Wenn zwei der schwierigsten Rockstars aufeinander treffen: Warum die Auftritte von Pete Doherty und Axl Rose am Nürburgring zur Zitterpartie gerieten.
Guns N`Roses-Frontmann Axl Rose und Baybshambles-Barde Pete Doherty. Der alte und der neue große Rockstar. Beide schwierig, ungehalten, exzentrisch, unverwechselbar, einmalig. Und beide am Nürburgring, auf Deutschlands größtem Festival: Rock am Ring.
Er kam spät, aber er kam: Axl Rose rockt bei Rock am Ring. (© Foto: Christina Appel)
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Rose, der Auftritte gerne spontan entfallen lässt oder sich - wenn er wider Erwarten dann doch auftaucht - auch nicht scheut, die Bühne nach einem Lied wieder zu verlassen. Der seit knapp zehn Jahren schon ein neues Album ankündigt, während der Rest von Guns N`Roses mittlerweile als Velvet Revolver eigene Wege geht. Und Doherty, der große öffentliche Drogenkranke des neuen Jahrhunderts, der englische Patient, Klatschspalten-Primus und genialische Sänger mit dem Hang zu Supermodels.
Doherty soll mit seiner neuen Band Babyshambles um 16 Uhr auf der Bühne stehen. Und kommt nicht. Der Flieger aus Barcelona hat Verspätung. Vielleicht sind es auch wieder die Drogen. Oder Kate Moss. Axl Rose soll gegen Mitternacht als letzter Act die Bühne entern. Später ist sicherer, müssen sich die Veranstalter gesagt haben, dann bedarf es bei einer Absage wenigstens keiner Zeitplan-Änderungen.
Kommt er, kommt er nicht?
Gegen 24 Uhr teilt ein Sprecher mit, dass die meisten Mitglieder von Guns N`Roses auf dem Gelände gesichtet worden seien. Nur Rose nicht. Den ganzen Tag schon kursieren Gerüchte: Einer will gesehen haben, wie Rose aus einem Hubschrauber steigt. Mit blickdichter Sonnenbrille und dunkelrotem Schal. Ein anderer erzählt von einer definitiven Absage: Rose sei erkältet.
Medienvertreter, Musiker und Fans gleichermaßen stecken fragend die Köpfe zusammen: Kommt er, kommt er nicht? Und wenn: wann?
Diesmal stehen die Chancen vergleichsweise gut, dass die Band auch wirklich erscheint. Vor wenigen Tagen hat man Guns N`Roses bei Rock in Rio in Lissabon gesichtet. Rose war wohlauf und gut gelaunt - soll sich allerdings eine Muskelzerrung zugezogen haben. Nein, nicht das Alter, die feuchte Bühne soll der Grund gewesen sein.
Man rechne mit einem Auftritt zwischen ein und zwei Uhr, so der Sprecher weiter. Und Zehntausende warten. Harren aus bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Ein eisiger Wind fegt über die Köpfe der Wartenden.
Unverwechselbare Knödelstimme
Dann um 1 Uhr 43. Die Band betritt die Bühne. Axl singt "Welcome to the Jungle" - um dann sieben Minuten später wieder von dieser zu verschwinden. Wieder Sekunden bangen Wartens. Doch er kommt wieder - und ist bester Laune. Lässt sich breit grienend von den fröstelnden Massen feiern. Zeigt sich volksnah, berührt Hände und Gesichter der ersten Reihen. Zieht sich nach beinahe jedem Lied ein anderes Leibchen über. Trägt mal ein weit offenes dunkles Lederhemd, dann ein viel zu großes Hippie-Hemd oder eine fleckige Jackenkreation, die auch Thomas Gottschalk zu Ehren gereicht hätte.
Das Warten auf das große Klopfen hat sich gelohnt. Rose singt mit seiner unverwechselbar rauen Knödelstimme "Knockin' on heaven's door". Und "Sweet Child O' Mine". Mit den Worten "This isn't a song by David Hasselhoff" kündigt er bestens gelaunt "November Rain" an und setzt sich dann gar selbst an den Flügel.
Axl Rose und seine Mitmusiker spielen all die großen Hits der Rosen, als noch der legendäre Slash an der Gitarre zupfte. Immer wieder verlässt Axl Rose die Bühne, lässt die anderen Bandmitglieder Soli fiedeln, tappen, klimpern.
So viel Auszeit braucht er wohl mittlerweile, der alte Mann mit den blonden Zöpfchen und dem schelmischen Grinsen. Um 3 Uhr 33 fragt Rose: "Who wants breakfast?" Niemand: Das Publikum muss weiter, zu Pete Doherty. Der holt seinen Babyshambles-Auftritt nach. Zehn Stunden nach dem eigentlichen Termin.
(sueddeutsche.de)