Rock-Legende Will Carruthers Mit drei linken Händen

Will Carruthers hat bei „Spacemen 3“, „Spiritualized“ und „The Brian Jonestown Massacre“ gespielt. Die kamen ganz nah dran an den Zustand der Transzendenz.

(Foto: Francesca Sara Cauli)

Achtzehn Jahre lang hat Will Carruthers sein Geld in einer Socke getragen, ein Konto hatte er nicht. Er schuftete auf dem Bau, in Schlachtereien - und spielte in legendären Bands.

Von Juliane Liebert

Will Carruthers hat Probleme mit seinem Computer. Er sagt, der explodiere immer, sobald er ein Buch zu Ende geschrieben hat. Will Carruthers hat drei Bücher geschrieben und in ein paar der einflussreichsten Alternative-Rockbands gespielt: Spacemen 3, Spiritualized, Spectrum, The Brian Jonestown Massacre. Insgesamt hat er in 33 Bands gespielt und mehr als 20 Alben aufgenommen. Man kann nur beten, dass ihm nicht nach jedem vollendeten Album der Bass unter den Fingern explodiert ist. Inzwischen ist er fast taub.

Gleich nach seiner Zeit bei "Spiritualized" arbeitete er im Schlachthaus. Als Vegetarier

Er hat mit einer Menge schwieriger Persönlichkeiten zusammengearbeitet, sagt er, doch die schwierigste Person, mit der er je gearbeitet hat, ist er selbst. "Alle Probleme, die ich hatte, haben immer mit mir zu tun. Sogar die, von denen ich annahm, ich hätte sie mit anderen. Waren immer meine." sagt er. Vor einigen Wochen startete er eine Spendenaktion - für Medikamente, die ihn am Leben halten sollten.

Alan Moore hat Carruthers' letztes Buch als "chronicle of hepatitis and heroism" beschrieben; Will Carruthers schrieb in seinem Spendenaufruf, mit dem Heldentum sei er nicht sicher, wohl aber was Hepatitis C betrifft. Die habe er auf jeden Fall. Sie begleitet ihn seit 30 Jahren, seit er in seiner Jugend Spritzen mit anderen teilte. Am Ende waren die schmutzigen Nadeln gefährlicher für ihn als die Droge.

Vor eineinhalb Jahren erfuhr er, dass die Krankheit inzwischen heilbar ist. Allerdings kostet jede der 90 Pillen, die er braucht, 1000 Dollar. "Wenn die Heilung 90 000 Dollar kostet, wer kann es sich leisten, nicht zu sterben? Es war seltsam zu wissen, dass es eine fast sichere Heilung gibt, die für mich unerschwinglich ist." In seinem 2016 erschienenen Buch, "Playing the Bass with Three Left Hands", schreibt er über diese Zeit: "Wir waren Nihilisten. Wir trafen nicht die allerschlausten Entscheidungen. Es gibt nichts Dämlicheres, als Memoiren zu schreiben. Mein Gesicht war nicht auf dem Cover. Mein Gesicht hätte kein einziges Buch verkauft. Wen interessiert der verdammte Bassist?"

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Ein anderes seiner Bücher heißt "Book of Jobs", denn Carruthers hat neben seiner Musikerkarriere sein Leben lang in Knochenjobs gearbeitet. Es ist ein merkwürdiges Buch, nicht sehr glamourös. Es erzählt nicht von Swimmingpools in Los Angeles, sondern von Jobs in Schlachthäusern.

In einem Kapitel von "Playing the Bass" geht es um die Aufnahme von Spacemen 3's "Dream Weapon", bis heute eines der interessantesten Alben des Psychedelic Rock. "Ich liebe die Geschichte, weil sie so unglaublich dumm ist. Es gab einen großen Unterschied zwischen der transzendenten Natur der Musik, die wir machten, und der Absurdität der Situationen, in die wir gerieten, weil wir sie machten."

Carruthers' Job war es, einen Ton zu spielen, nur einen einzigen

In dem Fall spielten sie in einem Kunstzentrum. Es war ein Abend für gegenwärtige Sitarmusik. Spacemen 3 hatten keine Sitars. Ihre Musik hatte nicht einmal ansatzweise irgendetwas Indisches an sich. Das Kunstzentrum war sehr schön, große Fenster. Es roch gut, nicht nach Bier und Pisse wie die Orte, an denen Spacemen 3 normalerweise spielten.

Carruthers' Job war es, einen Ton zu spielen. Nicht zwei. Nur einen einzigen. Er sagte sich, na ja, er würde bezahlt werden, also würde er eben seinen einen Ton spielen. Da im selben Gebäude ein Kino war, durchbrachen ab und an Durchsagen die Musik. Sie begannen, 40 Minuten lang ihren einen Ton zu spielen. Carruthers kämpfte mit sich. Seine Gedanken schweiften ab, er dachte an die Natur der Einheit, imaginäre Kreaturen, die Manifestation von Obertönen waren. Am Ende des Sets wollte er seinen Verstärker ausstellen. Und realisierte, dass er ihn nie angehabt hatte. Er hatte es nur nicht bemerkt.