Roboter und Gefühle Tu ihm nicht weh

"Das ist nicht fair!", klagt der kleine Roboter, als er in den dunklen Schrank gesperrt wird. Das finden wir auch. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, wann Menschen Empathie für Maschinen empfinden. Ein Plädoyer für den respektvollen Umgang mit Humanoiden.

Von Bernd Graff

Da kommt was auf uns zu. Und es ist gut, sich jetzt schon ein paar Gedanken zu machen. Denn, kein Scherz, es ist alles ziemlich heikel.

Im Jahr 1968 erschien Philip K. Dicks Science-Fiction-Geschichte "Do Androids Dream of Electric Sheep?". Das Buch lieferte die Story für den Film "Blade Runner" aus dem Jahr 1982. Während es im Film um die Frage geht, was echt ist in einer aus den Fugen geratenen Welt, in der Androide und Roboter sich nicht mehr von Menschen unterscheiden, geht es in dem Buch darum, diesen ununterscheidbaren Kunstwesen gerade Menschlichkeit zuzusprechen.

Eben weil den Robotern Empathie fehlt, erlebt man das Ausbleiben von menschlichen Reaktionen wie einen künstlich erzeugten Makel. Die Roboter-Designer behaupten so eine Differenz der Kunstwesen zum Menschen, die sonst nicht mehr existiert und die letztlich das Jägergeschäft des Blad Runners Rick Deckard weniger brutal erscheinen lässt. Tatsächlich "tötet" er die gejagten Roboter ja nicht, er "schickt sie in Rente".

Im Jahr 2001 erschien Steven Spielbergs Film "A. I." (Artificial Intelligence), in dem es genau um diese Frage geht - nun aber gestellt aus Sicht des Roboters David. Der auf eine "Mutter" kodierte David wird von dieser ausgesetzt, und es geht dann einen ganzen Film lang darum, ob und wie der kleine Junge zu ihr zurück findet.

Dabei gibt es wirklich bedrückende Szenen, in denen Altroboter von johlenden Massen exekutiert werden, jedenfalls ist der Eindruck einer Hinrichtung hier eher evoziert als der einer Verschrottung. Und damit sind wir beim Thema.

Hat man als Mensch Empathie mit Robotern? Muss man mit ihnen mitfühlen, wenn sie klagen und schluchzen und - wie in diesem Video - mit den Sätzen: "That's not fair!", "It's dark in there", "I'll be all by myself" wirklich nicht in einen Schrank gesperrt werden wollen?

Tatsächlich ist dieser Film Teil eines Experiments, das an der University of Washington in Seattle durchgeführt wurde. Darin ging es um die Frage, wie Kinder auf sozial agierende Roboter reagieren. Ob sie dem geäußerten Wunsch der Maschine folgen, diese zu umarmen und wie sie darauf reagieren, dass der klagende Robot in den Schrank muss. Mehr als die Hälfte der Testgruppe würde dem Roboter zwar keine zivilen Rechte übertragen, also kein Wahlrecht zusprechen und verkauft werden kann er auch, aber sie waren dagegen, das Maschinchen in den Schrank zu schicken (die Besprechung dieses Experiments hier).

Und nun erreicht uns die Nachricht, dass Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen 40 Testpersonen vorgeführt haben, wie man Roboter, so einen kleinen knuffigen Dino-Robot, übelst foltert. Die begleitenden Messungen haben ergeben, dass Menschen tatsächlich Empathie für Roboter empfinden, denen man weh tut (obwohl man ihnen nicht weh tun kann).

Wer sich dieses Video schon mal angesehen hat, der kennt die Stelle, an der dieser kopflose Vierfüßer getreten wird, um seine Fähigkeit zu demonstrieren, selbstregulierend auf den Beinen zu bleiben. Aber mein Gott, wie wird diese Kreatur getreten (35. Sek.)! Nach knapp einer Minute sieht man, wie das auch irgendwie spinnenhässliche Ungetüm auf Eis ausrutscht und man hofft, dass es sich nichts brechen möge (1:05 Min).

Was aber sagt uns das jetzt alles? Spätestens, seit Menschen auf ihre Computertastaturen und Monitore schlagen, weiß man, dass Maschinen, die man irgendwie mit Intelligenz verbindet, etwas anderes sind als Waschmaschinen oder Stehlampen. Man bringt ihnen Gefühle entgegen, weil man vermutet, dass sie uns auch etwas entgegenbringen, dass sie etwas mit uns machen.

Natürlich kann man sagen, dass man keinen Roboter-Dinosaurier benötigt, um Mitgefühl zu empfinden. Auch Stofftieren und Puppen würde man keine Plastiktüten über die Köpfe stecken. Trotzdem ist es so, dass wir auf humanoide Roboter mit einer Empathie reagieren, die den Schaltkreisen und dem Code, den Chips und Sensoren, der Sache also, die sie eigentlich sind, nicht angemessen scheint. Selbst, wenn wir genau wissen, dass es sich um eine gefühllose, programmierte Maschine handelt, ist es uns egal. Wir reagieren. Und offen gestanden: Ob man das scary findet oder verrückt oder unangemessen oder lächerlich, es zeigt, dass wir fühlende Menschen sind.

Insofern: Auch wenn man über den stolpernden Roboter bestürzter ist als über eine Fliege, die von einer Venusfliegenfalle gefangen wird, auch wenn man also dem echten (Fliegen-)Leben gegenüber weniger Mitgefühl gegenüber bringt als der synthetischen Kreatur, ist es richtig, dass Menschen Humanoide mit Respekt behandeln (auch wenn sie mitunter zum Fürchten sind).

Wer all das nicht glauben will, sollte sich noch einmal diesen Liebestanz im All anschauen!

Offenbar sympathisieren wir selbst dann mit diesen Maschinen, wenn sie doppelt künstlich sind: 1. als Maschinen sowieso und 2. als Pixelprodukte aus dem Rechner.