sieht nach Beziehungskistenkrise à la Hollywood aus - oder wie eine Parodie darauf. Man weiß es nicht so genau. In einem auf Hochglanz polierten Ambiente erscheint Filmstar Sarah Voss (Alexandra Maria Lara), um ihren Lover bei Sexspielchen im Luxusehebett zu überraschen. Der Ertappte stottert das in solchen Situationen fällige: "Es ist nicht das, wonach es aussieht!" Sarah aber ertränkt ihren Kummer mit Champagner, der im Privatjet gereicht wird, und rächt sich gleich nach ihrer Ankunft in Berlin mit einem One-Night-Stand.

Schon gibt es den Slapstick-Ausrutscher auf dem benutzten Kondom, schon rutschen auch die Gags auf das übliche deutsche Dümpelniveau. Dann die zentrale Story-Idee: Alex Honk, ein mäßig erfolgreicher Boulevardmime, schlüpft in Frauenkleider und ergattert beim Casting zu einer Hollywood-Produktion, die in den Babelsberg-Studios gedreht wird, die heiß begehrte Frauenrolle neben Sarah. Sydney Pollacks Travestie-Hit "Tootsie" lässt grüßen. In "Tootsie" verwandelte sich der brillante Dustin Hoffman als arbeitsloser Schauspieler in eine Lady, um am Set einer TV-Soap allen die Köpfe zu verdrehen, Männern wie Frauen.

Irgendwann wirkt es nur noch forciert-verzweifelt

Erstaunlich, dass Buck diesem an Situationskomik überreichen Stoff keinerlei originelle Wendungen geben kann. Lieblos hakt er die Standards ab, und Schweighöfer überzeugt als aufgebrezelte Blondine nur optisch - schauspielerisch springt kein Funke über. Travestie ohne Phantasie. Vielleicht hat sich Schweighöfer in seiner zynischen Macho-Komödie "What a Man" zu sehr verausgabt, um nun eine treffliche "What a Woman"-Figur abgeben zu können?

Der Hollywoodfilm, der in Potsdam unter der Regie eines total verzickten US-Filmemachers (Joachim Meyerhoff) entsteht, erweist sich als dümmlicher Vergangenheitsbewältigungs-Trash. Für Buck die Gelegenheit, ein groteskes Panorama von Reminiszenzen ins Spiel zu bringen. Anspielungen auf Quentin Tarantinos Dreh von "Inglourious Basterds", auf die "Aimée und Jaguar"-Lovestory, also den lesbischen Kick zur Nazizeit, auf Riefenstahl-Massenszenen im Olympiastadion kombiniert mit "Charley's Tante"-Klamotte. Alles in der Art von TV-Comedy-Klamauk verhackstückt.

Im letzten Drittel will "Rubbeldiekatz" dann eine Romantische Komödie sein - und gerät vollends zum Parcours der Peinlichkeiten. Wäre Buck doch nur in seiner Honk-WG geblieben, im geschützten Raum seiner Jungs-Komik! Stattdessen verzappelt er sich. Seine Versuche, witzig zu sein, nehmen so forciert-verzweifelte Gestalt an, dass am Ende nur ein Gefühl zurückbleibt: Diese Katze hätte er mal besser im Sack gelassen.

RUBBELDIEKATZ, Deutschland 2011 - Regie: Detlev Buck. Buch: Anika Decker, Detlev Buck. Kamera: Marc Achenbach. Musik: Enis Rotthoff. Mit: Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara, Detlev Buck, Maximilian Brückner, Denis Moschitto, Max von Thun, Max Giermann. Universal, 113 Minuten.

Rehauge, sei wachsam

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