Von Alexander Gorkow

Eine Suite im Berliner Four Seasons. Vor einem Mineralwasser sitzt ein Mann mit den großen Augen des Talking Head David Byrne. Roland Emmerich ist freundlicher Psycho wie aufgeweckter Spielkamerad. So wie er, so schaut zum Beispiel ein schlaues Kind, das sich gerade am Computer in den Zentralrechner des Pentagon reingehackt hat.

(© Foto: oh)

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Er spricht jene Form von Schwäbisch Light, die sehr nett neunmalklug klingt. Wenn er lacht, schmeißt er sich seitlich aufs Sofa. Und wenn er - nach 14 Jahren in den USA - mal wieder ein deutsches Wort nicht findet, wird er sogar rot!

SZ: Herr Emmerich, haben Sie schon mit amerikanischen Journalisten über Ihren Film gesprochen?

Roland Emmerich: Ja. Warum?

SZ: Wie waren die Reaktionen?

Emmerich: Sehr politisch. Normalerweise mache ich drüben die Erfahrung, dass die Medien zwischen dem Film und der Politik, die ein Film transportieren mag, klar unterscheiden. Das ist mit diesem Film offenbar anders. Die Reaktion in den USA ist jetzt schon, nun ja, wirklich gewaltig.

SZ: Sie haben einen Film für 125 Millionen Dollar gedreht, der vor allem in den USA sein Geld wieder einspielen muss. In diesem Film aber ist der US-Vize-Präsident ein Ignorant, der US-Präsident erfriert, und die letzten Amerikaner fliehen am Ende ausgerechnet nach Mexiko.

Emmerich: Ja.

SZ: Sind Sie wahnsinnig?

Emmerich: Die Frage habe ich mir — ganz ehrlich — immer wieder gestellt. Ich habe sie mir konkret vor drei Tagen gestellt. Als ich erstmals den fertigen Film sah.

SZ: Hat er Ihnen gefallen?

Emmerich: Hat er Ihnen gefallen?

SZ: Oh, er hat mir gefallen. Er hält in diesem ruhigen Rhythmus wirklich hinreißende Bilder bereit. Aber ich bin kein Filmkritiker, wie hat er denn nun Ihnen gefallen?

Emmerich: Gar nicht. Was nicht heißt, dass er schlecht ist.

SZ: Es gibt jetzt schon viele Menschen, die sagen, es sei Ihr intimster und am besten erzählter Film — also mal abseits der großflächigen Kinomalerei.

Emmerich: Ich weiß. Und es freut mich. Aber mir gefallen meine eigenen Filme bei der Abnahme nie. Ich bin dann immer deprimiert. Ich sehe da laufend Sachen, die ich gerne schnell noch ändern würde.

SZ: Man könnte sagen, dass Sie mit diesem Film gegen den Weltuntergang anarbeiten — und aber durchaus mit dem Selbstuntergang spekulieren, oder?

Emmerich: Vielleicht. Ja.

SZ: Es scheint Sie aber nicht weiter zu beunruhigen. Sie haben so gute Laune.

Emmerich: Nöö, beunruhigt mich nicht. Womöglich unterschätzen Sie auch die Amerikaner. Es geht ein Riss durch das Land. Ich glaube, dass viele es inzwischen so sehen wie ich: Noch eine Legislaturperiode von Bush wird die Welt nicht tragen können. Diese Regierung hat Al Gore um die Wahl betrogen. Seitdem ist sie in sämtlichen Angelegenheiten entweder total verlogen — oder total ignorant.

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